1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Kreistag beschließt Sparkassenvereinigung zum 1. Juli 2023

Erstellt:

Von: Angelika Hirschberg

Kommentare

Sparkassenfiliale Kaufbeuren 2022
Sparkasse_Lorenz.jpg © Lorenz

Kaufbeuren/Kempten – Auch der Kreistag Ostallgäu hat der Fusion der Sparkasse Allgäu mit der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren mit 48 zu 1 Stimmen zugestimmt. Vorausgegangen waren die positiven Abstimmungen beider Verwaltungsräte sowie die Zustimmung des Kaufbeu­rer Stadtrates (wir berichteten). Damit werden sich die Kreis- und Stadtsparkassen Kaufbeuren und die Sparkasse Allgäu zum 1. Juli 2023 zur neuen Sparkasse Allgäu zusammenschließen. Aus Kaufbeuren sind jedoch nicht nur positive Stimmen zum Zusammenschluss zu hören.

So wettert der Kaufbeurer Stadtrat und Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Bernhard Pohl, gegen die Fusion mit deutlichen Worten. Er spricht von einem „Nackenschlag für Kaufbeuren“ und von einem „Aus der eigenen Sparkasse nach einer fast 200-jährigen Erfolgsgeschichte“. Die Ostallgäuer Land­rätin Maria Rita Zinnecker zog nach der Abstimmung im Kreistag jedoch ein positives Fazit. „Wir ebnen damit den Weg für eine noch effizientere und stärkere Sparkasse in der Region“, sagte sie. „Das kann auch ein wichtiger Beitrag zur Krisenfestigkeit der Bank sein. Die ist in Zeiten größter Herausforderungen wichtiger denn je.“ Das Kreditinstitut hatte zu je 50 Prozent der Stadt Kaufbeuren und dem Landkreis Ostallgäu gehört.

Auch die Sparkassenvorstände sehen jetzt ihre vordringliche Aufgabe darin, das Fusionsprojekt gut und schnell in die Umsetzung zu bringen, und so für Stabilität zu sorgen. „Im ersten Schritt werden wir nun für die Beschäftigten Zuverlässigkeit in der neuen Struktur schaffen. Jede und jeder wird sich dort wiederfinden“, sagte Tobias Streifinger, Vorstandsvorsitzender der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren. Und Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, betont: „Wir fühlen uns durch die breite Zustimmung und die positiven Beschlüsse bestätigt. Wichtige Eckpunkte wie die Beibehaltung der Standorte, der Ausschluss fusionsbedingter Kündigungen und die beiden Hauptsitze Kempten und Kaufbeuren werden nun im Fusionsvertrag fixiert“.

Landkreis mit 26,02 Prozent im Zweckverband

Mit dem Beschluss gab der Kreistag seine Einwilligung in die Auflösung des Zweckverbandes der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren sowie in die Einbringung der bisherigen Mitgliedschaft des Landkreises am Zweckverband der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren in den Zweckverband der Sparkasse Allgäu. Der Landkreis Ostallgäu ist Mitglied der Träger-Zweckverbände beider Sparkassen.

Am Zweckverband der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren ist der Landkreis Ostallgäu aktuell mit 50 Prozent, an dem der Sparkasse Allgäu mit 17,6 Prozent beteiligt. Der Anteil des Landkreises an der künftigen Sparkasse soll 26,02 Prozent betragen.

Was die Fusion für Kunden bedeutet

Für die Zukunft sieht sich die Sparkasse aufgrund der neuen Größe und der starken Verankerung im Markt noch besser aufgestellt, den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen. „Wir werden uns aufgrund des Zusammenschlusses nicht aus dem Markt zurückziehen, sondern jetzt gemeinsam verstärkt für unsere Kundinnen und Kunden da sein. Das ist unser Anspruch und daran werden wir uns messen lassen.“

Für die Kundinnen und Kunden hat die Entscheidung zunächst keine Auswirkungen, bestätigen die Vorstände. Die bekannten Ansprechpartner in den Geschäftsstellen und Beratungseinheiten blieben ebenso erhalten wie das gesamte Leistungsspektrum der Sparkassen. Der Zahlungsverkehr könne weiterhin wie gewohnt abgewickelt werden, Sparkassenkarten behalten ihre Gültigkeit. Ob und für wen sich im Zuge der technischen Fusion im Oktober 2023 eventuell Änderungen ergeben könnten, sei noch offen. Wie im Stadtrat angefragt wurde, könne es zu Dopplungen bei den Kundenkontonummern kommen. Hier entscheide dann der geringste Umstellungsaufwand. Informationen werde es dazu rechtzeitig geben.

Zorn über Entscheidung bei Bernhard Pohl

Für Bernhard Pohl Grund genug, dass mit der Fusion eine Schwächung des gesamten Wirtschaftsraumes einhergehe. „Auch wenn die Sparkasse Allgäu nach dem Beitrag nun formal einen Doppelsitz in Kempten und Kaufbeuren hat, ist es völlig klar, dass die Musik künftig in Kempten spielt“, so Pohl. „Die zentralen Organisationseinheiten werden nach einer Übergangsphase an den faktischen Hauptsitz gehen. Ansonsten macht eine derartige Fusion auch aus Kostengründen gar keinen Sinn. Das ist eine gewaltige Schwächung des Wirtschaftsraums Kaufbeuren, aber auch des nördlichen Landkreises mit der wirtschaftsstarken Stadt Buchloe“, stellt der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete fest, der seit 26 Jahren dem Kaufbeurer Stadtrat angehört. Pohl erinnert sich noch gut an die Debatten vor über 20 Jahren, als die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren vor der gleichen Entscheidung stand. „Wir haben uns damals für die Eigenständigkeit entschieden und das bis heute nicht bereut. Wir haben ein leistungsstarkes Kreditinstitut, das sich durch große Kundennähe auszeichnet. Das geben wir jetzt völlig ohne jede Not auf“, zürnt der Abgeordnete. Nach Pohls Worten werde das fusionierte Bankinstitut mit einer Bilanzsum­me von rund 7,2 Milliarden Euro übrigens die achtgrößte Bank in Bayern sein.

Auch interessant

Kommentare