Koryphäe verabschiedet sich

Kaufbeurens Kriminalhauptkommissar Andreas Trinkwalder geht in den Ruhestand

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Kripochef Andreas Trinkwalder unterschreibt seine Ruhestandsurkunde im Beisein von Polizeipräsident Werner Strößner.

Kaufbeuren – Im Kreise seiner Kollegen und zahlreicher Gäste verabschiedete sich der erste Kriminalhauptkommissar Andreas Trinkwalder, der 41 Jahre bei der Polizei tätig war, bei einer Feierstunde im Rathaus in den Ruhestand. Da konnten auch Polizeipräsident Werner Strößner und Oberbürgermeister Stefan Bosse ihn nicht dazu bewegen, es sich nochmal anders zu überlegen.

Als einen „verlässlichen und kompetenten Partner“ hat Strößner seinen Kollegen kennen und schätzen gelernt. Als EDV-Spezialist kenne sich Trinkwalder nicht nur mit der Datenschutzverwaltung aus, er verstehe es überdies, sein Wissen an die junge Generation von Polizisten weiterzugeben, sie in ihren Fähigkeiten zu fördern – und dabei in seiner Schaffenszeit stets den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Über 13 Jahre lang war Trinkwalder Dozent an der Beamtenfachhochschule in Fürstenfeldbruck. Die Leitung der Kriminalpolizei in Kaufbeuren übernahm er 2006. An der nachhaltigen Stärkung des Sicherheitsgefühls in der Bevölkerung habe er laut Strößner maßgeblich mitgewirkt.

Der stellvertretende Landrat Wolfgang Hannig hob die enge Zusammenarbeit Trinkwalders mit den Kollegen hervor, die für die Arbeitsatmosphäre in einem so anstrengenden Metier wie das Polizeipräsidium von großer Bedeutung sei. Auch mit besonders aufwühlenden Fällen hätte man zu tun, wie etwa die aufsehenerregenden Tötungsdelikte, die sich 2013 auf dem Tänzelfest und 2015 im Fall vom „Wertach-Mord“ ereigneten. Um gemeinsam für die Sicherheit des Rechtsstaates und den Erhalt der Demokratie zu sorgen, habe auch der Nachfolger von Trinkwalder viel zu tun, denn, so Hannig, „das Böse schläft nie“.

Wenn es nach dem OB ginge, könnte sich Trinkwalder mit dem Ruhestand noch Zeit lassen; so regte er zumindest eine „Polizeireserve“ für eine Aktivierung im Bedarfsfall an. Schließlich kennt Bosse den Kriminalhauptkommissar von seiner eigenen Zeit bei der Polizei – anfangs nur als Stimme von der Einsatzzentrale Iller, später habe sich sein Bild von ihm als Persönlichkeit mit Führungsqualitäten verfestigt.

In seiner Rede zeigte sich Trinkwalder von der mangelhaften Akzeptanz polizeilicher Autorität betroffen, die „in besorgniserregendem Maße abgenommen hat“. An deren Stelle trete zunehmende Aggressivität und Gewaltbereitschaft. Im Laufe der Jahre hat sich zudem das Tätigkeitsfeld der Polizei grundlegend verändert: Wie Trinkwalder darlegte, habe man heutzutage verstärkt mit Cyberkriminalität und Trickbetrügern zu tun. Problemgruppen wie links- und rechtsextreme Gruppierungen sowie Salafisten und Reichsbürger kämen hinzu. Die Digitalisierung bringe außerdem eine Fülle an Aufgaben mit sich. So seien Smartphones zwar eine „unersetzliche Informationsquelle“, für die detaillierte, zeitaufwendige Auswertung sei aber die „Hand- und Kopfarbeit der Beamten gefragt“. Auch die administrativen Tätigkeiten, die mit der PAG-Novelle (Polizeiaufgabengesetz) kommen, würden personelle Ressourcen binden. So wünschte sich Trinkwalder für seine Kollegen künftig mehr Unterstützung, eine zeitnahe Nachbesetzung freier Stellen und ein neues Dienstgebäude mit moderner Ausstattung.

Auch wenn ihn die intensive Zeit mit den Dienstkollegen „zusammengeschweißt“ und er es „nie bereut“ habe, nach Kaufbeu­ren gekommen zu sein, ist die Freude auf den Ruhestand groß, wird er fortan schließlich nicht mehr mit einem Anruf mitten in der Nacht oder im Urlaub rechnen müssen.

von Mahi Kola

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