Kooperationsvertrag unterschrieben

Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren und Universitätsklinikum Augsburg kooperieren

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Ute Sperling, Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren (vorne li.) und Prof. Dr. Dr. Michael Beyer, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum Augsburg, unterschreiben den Kooperationsvertrag. 

Marktoberdorf – Am vergangenen Donnerstag wurde es amtlich: Die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren und das Universitätsklinikum Augsburg (UKA) kooperieren zukünftig. Ein entsprechender Vertrag wurde im Landratsamt Marktoberdorf unterzeichnet. Ziel ist es, die Patienten zukünftig gemeinsam noch besser betreuen zu können.

Vor allem kranke Kinder, Patienten mit Tumoren, Nervenerkrankungen, Herz- und Lungenleiden werden von dieser neuen Partnerschaft profitieren. Das betrifft sowohl die Diagnostik und Behandlung der Krankheiten als auch die Forschung sowie die Aus- und Weiterbildungen in den Häusern. Die Partnerschaft geht damit weit über die klassische Kooperationsformen hinaus und ist nicht durch gesellschaftsrechtliche oder finanzielle Verflechtungen verbunden.

Die Kliniken in Kaufbeuren, Füssen und Buchloe „liegen uns am Herzen. Wir investieren hohe Summen“, sagte Kliniken-Verwaltungsratsvorsitzende Maria Rita Zinnecker. Die Ausstattung der Kliniken „ist am Puls der Zeit“. In ganz unterschiedlichen Fachbereichen wird somit den Ostallgäuern hoch standardisierte Versorgung geboten. „Augsburg bringt den Maximalversorger ins Portfolio“, so Zinnecker. Damit werde die medizinische Versorgung im Landkreis deutlich verbessert.

„Ein Netzwerk wird geschaffen“, sagte auch Prof. Dr. Dr. Michael Beyer, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum Augsburg. Und dieses mache intensivmedizinische Kapazitäten nutzbar.

Auf höchstem Qualitätsstandard

Ziel der „Partnerschaft auf Augenhöhe“, wie es sowohl Zinnecker als auch Beyer und Ute Sperling, Vorstandsvorsitzende des Kommunalunternehmens Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren (KU), unisono betonten, ist es, eine bessere Betreuung zu erreichen. Ein Bereich stellt die sogenannte Telemedizin dar, also das Einbeziehen von Fachärzten in Augsburg auf digitaler und telefonischer Ebene. Dadurch können eine genauere Diagnostik und somit spezifischere Therapien ermöglicht werden, ohne dass der Patient aus dem Allgäu nach Augsburg fahren muss. Insbesondere bei Tumoren, so erklärte Beyer, handelt es sich um „Personalisierte Medizin“. Denn „kein Tumor gleicht dem anderen“, erklärte der Mediziner, und eine „spezifische Therapie ist nur durch aufwendige Untersuchungen möglich“. In Augsburg können von nun an das Labor und die Forschungsabteilung helfen, um eine Therapie in den Kliniken des KU, vor Ort, zu idealisieren. Insbesondere in der Zusammenarbeit mit sogenannten Tumor-Boards, also bei Krebs und bei pädiatrischen, onkologischen, neuroradiologischen, herz- oder thoraxchirurgischen Erkrankungen.

Beyer, selbst Herzchirurg, lobte die Cardiovaskuläre Einheit, die auf höchstem Qualitätsstandard in Kaufbeuren und Buchloe bestehe. So wird ein Feld mit deutlicher Verbesserung die akute Schlaganfallbehandlung sein. Nicht allein dadurch, dass Transportwege verkürzt werden, beziehungsweise wegfallen.

Das KU habe bisher in die Ausbildung von Pflegekräften investiert. Ihre Kompetenzen sollen vertieft und spezialisiert werden. Von nun an kann auch die Ausbildung von Ärzten erfolgen. Auch die Teilnahme an universitären Forschungsvorhaben wird für das KU durch die Kooperation erweitert. „Das jüngste Universitätsklinikum Bayerns trifft auf die jüngste Hochschulstadt des Freistaats“, merkte dazu der Stellvertretende Kliniken-Verwaltungsratsvorsitzende und Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse an.

Sechs bayerische Universitäten, darunter Augsburg und die LMU und TU in München, haben sich zudem in Erlangen zum Bayerischen Zentrum für Krebsforschung (­BZKF) zusammengeschlossen. Ziel ist es, die Forschung der bayerischen Universitätskliniken zu kombinieren und durch eine flächendeckende Versorgung mit Hochleistungsmedizin zu gewährleisten sowie gleichzeitig neue und innovative Krebstherapien zu entwickeln. „Das Miteinander, nicht das Gegeneinander“ wird somit gefördert, sagte Beyer. Erkenntnisse werden geteilt. Mit der neuen Einrichtung sollen, wie auch mit der Partnerschaft des KU und der UKA, die Kräfte gebündelt werden, um schneller und effizienter Forschungsergebnisse zu erzielen.

„Zusammenarbeit ist ein Erfolg“

Wirtschaftliche Vorteile sehen beide Partner vor allem in den besseren Möglichkeiten, auf die immer komplizierteren Rahmenbedingungen für Krankenhäuser durch politische Vorgaben, Beschlüsse und Reformgesetze reagieren zu können. Das gelte für ein Universitätsklinikum ebenso wie für kleinere Kliniken. „Auch die großen haben ihre Probleme“, sagte Beyer. Hinzu komme der Fachkräftemangel auf allen Ebenen. Kapazitäten seien eigentlich vorhanden, wegen fehlenden Personals jedoch nicht abrufbar. „Wie kann die Antwort darauf sein? – Zusammenarbeit ist ein Erfolg“, so der Augsburger Mediziner. Der Zusammenschluss mache seiner Überzeugung nach intensivmedizinische Kapazitäten nutzbar und verbessere die Behandlungsmöglichkeiten um ein Vielfaches.

„Es gab viele Skeptiker und Zweifler“, sagte Klinikchefin Sperling über den Entwicklungszeitraum dieser Partnerschaft. Für sie bedeute diese Zusammenarbeit Anerkennung der geleisteten Arbeit. „An unseren Kliniken wird maximale Höchstleistungsmedizin betrieben. Das wird durch die Kooperation anerkannt“, so Sperling. Ihr Dank galt der Geduld ihrer Verhandlungspartner. Nun aber sei es wichtig, das Miteinander zu leben, zu kommunizieren, sich auszutauschen und Ideen sowie Strategien zu entwickeln, um die Patienten in Zukunft gemeinsam noch besser betreuen zu können und Lehre und Forschung voranzubringen, sagte Sperling.

von Selma Höfer

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