Ja zum Kreisverkehr

Ein Kreisverkehr an der Stelle, an der die Bahnhofstraße, die Georg-Fischer-Straße und die Aldi-Zufahrt zusammentreffen – dafür hat die große Mehrheit der Stadträte bei der außerordentlich einberufenen Stadtratssitzung in der vergangenen Woche gestimmt. Als „eine Verbesserung“ der momentanen Verkehrssituation beschrieb Architekt Bertram Mooser vom Ingenieurbüro Mooser in Kaufbeuren das Bauvorhaben. Gegenstimmen kamen aus den Reihen der SPD und der Grünen. Man hätte sich dort eine innovativere Lösung à la „Shared Space“ gewünscht. Diese sieht einen verkehrsberuhigten Bereich mit Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer vor.

Bei der ursprünglich nicht geplanten Stadtratssitzung im August trat das Gremium etwas geschwächt, aber dennoch beschlussfähig an – wollte man doch endlich über den Ausbau der Bahnhofstraße entscheiden, nachdem einige Räte in der letzten regulären Sitzung noch Beratungsbedarf angemeldet hatten. Klar war schon, dass aufgrund von fehlgeschlagenen Grundstücksverhandlungen nur noch die „abgespeckte“ Version der ursprünglichen Planung realisiert werden kann – die sieht keinen Bahnhofsvorplatz mehr vor. Dafür plant Architekt Bertram Mooser einen Mini-Kreisverkehr beim Knotenpunkt Einfahrt Georg-Fischer-Straße und Aldi-Zufahrt. Diese Stelle ist durch viele Abbiege- und Überquerungsvorgänge gekennzeichnet. Mit einem Radius von 20 Metern und einer für Lkws überfahrbaren gepflasterten Mittelinsel solle der Kreisverkehr die unglückliche Verkehrssituation dort zukünftig etwas entzerren, sagte Mooser. Augenmerk auf Fußgänger „Ein gesondertes Augenmerk“ wollte man bei der Planung der Bahnhofstraße auf Radfahrer und Fußgänger legen, meinte Stadtbaumeister Peter Münsch. Die sehr verkehrsstarke Straße mit derzeit rund 9 600 Fahrzeugen am Tag – zukünftig rund 13 000 – habe als wichtige Verbindungsachse zwischen Süd und Nord eine mehr als zentrale Rolle für den Radverkehr. man denke nur an die Anzahl der Schüler, die dort täglich queren. Wie Mooser aber einräumte, stelle der Kreisverkehr keine nennenswerte Verbesserung für den Radverkehr dar. Lediglich die Geschwindigkeit des ansonsten ungebremst fließenden Verkehrs werde vor der Einmündung in den Kreisel etwas abgeschwächt. Von den Freien Wählern machten sowohl Peter Grotz als auch Doris Rößle auf den Lärm aufmerksam, der sich ihrer Ansicht nach durch das Überfahren der erhöhten, gepflasterten Mittelinsel ergeben werde. Gerade in der Nacht könnte dies ein Problem für die Anwohner darstellen. Falsche Philosophie Die zunächst angedachte Möglichkeit des „Shared Space“ – gemeinsam genutzter Raum bei Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer – lehnte die Mehrheit ab. Bei einer Hauptverkehrsstraße wie der Bahnhofstraße sei diese Lösung verkehrstechnisch schlichtweg nicht geeignet – da waren sich auch Stadtbaumeister Peter Münsch, Bürgermeister Werner Himmer und Architekt Bertram Mooser einig. Die Behindertenbeauftragte Waltraud Joa sprach sich ebenfalls gegen diese Verkehrsphilosophie aus: Ihrer Meinung nach stelle der ohne Linienführung von statten gehende Verkehr einen Nachteil für behinderte Menschen dar. Es fehlten dahingehend auch noch Erfahrungswerte in Deutschland. Das Abstimmungsergebnis sprach für sich: Lediglich vier der insgesamt 16 anwesenden Stadträte hätten sich eine gemeinsame Nutzung der Straße gewünscht. Wolfgang Hannig von der SPD kritisierte, dass man sich mit dem Prinzip „Shared Space“ nicht ausreichend beschäftigt habe. Auf Dauer werde man an dieser innovativen Lösung nicht vorbeikommen, war sich Axel Maaß von den Grünen sicher.

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