„Der Gurkenauftrag ist erteilt“

Kommt auf den Prüfstand: Gurkenwasser als Salzersatz im Winterdienst

Essiggurken
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Gurkenwasser als Sole-Ersatz im Winterdienst: Dieses Pilotprojekt haben das Bayerische Verkehrsministerium und eine Firma aus Dingolfing tatsächlich im vergangenen Winter in Niederbayern gestartet. Ob diese umweltfreundliche Alternative für das klassische Streusalz auch im Ostallgäu in Betracht gezogen werden könnte, soll sich zeigen.
  • vonSelma Höfer
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Landkreis – Zwar haben viele der Anwesenden Mitglieder des Kreisausschusses gelacht, doch aus der Luft gegriffen ist die Idee von Clara Knestel (Bündnis90/Grüne) nicht. Gurkenwasser statt Streusalz, das solle der Landkreis für seinen Winterdienst doch einmal in Betracht ziehen. Dass einige bayerische Landkreise damit bereits gegen vereiste Straßen kämpfen, ging durch die Medien. Und tatsächlich gibt es ein derartiges Pilotprojekt der Regierung, weshalb einige Kreisräte und die Landrätin allerdings nicht weniger bei dieser Vorstellung schmunzelten.

„Das Gurkenwasser sei wirksam und wesentlich ökologischer, haben diese Landkreise bestätigt“, nahm Knestel es ihren Kollegen nicht übel, dass ihre Bitte erst einmal in Gelächter unterging. „Ich habe das schon erwartet, dass es euch alle sehr amüsiert“. Dennoch sei es eine „ernste Kiste“. Deggendorf als Landkreis habe den Vorteil, eine Essiggurkenproduktion vor Ort zu haben. Im Landkreis Ostallgäu gebe es zwar keinen Hersteller, im benachbarten Kempten sitze aber das Familienunternehmen Feneberg. Knestel meinte, unter dessen Eigenmarken gebe es ebenfalls eine Gurkenproduktion. Ob die Herstellung in der Nähe erfolge, gelte es dabei herauszufinden.

„Herr Stöckle, der Gurkenauftrag ist erteilt,“ rief Ostallgäus Landrätin Maria Rita Zinnecker. Mit dieser Order gab es erneut Gelächter. Sie bezweifle zwar, dass „die regionalen Gurken so viel hergeben wie jene in Deggendorf, wo großindustriell Essiggurken hergestellt werden“, will die Landrätin das Thema dennoch nicht unter den Tisch fallen lassen. „Wir können ja ausrechnen, wie viele Gurken jeder Bürger essen muss, übers Jahr, damit genug Gurkenwasser für den Winterdienst übrig bleibt“, sagte Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (CSU) ebenfalls amüsiert.

„Kreative Vorschläge sind immer gut“

Früher sei weniger Salz gestreut worden. „Aber heute, das möchte ich auch einmal sagen, ist der Anspruch der Leute so enorm. Die Straßen sollen zu jeder Tages- und Nachtzeit frei von Schnee und Eis sein“, sagte die Grüne Kreisrätin. Weshalb deutlich größere Mengen an Salz gestreut würden. Ihr Fraktionskollege Dr. Günter Räder versuchte die Diskussion auf ernsteres Terrain zu führen: „Die Salzbelastung unserer Böden, insbesondere im innerstädtischen Bereich, ist ein Thema“. Wenn die Gurken-Sole eine machbare Alternative darstellen könnte, solle sie in Betracht gezogen werden. All dem stimmte Zinnecker zu. „Kreative Vorschläge sind immer gut.“

Pilotprojekt des Bayerischen Verkehrsministeriums

Gurkenwasser als Sole-Ersatz im Winterdienst: Dieses Pilotprojekt haben das Bayerische Verkehrsministerium und die Firma Develey aus Dingolfing tatsächlich im vergangenen Winter in Niederbayern gestartet. Nach einem Jahr habe sich gezeigt, dass das Projekt ein voller Erfolg ist. So steht es auf der Homepage des Ministeriums. „Erste Testergebnisse beweisen, dass die Gurken-Sole ein gleichwertiger Ersatz für die bisher an den Meistereien in Eigenproduktion hergestellte Sole ist“, erklärte Verkehrsministerin Kerstin Schreyer. „Wir haben das Projekt deshalb in diesem Winter ausgeweitet und sparen an den Straßenmeistereien rund um Dingolfing rund 140 Tonnen Salz und knapp eine Million Liter Wasser ein.“ Neben wirtschaftlichen Vorteilen hat dies auch viele Vorteile für die Umwelt. Denn ein zu großer Salzeintrag schadet Böden, Pflanzen und Tieren und führt zu Schäden an Autos und Gebäuden.

Schon seit einigen Jahren nutzt der Freistaat Bayern überwiegend flüssige Salzsole im präventiven Winterdienst, weil diese besser auf der Straße haftet und der Salzverbrauch so wesentlich reduziert wird. Die Sole wird im Regelfall an den Straßenmeistereien selbst hergestellt. Rund um Dingolfing stellt Develey nun Salzwasser zur Verfügung, das bei der Produktion von eingelegten Gurken anfällt. Diese Salzlake wird von pflanzlichen Bestandteilen gereinigt, aufbereitet und angereichert, bis es den passenden Salzgehalt von etwa 21 Prozent erreicht hat und auf die Straßen gebracht werden kann.

Alle Informationen zum Pilotprojekt des Ministeriums und der Kooperation mit der Lebensmittelfirma aus Dingolfing gibt es online unter www.bayern.de/gurkensole-im-winterdienst.

Selma Höfer

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