49,5 Prozent der Stimmen für Hell

Knappe Kiste in Marktoberdorf: Bürgermeister Hell (CSU) und Michael Eichinger (FW) in der Stichwahl

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Dr. Wolfgang Hell (CSU) erhielt 49,5 Prozent der Stimmen und muss in die Stichwahl gegen Michael Eichinger (FW, 26,3 Prozent).

Marktoberdorf – Es ist eine Kommunalwahl unter besonderen Vorzeichen. Eine Wahl, wie sie Marktoberdorf und das ganze Land noch nicht erlebt hat: Ein Bürgermeisterkandidat in Quarantäne, die letzte Wahlkampfwoche komplett abgesagt und alle Wahlpartys sowieso. Wie würden die Bürgerinnen und Bürger in Zeiten von Corona wählen gehen? Würden Sie überhaupt zur Urne schreiten?

Ja, sie taten es und – für Markt­oberdorf gesprochen – sie taten es rege. Bei 60,6 Prozent lag am Ende die Wahlbeteiligung, etwas weniger zwar als noch vor sechs Jahren (63,6 Prozent). Jedoch ist das mehr als im gesamten Landkreis (etwa 55 Prozent) und mehr als in der Stadt Kaufbeuren, die eine Wahlbeteiligung von rund 48 Prozent aufwies.

Denkbar knapp

Das Rennen um das Bürgermeisteramt gestaltete sich als denkbar knapp. Am Ende fehlten Amtsinhaber Dr. Wolfgang Hell von der CSU nur knapp 70 Stimmen, um direkt ins Rathaus einzuziehen. Er erreichte 49,5 Prozent und verfehlte damit die absolute Mehrheit um Haaresbreite. Das bedeutet, dass es am Sonntag, 29. März zur Stichwahl zwischen Hell und seinem ersten Verfolger Michael Eichinger von den Freien Wählern kommen wird. Der 30-Jährige aus Thalhofen erreichte 26,3 Prozent der Stimmen. Abgeschlagen sind dagegen nun die Kandidaten von den Grünen und der SPD. Jörg Schneider (Grünen) erreichte 17,7 Prozent, Stefan Elmer (SPD) erhielt 6,5 Prozent der Marktoberdorfer Stimmen.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell verbrachte den Wahlabend zuhause vor dem Computer – er ist bis Ende der Woche noch in häuslicher Quarantäne. „Ich freue mich über das gute Ergebnis“, sagt er dem Kreisbote per Telefon. „Ein bisschen schade ist es natürlich, so knapp am Ziel vorbeigeschrammt zu sein.“ Doch das Stadtoberhaupt zeigt sich realistisch: „Bei vier Kandidaten war eine Stichwahl zu erwarten.“ Er schließt den Dank an seine Mitarbeiter im Rathaus und alle Wahlhelfer an das Gespräch an. „Mein Respekt vor ihrer Leistung, eine Wahl unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Krise durchzuführen.“

Stichwahl am 29. März

Mit der anstehenden Stichwahl geht die Arbeit für die Stadtverwaltung weiter. Rund 13.000 Briefwahlunterlagen müssen in den nächsten Tagen verschickt werden. An der Stichwahl werden die Marktoberdorfer Bürger ausschließlich per Briefwahl teilnehmen können.

Auf diese bereitet sich Herausforderer Michael Eichinger (FW) nun intensiv vor. Noch am Wahlabend spricht er von einem traumhaften Ergebnis und kündigt einen Wahlkampf im Internet und auf den social media-Kanälen an. „Die Karten werden neu gemischt“, sagt er kämpferisch. „Umso mehr hoffe ich bei der Stichwahl auf die Unterstützung der Wählerschaft für einen Neustart in Marktoberdorf.“

Das Rennen ist vorbei

Für Jörg Schneider, Bürgermeisterkandidat der Grünen, ist der Wahlkampf nun allerdings vorbei. Er verbinde mit ihm sehr viele positive Erfahrungen, erzählt er nach der Auszählung der Stimmen, so dass sich seine Enttäuschung in Grenzen halte. Auch das Ergebnis sei für ihn absolut in Ordnung. Vor sechs Jahren hatte Grünen-Bürgermeisterkandidat Christian Vavra noch ein niedriges einstelliges Ergebnis eingefahren. „Die Bürger halten sich in Krisenzeiten eben gerne an Bewährtes“, sagt Jörg Schneider vorsichtig und würdigt als Erklärung das Krisenmanagement von CSU-Ministerpräsident Markus Söder. Er vermutet, dass dies der CSU auch vor Ort Auftrieb gegeben habe. Der Schulleiter der St.-Martinsschule schaut jetzt nach vorn: „Die Grünen sind mir ans Herz gewachsen.“ Er werde weiterhin politisch aktiv bleiben.

SPD-Mann Stefan Elmer macht dagegen aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Im Wahlkampf habe ich so viel positives Feedback erhalten. Da hätte ich ein besseres Ergebnis erwartet,“ meint er gegenüber dem Kreisbote am Wahlabend. Über Gründe für das schlechte Abschneiden will er aber zu diesem Zeitpunkt nicht spekulieren, sondern erst einmal eine Nacht darüber schlafen. Elmer ist vielleicht enttäuscht, doch wahrlich kein schlechter Verlierer. Schon als das vorläufige Ergebnis feststeht, gratuliert er Michael Eichinger zum Einzug in die Stichwahl. Die kleinen Gruppierungen von SPD und Freien Wählern haben sich am Wahlabend zufällig im Restaurant „Zagreb“ in der Nähe des Rathauses getroffen.

Neu im Stadtrat

Das Ergebnis für die Sitz- und Stimmverteilung im 24-köpfigen Stadtrat Marktoberdorf wurde erst mitten in der Nacht zum Montag, um 3.13 Uhr amtlich. Damit ist klar, die CSU hat an Sitzen verloren (jetzt acht), die Grünen sind als zweitstärkste Fraktion zu den Freien Wählern aufgerückt (jeweils fünf Sitze). Dahinter folgen die SPD mit drei, die Fraktion Stadtteile Aktiv mit zwei und die Bayernpartei mit einem Sitz. Für die CSU sind neu im Stadtrat: Andrea Guggemos, Martin Barth und Armin Brenner. Die neuen Grünen-Stadträte heißen: Jörg Schneider, Dr. Anne-Dore Klasen und Dr. Simon Behr. Die Freien Wähler stellen neu: Michael Eichinger und Tenlik Tufan. Für die SPD ist Ursula Zwick neu im Stadtrat, für die Bayernpartei Richard Wagner und für Stadtteile aktiv ist Werner Geiger neues Mitglied im Markt­oberdorfer Gremium.

von Angelika Hirschberg

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