Auf Kommandeur Oberst Dr. Volker Pötzsch folgt Oberstleutnant i. G. Dirk Niedermeier

Stabwechsel auf dem Fliegerhorst

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Übergabe besiegelt: Oberst Dr. Pötzsch (v. li.), Oberst von Harling und Oberstleutnant Niedermeier nach dem Wechsel der Truppenfahne.

Kaufbeuren – Die Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe steht seit vergangenem Freitag unter neuer Führung.

Nach dreieinhalb Jahren als Kommandeur am Standort Kaufbeuren gab Oberst Dr. Volker Pötzsch das Kommando der Ausbildungseinrichtung an seinen Vorgesetzten, Oberst Georg A. von Harling als Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe, zurück. Dieser übertrug die Kommandogewalt anschließend an dessen Nachfolger, Oberstleutnant i. G. Dirk Niedermeier. Dr. Pötzsch wird Chef des Stabes beim Kommando Informationstechnik der Bundeswehr in Bonn, Niedermeier kommt aus der Verwendung als Referent im Büro des Generalinspekteurs der Bundeswehr in Berlin.

Aus der ursprünglich als Kommandoabgabe geplanten Veranstaltung wurde quasi in letzter Minute doch noch eine echte Kommandoübergabe von Oberst Dr. Volker Pötzsch an Oberstleutnant i. G. Dirk Niedermeier als seinen Nachfolger. Das lag daran, dass die Entscheidung für die personelle Nachbesetzung erst vor Kurzem gefallen war. So kamen nicht nur die Angehörigen der Ausbildungsabteilung als angetretene Formation, sondern auch alle Gäste aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben in den Genuss eines militärischen Appells nach klar geregeltem Zeremoniell einer Paradeaufstellung und Ehrenformation mit Musikkorps. Oberst Georg A. von Harling als Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums (TAZ) mit Sitz in Faßberg vollzog in diesem Rahmen mit dem Wechsel der Truppenfahne als äußeres Zeichen die Kommandoübergabe.

„Sie haben von Ihrem Vorgänger Oberst Burghardt kein leichtes Erbe übernommen“, so von Harling in seiner Ansprache an den scheidenden Kommandeur gewandt. Dieser habe 2014 nicht nur die Verantwortung der zentralen Ausbildungsstätte mit einer langen und ausgezeichneten Tradition in der Luftwaffe für technisches Personal strahlgetriebener Luftfahrzeuge der Luftwaffe übernommen. Einerseits musste die Integration der altehrwürdigen TSLw 1 in das TAZ vorangetrieben werden und andererseits habe gemäß ursprünglicher Stationierungsplanung der Bundeswehr 2017 der Betrieb in Kaufbeu­ren eingestellt werden sollen. „Keine leichte Aufgabe“, sagte der Oberst, zumal man von Seiten der Organisatoren auch versuche, die Ressource Mensch in der Ausbildung auf ein Mindestmaß zu begrenzen, um Spielräume für die Neuausrichtung der Luftwaffe zu gewinnen. Er warnte jedoch davor, denn nur hoch qualifizierte Ausbilder mit ausreichend Zeit könnten gute Ausbildung gewährleisten.

Sichtbares Zeichen der Kommandoabgabe: Oberst Dr. Pötzsch gibt die Truppenfahne an Oberst von Harling zurück.

Das jetzige TAZ konnte, so von Harling, aufbauend auf den Leistungen der früheren technischen Schulen der Luftwaffe, einen Standard der Ausbildung erreichen, der seinesgleichen über die Grenzen Deutschlands hinaus suche. Der erstmals seit 45 Jahren an einen Ausbildungsverband verliehene „Prinz-Heinrich-Preis“ der Bundesluftwaffe sei ein klarer Beleg und daran habe der scheidende Kommandeur „zu einem guten Teil seinen Verdienst“. Erreicht worden sei dies hauptsächlich mit „hoch qualifizierten, engagierten Ausbildern, die Ausbildung mit Herzblut“ betreiben. In einem Spannungsbogen zwischen knappen Ressourcen und verantwortlicher Auftragserfüllung habe Pötzsch als „Dirigent in einem Konzert mit seiner offenen, kommunikativen, kreativen und immer weiterdenkenden Art und Weise sein Team der Abteilung Süd geführt“. „Du hast die notwendigen Freiräume geschaffen aber auch, wo erforderlich, die notwendige Richtung und Geschwindigkeit vorgegeben und vorgelebt; als Vorgesetzter, der mit gelebter Kameradschaft nah an seinen Untergebenen ist“, lobte von Harling. Für ihn selbst sei Pötzsch immer „ein verlässlicher Anker des TAZ im Süden“ gewesen.

„Nachhaltig beindruckt“

„Ich hätte meine letzte Rede gerne verzögert“, sagte Oberst Dr. Pötzsch, „denn der Abschied wurde mir in den letzten Tagen nicht leicht gemacht“. Für ihn sei der Abschied von Menschen und Orten der Schwerste. Das wurde auch deutlich an seiner letzten Amtshandlung als militärischer Vorgesetzter: Vor der angetretenen Truppe beförderte er den Stabsfeldwebel Ingo Fielenbach zum Oberstabsfeldwebel. Die Angehörigen der Abteilung hätten es ihm mit „ruhiger Professionalität in der Auftragserfüllung“ leicht gemacht und ihn „nachhaltig beeindruckt“. Das mit „modern, flexibel und effizient“ beschriebene Motto der Ausbildungseinrichtung sei ein gelebtes Leitbild und müsse aus seiner Sicht um die Attribute „kameradschaftlich und fair“ ergänzt werden. Die emotionale Gefühlslage des scheidenden Kommandeurs kam auch bei dem von ihm gewünschten Musikstück „Highland Cathedral“ – einem als Anerkennung für in Übersee kämpfende Schotten geschriebenen Stück – zum Ausdruck. Zumal das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr dies in einfühlsamer Form intonierte.

„Wunschverwendung“

Dirk Niedermeier als dem neuen Kommandeur am Fliegerhorst bescheinigte von Harling beste Startvoraussetzungen aufgrund seiner Vorverwendungen und wünschte ihm angesichts bevorstehender „mannigfaltiger Herausforderungen das nötige glückliche Händchen und viel Erfolg“. Dieser sprach von einer „Wunschverwendung“, sieht „Ausbildung als höchstes Gut“ und will die „Herausforderungen im Team meistern“. Sein ebenfalls anwesender Zwillingsbruder Holger Niedermeier, einst vier Jahre Inspektionschef in Kaufbeuren und jetzt im gleichen militärischen Rang, hatte zusammen mit ihm und Pötzsch die zweijährige Generalstabslaufbahn absolviert.

Besonderes Päckchen

Beim anschließenden Empfang im Offizierheim sagte Oberbürgermeister Stefan Bosse an Pötzsch gewandt: „Dieses Mal fällt mir der Wechsel besonders schwer, ich hätte Sie gerne noch hier behalten!“ Er dankte ihm für seine Aktivitäten am Standort und mit Blick auf die unter einem Weihnachtsbaum gestapelten Päckchen: „Vielleicht ist da ja ein Geschenk für uns drin, wo es heißt: ‚Alles Geschichte, ihr dürft diesen Standort behalten‘.“ Möglicherweise dürfe dieses Päckchen, auf das alle warten, ja der Nachfolger öffnen. Daraufhin entgegnete Pötzsch, dass auch er hoffe, dass dieses Geschenk dort liegt und erinnerte an den Geburtstag des OB an Weihnachten. „Wenn nicht das Christkind, wer sonst sollte wissen, was an Weihnachten kommt!“

von Wolfgang Becker


Ein Kommentar

Wunschpäckchen

Weihnachten ist seit alters her der Zeitpunkt, an dem Kinder ihre Wünsche äußern dürfen. Dies gilt aber ebenso für viele Erwachsene und auch ein Oberbürgermeister ist davon nicht ausgeschlossen. Wie Stefan Bosse als Kaufbeurer Stadtoberhaupt. Wie man weiß, gehen manche Wünsche sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen nie in Erfüllung, manche aber auch Jahre später. Und werden dann immer noch mindestens genauso gerne angenommen.

Der beim Empfang des scheidenden Kommandeurs geäußerte Wunsch des OB kommt nicht von ungefähr. Schon seit geraumer Zeit verdichten sich die (noch mit Vorsicht und im Konjunktiv formulierten) Hinweise aus den verschiedensten politischen Gruppierungen und Ebenen von der Kommune über das Land bis hin zum Bund zu der Hoffnung, dass die einst mit völlig abstrusen Begründungen erfolgte Planung einer Standortschließung durchaus revidiert werden könnte. An Argumenten für eine Umkehr fehlt es wahrlich nicht. Dass in Lechfeld kein Platz mehr ist und hohe Investitionen notwendig wären, ist lange bekannt. Und das noch nicht öffentlich gemachte Ergebnis des Interessenbekundungsverfahrens scheint für Kaufbeuren nicht ungünstig ausgegangen zu sein, wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren ist. Denn die hohe Qualität der technischen Ausbildung durch militärisches Lehrpersonal ist auch der Luftwaffenführung bekannt. Und es gibt durchaus noch weitere Gründe.

Weihnachten steht vor der Tür und die geschäftsführende Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen darf als „amtierendes Christkind“ durchaus „Wunschpäckchen“ verschicken. Vielleicht findet unser OB ja „sein“ Päckchen als Doppel-Geschenk unterm Weihnachtsbaum: als Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk! Nur die Schleife fehlt noch...!

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