Rund neun Prozent mehr für die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen im Ostallgäu

Zehn Millionen Euro für Jugendhilfe

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Angebote wie die Erziehungsberatungsstelle Marktoberdorf, hier mit ihrer Leiterin Elisabeth Frank-Keller, werden vom Landkreis Ostallgäu bezuschusst. Die Beratung dort ist für Eltern und ihre Kinder kostenfrei.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Es ist das höchste Zuschussbudget im Kreishaushalt mit zweistelligen Steigerungsraten in einzelnen Bereichen und unsicheren Prognosen, welcher Bedarf für 2018 überhaupt anzusetzen ist. Die Jugendhilfe wird im kommenden Jahr Zuschüsse aus dem Landkreisbudget von rund 10,4 Millionen Euro benötigen.

Knapp eine Million Euro mehr, als für 2017 eingeplant waren, und damit eine Erhöhung von rund neun Prozent. Jeden Monat, so stellte Kreiskämmerer Robert Pöschl dar, fließen rund eine Million Euro an Transferleistungen in die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien.

Große Summen also, die dem Jugendhilfe-Ausschuss vergangene Woche vorgestellt wurden. Man möchte daher meinen, dass der eine oder andere Sparfuchs hier schon den roten Stift zückte. Doch nichts dergleichen. Die Ausschussmitglieder empfahlen einstimmig, die Mittel im Kreishaushalt für 2018 vorzusehen. Eine Diskussion, dass der alarmierend steigende Bedarf an Hilfen einen Kurswechsel der Bildungs- und Sozialpolitik vonnöten mache, ging der Abstimmung jedoch voraus.

Mehr als verdoppelt

Zur Jugendhilfe gehören zum größten Teil die Leistungen des Jugendamts (Teilhaushalt 210). Ein kleinerer Anteil von rund 420.000 Euro (Teilhaushalt 211) wird dem Kreisjugendring zugeschlagen. Die Leiterin des Jugendamts Petra Mayer stellte die Zahlen im einzelnen vor und sprach von einer „beachtlichen Entwicklung“. In nur zehn Jahren hatte sich der Zuschussbedarf an Jugendhilfeleistungen mehr als verdoppelt. 2008 war der Landkreis noch mit einem Budget von rund 5,1 Millionen Euro für die Jugendhilfe ausgekommen. Petra Mayer führte die enorme Erhöhung auf gestiegene Personalkosten, aber auch auf eine Mehrzahl an Kindern und Jugendliche zurück, die Hilfe benötigten. In den letzten Jahren hätte es vor allem mehr Fälle gegeben, für die eine individuelle Schulbegleitung oder eine Heimunterbringung nötig wurden. Auf beiden Haushaltspositionen plant das Jugendamt Mehrkosten von rund 275.000 Euro (Schulbegleitung, insgesamt 1,05 Millionen Euro) und von rund 125.000 Euro mehr (Heimunterbringung, insgesamt 1,75 Millionen Euro) ein.

Beide Punkte zogen denn auch eine lebhafte Diskussion nach sich. Die Jugendamtsleiterin berichtete, dass aktuell 40 Kinder und Jugendliche in Heimen untergebracht seien. Deutlich wird der Anstieg des Bedarfs an der erhöhten Anzahl der Heimunterbringungstagen, die der Landkreis bezuschusst. 2016 waren es 18.068 Tage, die Kinder aus dem Ostallgäu in speziellen Kinderheimen verbrachten. 2017 wird sich diese Zahl auf rund 19.500 steigern. Und das, so machte Mayer deutlich, liege nicht an der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, für die mittlerweile der Bund aufkomme. Es gebe letztlich einfach mehr Kinder mit massiven Störungen, die eine größeren Bedarf an therapeutischen Maßnahmen verlangten. Allerdings seien Kinder- und Jugendheime oft schon voll besetzt. „Es wird immer schwieriger, einen geeigneten Platz zu finden“, so Mayer. Steuerungsspielraum, auch aus Kostengründen, gebe es so gut wie keinen.

Deutlich auch der Anstieg an Kindern, die einen eigenen Schulbegleiter brauchen, der sie durch den Schulalltag begleitet. Im laufenden Schuljahr werden momentan über die Unterstützung des Jugendamts 32 Kinder begleitet, oft schon vom Tag der Einschulung an. 2015 waren es noch 19 Kinder. Diese Einzelbetreuung macht auch vor den Förderschulen nicht halt, wo ohnehin schon speziell geschultes Personal mit den Kindern in kleinen Klassen agiert. Auch dort haben zwölf Kinder im Landkreis ihre persönliche Begleitperson.

Die Zunahme der Schulbegleitung sei auch, so erklärte es SPD-Kreisrätin und Landtagsabgeordnete Ilona Deckwerth vehement, eine Antwort der Eltern auf die mangelnde personelle Ausstattung der Schulen. Sie forderte angesichts der alarmierende Dimension ein neues Bildungskonzept, das mehr Lehrkräfte an den Schulen vorsieht. Schulamtsdirektorin Eva Severa-Saile berichtete von Situationen im Unterricht, die Lehrer, Mitschüler und den betroffenen Schüler selbst überforderten. Sie selbst habe keine Patentlösung, beschrieb aber, wie die aktuelle Lage an den Kräften aller Beteiligten zehre. Alexander Spitschan (Vorsitzender Kreisjugendring) und Kreisrätin Gerti Kustermann (Grüne) brachen daraufhin eine Lanze für die Schulbegleiter, die in dieser schwierigen Phase versuchten auszuhelfen.

Einen größeren Anteil am Zuschussbudget der Jugendhilfe machen darüber hinaus die Aufwendungen für Kinder aus einkommensschwachen Familien in Kindertagesstätten oder bei Tagesmüttern aus: insgesamt sind rund 317.000 Euro für 2018 eingeplant. Für die Schulsozialarbeit sind rund 500.000 Euro im Haushalt für 2018 eingestellt. Der Zuschussbedarf für heilpädagogische Maßnahmen beziffert Jugendamtsleiterin Petra Mayer auf rund 676.000 Euro für 2018. Weitere Förderleistungen der Jugendhilfe sind niederschwelligen Beratungsangebote wie durch die vier Familienstützpunkte in Buchloe, Obergünzburg, Marktoberdorf und Füssen sowie die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) und die Erziehungsberatungsstellen in Marktoberdorf und Kaufbeuren mit Außenstellen in Füssen und Buchloe. Hier sollen insgesamt rund 530.000 Euro fließen.

Auch Landrätin Maria Rita Zinnecker sprach sich trotz des Etatanstiegs um knapp eine Million Euro für eine Zustimmung zum Teilhaushalt der Jugendhilfe aus. „Es lohnt sich. Jeder Euro, den wir in Prävention und Therapie stecken, ist gut angelegt.“

von Angelika Hirschberg


Definition Schulbegleiter

Schulbegleiter unterstützen Kinder mit Körperbehinderung, geistiger Behinderung oder psychischer beziehungsweise seelischer Störung, die an einer allgemeinen Schule unterrichtet werden. Möglich ist auch, dass Kinder, die eine Förderschule besuchen, einen Schulbegleiter zugewiesen bekommen, weil sich die Schule (meist aufgrund eines medizinisch festgestellten Förderbedarfs) nicht in der Lage sieht, den Schüler ohne individuelle Betreuung zu unterrichten. Voraussetzung hierzu ist, dass der Schüler überwiegend in der Klassengemeinschaft unterrichtet wird und dabei schulische Fortschritte erzielen kann. Im Rahmen der angestrebten Inklusion wird verstärkt darauf Wert gelegt, dass Schüler mit Behinderungen Regelschulen besuchen können.

(Quelle: wikipedia.org)

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