Photovoltaikanlage macht sich für humedica auf den Weg in den Niger

Geballte Sonnenkraft

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Mit vereinten Kräften wurden die Photovoltaik-Module in den Lkw geschoben.

Kaufbeuren – Ein Quantensprung für das Krankenhaus „Hosanna Complex de Sante“ in Kollo, einer Stadt im Niger: Durch eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) wird der Krankenhausbetrieb dort laut Lina Koch von humedica ab Januar 2014 weitegehend autark realisierbar sein.

Ende Oktober stand ein Lkw vor den Hallen der Hilfsorganisation humedica bereit um sich mit seiner Fracht bestehend aus einer Photovoltaikanlage, Dämmmaterial und einem Notstromaggregat auf den langen Weg in das westafrikanische Land zu machen. I

m Niger, einem der ärmsten Länder der Welt, fehlt es an allem. Die Menschen sind laut humedica unterernährt und die Kindersterblichkeit sehr hoch. Doch seit Anfang 2009 gibt es zumindest in der besonders unterversorgten Stadt Kollo nahe der Hauptstadt Niamey Abhilfe: dort wird ein Krankenhaus von humedica in Kooperation mit der Partnerorganisation Hosanna Institute du Sahel geleitet. Diese Klinik leidet jedoch immer wieder unter wetterbedingten Stromausfällen, die die Versorgung der Patienten sowie die Medikamentenlagerung und -kühlung erschweren, so Lina Koch. 

Die Firma JinkoSolar aus Unterschleißheim spendete nun Photovoltaik-Module im Wert von 16000 Euro und stellte zusammen mit der Firma Alpensolar aus Dietmannsried ein Energieversorgungssystem bereit, das nun per Schiffscontainer in den Niger geschickt und dort im Januar vor Ort von Mitarbeitern des Sponsors Alpensolar in Betrieb genommen wird. Dadurch ist die Klinik nicht mehr vom teuren Netzstrom abhängig, sondern produziert eigenen Solarstrom mit 32 Kilowatt, der nicht in das Stromnetz eingespeist werden darf, sondern direkt genutzt wird, was laut Oliver Zirm, Geschäftsführer von Alpensolar, die beste Rendite darstellt. 

Zirm zufolge begannen die Planungen zu diesem „spannenden Projekt“ im Jahr 2012. Nun sind sich die beteiligten Firmen sicher, dass die Anlage „mindestens zehn Jahre hält”, notfalls müsste man „ein paar Module austauschen“, so Vehbi Balcioglu von JinkoSolar. Einige Probleme birgt die PV-Anlage im Niger jedoch. Da der Ort nah am Äquator liegt, gibt es dort zwar viele Sonnenstunden, doch die Hitze ist eher schlecht für den Wirkungsgrad. Man habe jedoch Monozellen verwendet, die einen niedrigen Temperaturkoeffizient haben. Zudem darf man nicht in das nationale Stromnetz einspeisen, so mussten spezielle Grid-Wechselrichter der Firma Solutronic verwendet werden, damit der etwaige überschüssige Strom „vernichtet werden kann“, so Zirm. 

Eine weitere Problematik besteht im Wüstensand der Sahara: „einmal pro Woche muss der Sand vom Photovoltaikdach gekehrt werden“, so die Experten. Die Verantwortlichen hätten all diese Schwierigkeiten bedacht, und so stehe der autarken Stromversorgung der Gesundheitsstation nichts im Wege. Diese Klinik ist auf Geburtshilfe spezialisiert, in der vor allem Schwangere und Mütter mit ihren Kindern behandelt werden. 

Nach der Installation der PV-Anlage stehen Klaus Haas, dem zuständigen Projektsachbearbeiter, zufolge weitere Projekte seitens humedica an: die Geburtsstation soll vervollständigt und die Wasserversorgung durch einen Brunnen autark werden. Außerdem soll eine stärkere Leistungsübernahme der dortigen Partnerorganisation Hosanna Institute du Sahel erfolgen, so Klaus Haas, Sachbearbeiter des Klinikprojektes, denn humedica stehe für „Hilfe zu Selbsthilfe“. humedica leistet dort einen wichtigen Beitrag zur gesundheitlichen Infrastruktur und medizinischen Versorgung, die jetzt durch das neue solargestützte Energieversorgungssystem weiter voran gebracht wird. von Martina Staudinger

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