Unternehmen im Allgäu schlagen Alarm

Konjunktur erneut eingebrochen – Forderungen der IHK

Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH
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„Die Situation ist mehr als ernst“, berichtet Gottfried Csauth, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH über die Lage der Brauerei. Das Unternehmen verzeichnet Umsatzeinbußen allein im Januar von mehr als 50 Prozent.

Ostallgäu/Kaufbeuren – Im Allgäu wächst die Wut der Unternehmen wegen der erneuten Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März. Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt auf, dass die Wirtschaft vor einem weiteren Krisenjahr steht – auch im Ostallgäu und in Kaufbeuren. Angesichts dieser Lage fordert die IHK-Regionalversammlung Kaufbeuren und Ostallgäu eine konkrete Öffnungsperspektive für die Betriebe. Denn einige Branchen leiden ganz massiv unter dem Lockdown.

Die IHK fordert daher eine Diskussion um eine klare Öffnungsstrategie, die sich an verlässlichen Kriterien orientiert. Diese müsse flankiert sein durch eine zügig umgesetzte Impfkampagne und eine effektive Teststrategie, um Gesundheitsschutz und Wirtschaft in Einklang zu bringen. „Die Krise verschärft sich durch den erneut verlängerten Lockdown weiter. Einige Unternehmen im Ostallgäu und in Kaufbeuren stehen bereits jetzt mit dem Rücken zur Wand“, warnt IHK-Vizepräsident Gerhard Schlichtherle.

Auffällig sei die große Polarisierung zwischen den Unternehmen: Während einige Wirtschaftszweige – darunter die Bauwirtschaft oder die Industrie – bislang robust durch die Krise gekommen sind, leiden andere Branchen massiv. „Die Situation ist mehr als ernst“, berichtet etwa Gottfried Csauth, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH über die Lage der Brauerei. „Der anhaltende zweite Lockdown hat das Brauereigeschäft viel stärker getroffen als der Erste.“ Csauth berichtet von Umsatzeinbußen allein im Januar von mehr als 50 Prozent. „Wir kämpfen mit gravierenden und beängstigenden Einschnitten“, so der Brauereichef. „Das Schlimmste aber ist, dass wir keinerlei Prognosen oder gar Planungen für die nahe Zukunft machen können.“

Krisenmanagement der Politik sorgt für Wut

Die Lockdown-Strategie der Politik und deren Krisenmanagement sorgen längst für Unmut in der Unternehmerschaft. „Die Menschen haben das Vertrauen in die Politik verloren“, sagt Wolfgang Thoma von der Spedition Ansorge in Biessenhofen. „Impfchaos und teilweise unverständliche Restriktionen zur Eindämmung von Corona haben zu einer tiefen Perspektivlosigkeit in der Bevölkerung geführt.“ Auch er fordert eine Öffnungsstrategie: „Die aktuell sinkenden Infektionsraten sollten den politisch Verantwortlichen entsprechenden Mut verleihen.“

Niko Stammel, Geschäftsführer des Textilhauses Stammel in Buchloe, berichtet, dass die bisherige Akzeptanz für die Corona-Einschränkungen in seinem Betrieb allmählich schwinde. „Vor allem bei meinem Personal wächst die Unruhe, da ich ihnen keine Planungssicherheit geben kann“, sagt Stammel. Dabei sei der Handel alles andere als untätig gewesen und warte mit kreativen Konzepten auf: „Dank unseres Hygienekonzepts sind alle Vorschriften erfüllt und wir könnten sofort loslegen und wieder aufmachen“, sagt der Familienunternehmer.

Das sieht Horst Hermann, Geschäftsführer der Georg Jos. Kaes GmbH und Betreiber der V-Märkte in der Region, ähnlich: „Der Handel ist in den vergangenen Monaten sehr verantwortungsbewusst mit der Situation umgegangen. Offene Geschäfte waren nie Treiber der Pandemie.“ Kaes ist einer der größten Ausbildungsbetriebe in ganz Schwaben. Auch für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses sei es wichtig, dass man den Betrieben einen Fahrplan aufzeige, wie Normalität wieder möglich ist, sagt Hermann.

Politik darf überfällige Themen nicht vernachlässigen

Die Unternehmer im Ostallgäu und in Kaufbauren kritisieren zudem, dass längst überfällige Themen in der Corona-Diskussion vernachlässigt werden. Dazu gehört der versprochene Bürokratieabbau oder Steuerentlastungen. Auch das Thema Energiewende bleibe auf der Strecke, klagt Stefan Fritz, Geschäftsführer der Vereinigte Wertach- Elektrizitätswerke GmbH. „Als Energieversorgungsunternehmen sehen wir mit Sorge, dass Corona die politische Aufmerksamkeit verschiebt. Die Energiewende erfolgt nicht in der Geschwindigkeit, wie es notwendig wäre.“ Das könnte langfristig zu weiteren Belastungen für den Mittelstand führen. „Der Mittelstand war und ist die entscheidende Säule der Wirtschaft. Der Staat ist aufgerufen, die reale Lage der Unternehmen zu sehen und beherzt zu handeln“, so Fritz.

kb

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