Smart bezahlen

Kontaktloses Bezahlen immer beliebter – Fallen extra Kosten an?

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Sicher bezahlen auch in kleineren Geschäften: Auch die Bahnhofs-Verkaufsstelle in Kaufbeuren akzeptiert kontaktlose Zahlungen per Karte oder Handy.

Kaufbeuren – Seit Beginn der Coronakrise werden an der Kasse immer häufiger Karte oder Smartphone und immer seltener Scheine oder Münzen aus der Tasche geholt. Das ergab auch eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom: Drei Viertel der Befragten versuchen aktuell, Zahlungen mit Bargeld so oft es geht zu vermeiden.

Zugleich wünschen sich 71 Prozent der Befragten mehr Möglichkeiten, um kontaktlos bezahlen zu können. Diesen Trend beobachten – und unterstützen – auch die Geldinstitute. Aber wer trägt die damit verbundenen Kosten? Eine Untersuchung des Online Verbrauchermagazins für Finanzen biallo.de ergab, dass hier die Kunden der Banken zur Kasse gebeten werden. Der Kreisbote befragte dazu Angelo Picierro, Vorstand der Stadt- und Kreissparkasse Kaufbeuren.

„Das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder Smartphone per NFC-Technik – die Abkürzung steht für Near Field Communication (Nahfeld­Kommunikation) – ist nicht nur hygienisch, es geht auch schnell und ist sicher“, schätzt der Banker ein. Viele Giro- oder Kreditkarten sind bereits dafür ausgerüstet. Inzwischen bieten aber auch Smartphones oder Smartwatches die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens. Neben Apple Pay und Google Pay bieten zahlreiche Banken dafür auch eigene Apps an. So setzen etwa die Sparkassen auf „Apple Pay“ und die App „Mobiles Bezahlen“.

Nur an die Kontaktstelle halten

Die dazu eingesetzten Karten, Smartphone oder Smartwatches müssen dafür mit einem NFC-Chip ausgestattet sein. Der Kunde braucht dann beim Bezahlen nur noch seine mit dem NFC-Symbol gekennzeichnete Karte oder sein elektronisches Gerät nahe an die Kontakt­stelle des Kassen­terminals halten. So kann er Beträge von üblicherweise bis 50 Euro bezahlen – ohne Pin. Nach einigen aufeinander folgenden Zahlungsvorgängen wird allerdings die Eingabe der Pin auch dann verlangt, wenn der Betrag unter 50 Euro liegt. Die Sicher­heits­abfrage der Geheimzahl ist zudem spätestens nach der fünften kontaktlosen Zahlung fällig.

Technischer Mehraufwand

Aber ganz gleich ob Karte oder Smartphone – der Betrieb eines Systems für kontaktloses Bezahlen erfordert einigen technischen Aufwand. So muss der Händler ein speziell ausgerüstetes Terminal installieren lassen, welches die schnelle Verbindung zur Bank herstellt. Das bedeutet zusätzliche Kosten. Diese können gerade bei Kleinbeträgen die Marge des Händlers fühlbar kürzen. Allerdings gilt hier europaweit eine Deckelung von maximal 0,3 Prozent des Rechnungsbetrages bei Einsatz einer Kreditkarte und von 0,2 Prozent bei Zahlung mit einer Girocard. Und der Händler gewinnt noch etwas an Komfort und Sicherheit, da er keine größeren Bargeldsummen mehr verwalten muss.

Aber auch für die Banken entstehen durch Installation und Betrieb der notwendigen Kommunikationssysteme gewisse Kosten. Diese werden teilweise an die Kunden weiter gegeben. So nannte der bialla.de-Bericht etwa die Stadt- und Kreissparkasse Kaufbeuren als ein Geldinstitut mit besonders hohen Gebühren von 60 Cent pro Zahlungsvorgang für diesen Service. Sparkassenvorstand Picierro erklärt dazu, dass diese Gebühren nur bei einem einzigen speziellen Kontotyp anfallen würden. „Die Aussage bei biallo.de bezieht sich auf das Giro-Base-Konto“, erläuterte er. „Dieses ist als Nebenkonto – und nicht für den täglichen Zahlungsverkehr – vorgesehen. Giro-Base ist eine Kontovariante, die nur von sehr wenigen unserer Kunden, nämlich 4,6 Prozent, genutzt wird – und das ganz bewusst. Dieses Konto ist mit einem sehr niedrigen Basispreis gut als Zweit- oder Drittkonto geeignet, wenn darüber wenige Umsätze abgewickelt werden.“

Die große Mehrheit der Sparkassen-Kunden verfügen hingegen über ein Konto des Typs „Giro-flex“. Hier greift ein anderes Gebührenmodell. „Diesen Kontotyp für den täglichen Zahlungsverkehr und das bargeldlose Bezahlen nutzen unsere Kunden zu einem einheitlichen Pauschalpreis“, erklärte Picierro. „Der deckt die flexible Nutzung, der Girokarte und Abhebungen an den Geldautomaten ab. Es fallen damit für diese Transaktionen – unabhängig von der Nutzungsintensität – keine gesonderten Gebühren an. Das gilt auch für den Zugang und die Nutzung unserer Online-Banking-Plattform. Ausnahmen sind Sonderfunktionen, etwa bestimmte Auslandsüberweisungen außerhalb der EU, die aber in unserem Leistungskatalog transparent aufgeführt sind. Bargeldabhebungen an den über 23.600 Geldautomaten der Sparkassen in Deutschland sind mit der Girocard kostenfrei.“

Ähnliches gilt für die Kreditkarten beim einfachen mobilen und kontaktlosen Bezahlen sowie für sichere Bezahlungsvorgänge im Internet. „Bei unseren unterschiedlichen Kreditkartenvarianten gibt es neben der einmaligen Kartengebühr keine gesonderten Gebühren für einfache mobile und kontaktlose Bezahlvorgänge sowie die sicheren Zahlungsvorgänge in Internet. Mit der S-ID Check-Funktion, dem Online-Legimitationsverfahren zum Schutz der Kreditkartenzahlungen, wird darüber hinaus Bezahlen im Internet sicherer. Alle Leistungen und Preise für unsere Kreditkartenvarianten sind transparent auf unserer Homepage www.sparkasse-kaufbeuren.de dargestellt“, so der Vorstand.

Für die Zukunft gerüstet

Mit dieser technischen Ausrüstung und Tarifstruktur sieht sich die Sparkasse gut für die Zukunft gerüstet. Denn nach Picierros Meinung wird sich der bereits seit längerem zu beobachtende Trend zum digitalen Bezahlen jetzt schnell verstärken. „Entsprechend einer Statistik der Firma Euro-Kartensysteme stieg die Anzahl der Kontaktlos-Zahlungen Es ist davon auszugehen, dass Händler und Gastronomen zukünftig immer häufiger Ihren Kunden das kontaktlose Bezahlen ermöglichen werden“, schätzt er ein.

von Ingo Busch

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