Damit das „Blut der Wirtschaft“ nicht stockt

Wie die Sparkasse Kaufbeuren mit der Corona-Krise umgeht, erklärt der Vorstandsvorsitzende

Der Vorstandsvorsitzende der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren kann der Krise auch Positives abgewinnen.

Kaufbeuren – Während zahlreiche Unternehmen in Handel, Gewerbe und Industrie derzeit nur Teile ihrer Kapazitäten nutzen oder ihre Geschäftstätigkeit vorerst gänzlich eingestellt haben, herrscht bei den Geldinstituten Hochbetrieb. Das gilt, trotz Ausgangsbeschränkungen, auch für die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren. „Wir sind da, wenn auch nicht an den Schaltern im Sparkassenforum, so doch telefonisch oder nach Absprache in unseren Büros“, erklärt dazu der Vorstandvorsitzenden Franz Endhardt.

„Unsere Mitarbeiter haben wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine arbeitet in den Büros, die andere von zu Hause aus. Sollten sich Büro-Mitarbeiter infizieren, müssten wir so ziemlich alle von ihnen in Quarantäne schicken. Dann stünden die anderen immer noch als Reserve bereit. Zudem sind wir dabei, unsere Arbeitsprozesse neu aufzubauen, mit einem wesentlich größeren Anteil an elektronischer Kommunikation. Es ist uns ganz wichtig zu zeigen, dass jeder Kunde einen Betreuer erreichen und mit diesem seine Angelegenheiten besprechen kann“, erklärt Endhardt.

Der Vorstandsvorsitzende der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren, Franz Endhardt, kann der Krise auch Positives abgewinnen.

Aber was lässt sich in der derzeitigen unübersichtlichen Situation tatsächlich klären, und was können die Mitarbeiter der Sparkasse für ihre Geschäfts- und Privatkunden tun? Wie ist es zu schaffen, dass das „Blut der Wirtschaft“, das Geld, weiter zirkuliert und möglichst alle Teile des Organismus versorgt? Ingo Busch sprach darüber für den Kreisbote mit dem Vorstandsvorsitzenden Franz Endhardt.

Herr Endhardt, die Sparkasse muss sich offensichtlich derzeit auf völlig neue Rahmenbedingungen und Aufgaben einstellen. Welches sind die ersten Aktivitäten in der Krise, und welche Prioritäten setzen Sie?

Endhardt: Das Erste, was wir getan haben, war, unsere Geschäfts-, Gewerbe-und Firmenkunden zu kontaktieren. Geschäftskunden, also Einzelhändler und ähnliche Unternehmen, gibt es bei uns mehr als eintausend. Dazu kommen dann noch etliche Gewerbekunden wie etwa Handwerksbetriebe oder kleinere Produktionsbetriebe, und dann die Firmenkunden, also mittlere und größere Unternehmen. Es gab also erst einmal viel zu telefonieren.

Und was waren die Ergebnisse?

Endhardt: Wir haben jetzt einen ersten Überblick, wer etwa die von Bund und dem Land Bayern aufgelegten Soforthilfen benötigt – und diese über uns beantragen will beziehungsweise inzwischen auch schon beantragt hat. Die Sparkassen helfen hier auch mit eigenen Krediten und ergänzenden Haftungsübernahmen, damit diese Mittel schnell bei den betroffenen Unternehmen ankommen. Auf unserer Website gibt es dazu ganz detaillierte Informationen über die möglichen Umfänge und Abläufe. Hinzu kamen zahlreiche Anfragen von Kunden, die bei uns Kredite aufgenommen haben und nachfragen, wie und unter welchen Umständen Tilgungen und/oder Zinszahlungen ausgesetzt werden können. Als regionale Sparkasse sind wir stark in die Baufinanzierung involviert, auch im Privatkundenbereich. Und obwohl das Baugewerbe derzeit noch nicht allzu stark beeinträchtigt ist, müssen wir uns auf weitere Ausfälle vorbereiten. Auch dazu finden Sie Informationen auf unserer Website.

Wie sieht es in dieser Hinsicht mit Verbraucherkrediten aus?

Endhardt: Die Aussetzung von Zins- und Tilgungszahlungen ist auch bei Verbraucherdarlehen möglich. Die Sparkasse folgte damit umgehend dem Beschluss des Deutschen Bundestages vom 25. März 2020, der lautet, dass bei vor dem 15. März 2020 abgeschlossenen Verbraucherdarlehensverträgen Zins- und Tilgungsleistungen für den Zeitraum vom 1. April 2020 bis 30. Juni 2020 ausgesetzt werden können. Wir haben sofort reagiert und stellen den Antrag auf unserer Homepage zur Verfügung.

Welche dauerhaften Veränderungen wird die aktuelle Situation im Service und in den Geschäftsstellen auslösen?

Endhardt: Das lässt sich heute schwer abschätzen. Im Moment zeigt sich, dass die – erzwungene – Digitalisierung der Arbeitsprozesse einige Vorteile bietet: Vieles geht schneller, es gibt kürzere Wege, und es bildet sich eine neue Disziplin heraus. So wird bei (Video)-Konferenzen nicht mehr lange geredet, die Formulierungen sind präziser. Ich denke, derartige Erfahrungen werden auch andere Unternehmen machen, und das wird sich sicherlich auch auf das gesamte Geschäftsleben in Deutschland nach der Krise auswirken.

Insgesamt aber haben wir als Sparkasse jedoch vor, nach Ende der Ausgangsbeschränkungen wieder zum gewohnten Serviceangebot zurückzukehren. Derzeit sind nur drei Filialen in den Städten und eine auf dem Land geöffnet und bieten einen eingeschränkten Service: Die Hauptstelle Kaufbeuren, die Geschäftsstelle Neugablonz, die Geschäftsstelle Buchloe und die Geschäftsstelle Westendorf. Künftig werden aber wieder alle elf Filialen für den Publikumsverkehr geöffnet sein.

von Ingo Busch

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