Fliegerhorstsiedlung: MdL Bernhard Pohl und Vermieter planen gemeinsame Begehung

Die Zeichen stehen auf Konsens

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Bis Anfang 2015 sollen die Bauarbeiten in den Straßen der Fliegerhorstsiedlung beendet sein. Noch müssen die Mieter damit leben.

Kaufbeuren – In der aufgeheizten Diskussion um die defekte Heizung und weitere Mängel in der Fliegerhorstsiedlung (wir berichteten) stehen die Zeichen scheinbar auf Kooperation.

Nach früheren „eher unangenehmen“ Gesprächen zwischen MdL Bernhard Pohl und der Delta Liegenschaftsverwaltungs GmbH als Eigentümer der Wohnungen sei ein spontaner Gesprächstermin am Mittwoch vergangener Woche „konstruktiv und einvernehmlich“ verlaufen. 

Alexander Pferschy als Vertreter der Delta und Pohl, der sich zuletzt in der Öffentlichkeit für die Belange der Mieter einsetzte planen nun eine gemeinsame Begehung der Wohnungen Anfang Dezember. Zumindest bis dahin will Pohl seine Ankündigung, das bayerische Sozialministerium in die Sache einzuschalten, nun doch nicht umsetzen. Aber müssen Mieter in der Fliegerhorstsiedlung bis Dezember nun weiter frieren, wie Peter Alt, Sprecher der Fliegerhorstinitiative, behauptet? Der Kreisbote war vor Ort und hat mit verschiedenen Mietern gesprochen (siehe unten). 

Bei der jüngsten Mieterversammlung in der Fliegerhorstsiedlung vor rund zwei Wochen wurden erneut Stimmen laut, die von unzumutbaren Mängeln wie Schimmel, defekte Türen und Feuchtigkeit in den Wohnungen sprechen; die Leistung der Heizkörper sei weiter sehr schwankend, rund ein Drittel der anwesenden Mieter tat kund, „am liebsten sofort kündigen“ zu wollen. 

Teilgenommen hatten an der Versammlung allerdings nur rund 25 Mieter der insgesamt 200 Wohnungen umfassenden Anlage unter Wortführung von Peter Alt, der als Sprecher der Initiative Fliegerhorstsiedlung auch eine Homepage mit Vorwürfen gegen die Delta Liegenschaftsverwaltung betreibt. Das Unternehmen bestritt die Vorwürfe am vergangenen Mittwoch gegenüber dem Kreisboten: Die Heizung funktioniere wie angekündigt seit dem 1. November. Einzelnen Mängeln in den Wohnungen werde stets zeitnah nachgegangen, so Geschäftsführer Phillip Pferschy. Die ausgegebenen Heizlüfter für die Übergangsphase wurden mittlerweile wieder eingesammelt. 

Bernhard Pohl (FW), der ebenfalls auf der Mieterversammlung anwesend war, ist sich trotzdem sicher, dass es sich bei den vorgebrachten Vorwürfen nicht um Einzelfälle handelt. Er stützt sich vor allem auf die Versammlung, bei der auch Wohnungen besichtigt wurden, sowie Peter Alt als Gesprächspartner und sagt: „Es gibt Missstände“. Er wolle die Belange der Mieterschaft wahren und habe „nicht das Gefühl“, dass es sich bei dem Konflikt um „einen individuellen Streit zwischen Peter Alt als „einem Mieter“ und der Delta handele. 

Bei einer stichprobenartigen Umfrage des Kreisboten am vergangenen Mittwoch in mehreren unterschiedlichen Blöcken der Siedlung bot sich allerdings ein anderes Bild. Die befragten Mieter zeigten sich zwar froh darüber, dass die Phase der Wärmegewinnung per Heizlüfter (wir berichteten) nun vorbei sei. Auch wird die Beendigung der Bauarbeiten (siehe Foto) herbeigesehnt. Die Heizung in allen besuchten Wohnungen funktionierte laut den Mietern aber einwandfrei, lediglich in einem Fall erbrachte der Heizkörper nur handwarme Temperaturen. Auch dieser Fall ist nach Recherche des Kreisboten aber mittlerweile geklärt, Bewohner Karl- heinz Ziebold erklärte am Freitag gegenüber unserer Zeitung: „Die Zusammenarbeit mit Frau Moro klappt gut“. 

Sandra Moro ist die Ansprechpartnerin der Delta für die Kaufbeurer Siedlung. Ziebold, der selbst – fernab der Öffentlichkeit und Medienbe- richterstattung – immer wieder für andere Mieter die Kommunikation mit der Delta übernimmt und mit vielen Mietern im Gespräch ist, ist sich sicher: „Peter Alt von der Initiative vertritt nicht die Hauptmeinung der Mieter“ – auch wenn es in den Wohnungen aus den 1950er Jahren sicherlich den einen oder anderen Mangel gebe. 

Das beschriebene Gesamtbild wurde dem Kreisboten auch von Jochen Weger, der auf der Baustelle für die Firma Dobler tätig ist, bestätigt. „Das mobile Heizkraftwerk läuft wie geplant. Die Leitungen für die feststehende Heizung sind bereits seit Wochen fertig, es fehlen lediglich noch Installationsarbeiten“, so Weger. Dass die Mieter durch das derzeitige vorläufige „mobile Heizkraftwerk“ (wir berichteten) Nachteile haben, glaubt er nicht. Dass sich die Arbeiten an der eigenständigen Wärmeversorgung so verzögert haben, habe seines Wissens „bürokratische Gründe, die nicht im Verschulden der Delta liegen“. 

Peter Alt ist anderer Meinung. Er wirft der Delta vor, viel zu spät mit der Beauftragung der Gewerke an der eigenständigen Wärmeversorgung begonnen zu haben. Wut gegenüber der Delta, Verzweiflung angesichts der Zustände in den Wohnungen oder gar die Ankündigung rechtlicher Schritte äußerte keiner der am Mittwoch Befragten gegenüber dem Kreisboten. Letzteren Weg beschritt bislang laut Unternehmen ausschließlich Peter Alt. Er kürzte die Mietzahlung für seine Wohnung seit der Abkopplung der Siedlung vom Wärmenetz des Fliegerhorstes zum Juli dieses Jahres – nach eigener Aussage zuletzt „um hundert Prozent, weil die Temperatur in der Wohnung unter die gesetzlich vorgeschriebene Grenze gefallen ist“. 

Darauf ließ sich die Delta nicht ein, strengte eine Räumungsklage gegen Alt an. In einem Vergleich, der am 10. Juli vor dem Amtsgericht Kaufbeuren geschlossen wurde (AZ 9C84/14), wurde dem Mieter auferlegt, einen Teil der einbehaltenen Miete nachzuzahlen und die Wohnung zu räumen. Noch wohnt Alt allerdings in der von ihm als „unbewohnbar“ bezeichneten Wohnung, da er vor dem Amtsgericht eine Verlängerung seiner Räumungsfrist beantragt hat. Immerhin laufe die Heizung mittlerweile auch bei ihm problemlos, wie er dem Kreisboten gegenüber schon in der vorvergangenen Woche erklärte. 

Aufgrund der Schäden, die ihm durch den Schimmelbefall sowie den Mehrverbrauch durch die Heizlüfter von Juli bis 1. November entstanden seien, fordert er nun von der Delta eine Entschädigung von insgesamt rund 4.800 Euro. Er sagte gegenüber dem Kreisboten am Freitag: „Auch wenn ich hier ausgezogen bin, werde ich weiterkämpfen, die Leute hier sollen zu ihrem Recht kommen“. 

Es scheint also noch längere Zeit keine Ruhe einzukehren im Streit um die Zustände in der Siedlung – außer, die Delta zahlt dafür. In einem Brief vom 5. November, der dem Kreisboten vorliegt, schlug Alt dem Unternehmen vor, es könne eine „Vereinbarung verhandelt werden, dass nach Zahlung keine weiteren Ansprüche erhoben werden und wir uns aus der weiteren Bearbeitung durch die Initiative Fliegerhorst zurückziehen“. 

Bei der Delta hofft man, dass sich nach dem Auszug von Peter Alt und dem Abschluss der Arbeiten Anfang 2015 die Lage beruhigt. „Dass es eine Zeit braucht, bis sich nach einem Besitzerwechsel alles eingependelt hat, ist klar“, so Phillip Pferschy. Bernhard Pohl sieht den Weg, sich für die Mieter in der Siedlung einzusetzen, nun eher im Konsens. Er will bis zum gemeinsamen Begehungstermin seine Ankündigung, das Sozialministerium einzuschalten, erst einmal nicht wahrmachen und setzt auf den gemeinsamen Begehungstermin Anfang Dezember.

Das sagen die Mieter:

Kristina Koch (139 c): „Die Heizung funktioniert seit 1. November in der gesamten Wohnung, nur ein Heizkörper im Esszimmer ist kalt. Die Baustelle nervt, ich habe aber dafür Verständnis. Sie soll schließlich Anfang 2015 weg sein.“ 

Christine Müller (WG der FHVR, 139 c): „Unsere Heizung funktioniert. Es ist in Ordnung, hier zu wohnen.“ 

Nuray Colak (139 c): „Die Heizung funktioniert seit 1. November in allen Räumen. Mit der Delta habe ich eigentlich keine Probleme, bin aber erst im Juli eingezogen. Vor dem Stichtag 1. November war es schon kalt, das Heizgerät brauchte viel Strom. Wir wissen noch nicht, wie die angekündigte Entschädigung durch die Delta vonstatten geht.“ 

Enrichetta Galullo (138 a): „Die Heizung läuft. Ich war nicht auf der Mieterversammlung, weil der Vermieter nicht dabei war. Vor der Delta war nichts anders. Ich wohne seit sieben Jahren hier. Wenn es ein Problem in der Wohnung gibt, kommt innerhalb einer Woche jemand, der das erledigt“. 

Tatjana Kirsanov (144 b): „Die Heizung funktioniert normal, für die günstige Miete, die wir hier zahlen, ist alles OK. Ich wohne seit 14 Jahren hier.“ 

Heide und Karlheinz Ziebold (144 b): „Unsere Heizung ist handwarm (Anm. d. Red.: am Mittwoch vor einer Woche, siehe auch Text). Hätten wir die momentanen Probleme letztes Jahr vorausgesehen, dann hätten wir nicht renoviert, sondern wären ausgezogen. Eine Entscheidung, die aufgrund unseres langen Mietverhältnisses nicht leicht gefallen wäre. Es ist schade, dass wir zur Mieterversammlung nicht da waren. Herr Alt vertritt nicht die Hauptmeinung der Mieter in der Siedlung. Unsere Tipps an die Delta: Es wäre besser gewesen, wenn der neue Vermieter im Vorfeld der jetzigen Baumaßnahmen die Mieter schriftlich oder in einer Mieterversammlung informiert hätte. Außerdem wünschen wir uns einen Hausmeister, der immer erreichbar ist. Am Freitag vergangener Woche: „Unsere Heizung läuft, die Kommunikation mit Frau Moro (siehe Text) klappt gut“.

von Michaela Frisch

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