Stadt leitet vorbereitende Untersuchungen für städtebauliche Erschließung des Fliegerhorstes ein

Ein flexibles Grundgerüst schaffen

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Kaufbeuren – Bis 2017 will die Bundeswehr den Fliegerhorst Kaufbeuren schließen. Spätestens dann stellt sich die Frage, was aus dem Areal da oben wird. Entwicklungsmöglichkeiten gibt es offenbar viele. 

Der städtebauliche Wettbewerb „Europan 12“ (wir berichteten) könnte hierfür viele Ansätze liefern. Davon ist zumindest Stadtbaurat Ralf Baur überzeugt. Der Kreisbote sprach mit dem Baureferatsleiter über die anstehenden Aufgaben und seine Visionen, die er mit der Ertüchtigung des Fliegerhorst-Areals verbindet. In der jüngsten Stadtratssitzung berichtete Dr. Hans-Peter Dürsch vom gleichnamigen Institut für Stadtentwicklung über die aktuell angelaufenen vorbereitenden Untersuchungen für eine mögliche Erschließung des Fliegerhorst-Areals nach Abzug der Bundeswehr, voraussichtlich 2017.

Was wird denn untersucht?

Baur:
„Die Untersuchungen können grob in drei Phasen eingeteilt werden. Ein interdisziplinäres Arbeitsteam aus mehreren Fachbüros soll die vorbereitenden Untersuchungen erstellen. Dabei geht es um die gesamtstädtische aber auch um die standortbezogene Betrachtungsebene im Bereich des Fliegerhorstes. Die Büros beschäftigen sich also mit Themen wie Städtebau, Landschaft/Naturschutz, Arbeits- stätten- und Wohnstättenbedarf, soziale Infrastruktur und Einzelhandel aber auch mit dem Verkehr in Kaufbeuren. Darüber hinaus haben wir die Zusage für die Teilnahme am Wettbewerb 'Europan 12' bekommen. Wir überlegen uns nun, wie ein Wertermittlungsverfahren ablaufen kann. Also was kostet letztlich das Areal dort oben“.

Der Verkauf des Areals erfolgt über die Bundesanstalt für Immobilenaufgaben (BImA). Die Erfahrungen in anderen Städten haben gezeigt, dass es hier vor allem mit Blick auf die Frage: „Was ist der Quadratmeter Boden wert?“ immer wieder zu Misstrauensverhältnissen zwischen Kommunen und der BImA gekommen ist. Befürchten Sie hier für Kaufbeuren ähnliches?

Baur: „Ganz klar nein. Wir wollen aus den Fehlern der anderen lernen. Daher arbeiten wir bereits jetzt schon eng mit der BImA zusammen, wie in der Vergangenheit beim Gelände des ehemaligen San-Depot in Neugablonz. In der Regel macht ja jeder für sich ein Gutachten. Damit ist der Streit aber schon vorprogrammiert. Daher werden Stadt und die BImA zusammen ein externes Fachbüro aussuchen und dieses mit der Wertermittlung beauftragen. Das Ergebnis wird dann gemeinsam getragen. Damit sind wir später handlungsfähig und verlieren keine Zeit durch Streitigkeiten“.Ein weiterer großer Baustein ist der Wettbewerb „Europan 12“.

Was versprechen Sie sich davon?

Baur: „Der jährlich stattfindende Wettbewerb ist eine hoch spannende Sache. Der Vorteil zu anderen Wettbewerben ist, dass sich hier junge, fähige Architekturbüros europaweit beteiligen. Es ist in gewisser Weise ein Sprungbrett für die Karriere und den Bekanntheitsgrad der Büros. Entsprechend gut und vielfältig werden die Ideen sein, die am Ende dabei rauskommen. Ein bunter Strauß an Denkansätzen, von dem die Stadt nur profitieren kann, zumal dieses Gelände nicht mit anderen teilnehmenden Konversionsflächen vergleichbar ist“.

Was geben Sie den Architekten im Rahmen des Wettbewerbs mit an die Hand?

Baur: „Das gesamte Fliegerhorst-Areal ist sehr unterschiedlich gegliedert. Nicht alles ist dort bebaubar. So gibt es dort ein Wasserschutzgebiet und im Süden werden die Flächen wohl lange Zeit grün bleiben. Aber auch baulich gibt es dort Reserven, die man über Jahrzehnte nutzen kann. Im Grunde haben wir hier Strukturen, die sehr lange Bestand haben. Entsprechend anpassungsfähig muss ein mögliches Erschließungskonzept sein. Und genau unter diesem Motto steht heuer der Wettbewerb Europan 12“.

Was ist denn ihre persönliche Vision für das Fliegerhorst-Areal?

Baur: „Vorab, ich bin nicht froh, dass die TSLw 1 aufgelöst wird. Das ist niemand in Kaufbeuren. Doch das Bundesverteidigungsministerium hat so entschieden. Um so wichtiger ist es, jetzt den Standort der Bundeswehr für städtische Entwicklung zu nutzen. Beispielsweise könnte dort oben ein neuer Stadtteil Kaufbeurens entstehen. Im Kern muss die Devise dabei lauten: Schulter an Schulter mit der Altstadt“.

Was verstehen Sie konkret darunter?

Baur: „Dort oben sollte Qualität aufgezeigt werden. Soll heißen, die Qualität der Altstadt muss mit nach oben genommen werden. Denn für eine Erschließung des Fliegerhorst-Areals spielt vor allem die Attraktivität des Umfelds eine ganz wesentliche Rolle. Also für die Entscheidung, ob ich mich dort niederlassen, wohnen oder dort beispielsweise zur Hochschule gehen möchte. Mit Blick auf die demografische Entwicklung, den Wettbewerb um die besten Ausbildungsplätze, aber auch mit Blick auf die kulturelle Landschaft, Familienfreundlichkeit und die Lebensqualität ist es wichtig, hier oben die Qualität hinzubekommen, die die Altstadt bereits auszeichnet. Das Areal bietet einen enormen Standortvorteil, dabei muss nicht alles auf einmal erschlossen werden. Stattdessen kann durch die Schaffung von Grün- und Wegeverbindungen ein harmonischer Übergang von der Altstadt hin zu neuem Wohngebiet aber auch Gewerbeansiedlung geschaffen werden. Sprich ein Netz von neu zu schaffenden oder aufzuwertenden Grün- und Wegeverbindungen durchzieht zukünftig das Konversionsgebiet und trägt zur Siedlungsgliederung, aber auch zur Einbindung in das Siedlungs- und Landschaftsgefüge bei“.

Und dafür soll der Wettbewerb Europan ein Grobkonzept liefern?

Baur: „Genau. An diesem können wir uns orientieren. Es bildet eine gute Grundlage die aber so flexibel ist, dass man je nach Bedarf reagieren und Vorschläge beispielsweise auch aus der Bürgerschaft mit aufnehmen kann. Dort hätten dann zum Beispiel eine private Flugsicherungsausbildung und Gewerbe neben einem Wohngebiet sowie landwirtschaftlich genutzten Flächen Platz. Letztlich sollte in der Diskussion versucht werden, alle umsetzbaren Vorschläge städtebaulich zu verweben. Das könnte Europan 12 leisten“.

Inwieweit werden auch die Bürger am Prozess beteiligt?

Baur: „Natürlich werden wir die Ergebnisse der Voruntersuchungen und die Ideen des Europan-Wettbewerbs vorstellen und in einer Ausstellung präsentieren. Gemeinsam mit den Bürgern werden diese dann erörtert werden. Das Ergebnis des Wettbewerbs ist als städtebauliches Grundgerüst ein Werkzeug, das die Wünsche der Bürger aufnehmen kann“.

Wann werden denn die Ergebnisse des Wettbewerbs bekannt gegeben?

Baur: „Ich rechne damit, dass das Dezember 2013 der Fall sein wird“.

Wann werden die vorbereitenden Untersuchungen abgeschlossen sein?

Baur: „Der von Dr. Dürsch ausgewiesene Zeitplan sieht vor, dass wir im Mai 2016 unsere Hausaufgaben gemacht haben werden.“

Kai Lorenz

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