"Der König in der Kiste": Theater im Turm stellt neues Kinderstück vor

Ein besonderes Märchenspiel

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Traurig blickt König Alabaster aus dem Gemälde, in das ihn die böse Hexe gebannt hat.
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Die Hexe verwandelt nicht nur das einst so farbenfrohe Schloss, sondern das ganze Land in einen grauen, düsteren, freudlosen Ort.
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Die Puppe „Onkelchen“ (Karl Köberle) wurde von der kleinen Tänzerin (Mona Dürner / Lisa Becker)geweckt: Wach auf, wir haben Publikum“.
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Die dünne Frau (Birgit Ries-Ressel) und der dicke Mann (O. Michael Siegmund) entdecken ein sich näherndes Objekt.
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Die dünne Frau (Birgit Ries-Ressel) entdeckt mit ihrem Klappglas ein sich näherndes Objekt.
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Der getarnte Hyazinth (Melanie Glaus) fragt den dicken Mann (O. Michael Siegmund): „Und wenn jetzt ein echter König vorbeikäme – würdest du dann DEM helfen?“
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„Ich hab‘ doch nicht geglaubt, dass da wirklich ein echter König vorbeikommt!“

Kaufbeuren-Neugablonz – Der Pfarrsaal der Herz-Jesu-Kirche war bei der Theater-im-Turm (TiT) Premiere des neuen Kinderstücks „Der König in der Kiste“ am vergangenen Samstag noch ein bisschen dünn gefüllt. „Aber das erleben wir oft“, sagte Karl Köberle vom TiT, „viele fragen erst herum, wie es denn gewesen sei, bevor sie sich zum Theaterbesuch entschließen“. Der ist diesmal wieder unbedingt empfehlenswert.

„Der König in der Kiste“ war das erste Stück des mittlerweile 80-jährigen Autors Paul Maar, von dem auch die beliebten Geschichten um das „Sams“ stammen. TiT hat das Märchenspiel ansprechend umgesetzt. Unter der Regie von Neli Sagner und O. Michael Siegmund, der auch den bauernschlauen „dicken Mann“ spielt und das Bühnenbild entworfen hat, entstand eine spannende Aufführung für die ganze Familie.

Es waren einmal... zwei liebenswerte und friedliche Brüder, Hyazinth und Alabaster (gespielt von Melanie Glaus und Gabi Bischoff), die gemeinsam das kleine Hyabasterland regierten. Alle sind fröhlich und zufrieden. Die beiden Könige singen und spielen Gitarre und sind zum Verdruss des Oberhofministers (wunderbar misslaunig und traditionsbewusst und eitel Tom Schumann) der Meinung, man brauche nur so viel zu arbeiten, dass es für Essen und Trinken reicht, und den Rest der Zeit könne man mit Flöte spielen oder Spazierengehen verbringen.

Auch für die Nöte der dünnen Frau bringen sie Verständnis auf (wobei die weitschweifige Schnellsprech-Erzählung, wie Birgit Ries-Ressel als dünne Frau zu ihrem Problem kam, ein Kabinettstückchen erster Güte ist): Jemand der zu viel spricht, sei doch wie geschaffen für die Oberhofzeitung. Auch der abwechselnd von Jürgen und Gabriel Chmiel gespielte dümmliche Wachsoldat, der vom Oberhofminister schikaniert wird, ist sehenswert. Um wieder Zucht und Ordnung in das Land zu bringen, sucht der Oberhofminister Hilfe bei einer bösen Hexe. Diese wird von Ulrike Tabery voller Temperament genau so gespielt, wie man sich als Kind eine böse Hexe vorgestellt hat. Beim Befragen des Zaubertopfs hat sich das kleine Publikum richtig gegruselt, auch wenn gleich wieder gelacht werden konnte, weil der Topf just bei der entscheidenden Information Ladehemmung hatte. Die Hexe zaubert nun König Alabaster, nachdem sie sich seine Krone gegriffen hat, in ein Gemälde. König Hyazinth kann fliehen. Damit das Fehlen der Könige nicht auffällt, nimmt die Hexe unter großer Rauchentwicklung die Gestalt von König Hyazinth an und lässt verkünden, König Alabaster sei auf Brautschau fortgezogen.

Ab hier spielt Melanie Glaus in einer großartigen Gesamtleistung nicht nur die Szenen mit König Hyazinth, sondern auch die Szenen mit der Hexe als Hyazinth. Der Unterschied ist nur an den schwarzen Netzhandschuhen der Hexe kenntlich – eine Hexe ohne Handschuhe geht schließlich gar nicht. Während die Hexe als Hyazinth eine Verordnung nach der anderen erlässt – es ist bei Strafe verboten, Musik zu machen, keiner darf faulenzen, jeder hat ein Drittel seines Vermögens abzugeben, jeder zweite muss Soldat werden – und nicht nur das einst so farbenfrohe Schloss, sondern das ganze Land in einen grauen, düsteren, freudlosen Ort verwandelt, trifft der echte Hyazinth einen Trupp Puppenspieler mit einer magischen Kiste: Wer hineingeht wird zur Puppe und erst beim Verlassen wieder zum Menschen. Die Truppe besteht aus der anmutigen „kleinen Tänzerin“ (Mona Dürner im Wechsel mit Lisa Becker), dem Affen Joko, verkörpert von der elfjährigen Isabell Schumann, und der verschlafenen Puppe „Onkelchen“ (Karl Köberle), die beim Verlassen der Kiste zu Professor Hieronymus Wachauf wird. Mit diesen dreien und der magischen Kiste will Hyazinth sein Reich zurück erobern.

Da es ein Märchen ist und die immer gut ausgehen, gelingt es ihm schließlich auch. Aber wie er das anstellt, das muss man sich schon selbst ansehen.

von Ingrid Zasche

Vorstellungen:

Samstag, 11. November, Sonntag, 12. November, Sa mstag, 18. November, Sonntag, 19. November, Samstag, 25. November, Sonntag, 26. November jeweils um 16 Uhr im Pfarrsaal Herz Jesu. Tickets an der Theaterkasse. Vorverkauf oder telefonische Reservierung bei Buchhandlung Menzel, Sudetenstraße 119, Tel. 08341/98244.

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