Kreuz und/oder Halbmond?

Religiöse Symbole im öffentlichen Raum: Informationen statt Emotionen im Stadtsaal

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Über religiöse Fragen zum Kreuz als Symbol und zum Islam diskutierten im Stadtsaal Dr. Ertugrul Sahin (v. li.), Professor Dr. Frank Niebuhr, Moderator Bernhard Pohl, Professor Elisabeth Naurath und Pastoralassistent Michael Rösch.

Kaufbeuren – Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl (Freie Wähler) hatte zum Thema „Kreuze in Behörden – Moscheen in der Stadt?“ namhafte Gäste in den Stadtsaal eingeladen, die vor rund 100 Besuchern sachlich die Thematik beleuchteten.

Die Eingangsfrage von Pohl nach der Bedeutung des Kreuzes als Symbol beantwortete Pastoralassistent Michael Rösch von der Pfarreigemeinschaft Kaufbeuren, mit dem Hinweis auf „ein starkes Symbol, nach dem wir eher leben sollten“. Der Kreuz-Erlass der Bayerischen Staatsregierung zum Aufhängen von Kreuzen in bayerischen Behörden sei eher ein politisches Signal gewesen. Für Professor Elisabeth Naurath von der Universität Augsburg, sei es eher ein religiös aufgeladenes Symbol, das einen Bedeutungszusammenhang herstelle, zu dem man sich positionieren müsse. „Als Religionspädagogen setzen wir uns dafür ein, dass jedes Kind seinen Religionsunterricht bekommt“, betonte Naurath. 

Für Dr. Ertugrul Sahin, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Islamische Studien an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt, sind die Kreuze in den Behördenräumen zu viel: „Dadurch wird die Religion zu stark polarisiert“. Er sieht darin eine Verletzung des Neutralitätsgebotes in der Verfassung und meinte: „Wenn ein Kreuz ein Zeichen der Säkularisierung sein soll, warum nicht ein Halbmond!?“ Dem begegnete Professor Dr. Frank Niebuhr von der Universität Stuttgart als Rechtswissenschaftler mit dem Hinweis, dass das Bundesverwaltungsgericht vor kurzem zweifelsfrei festgestellt habe, dass jeder es hinnehmen müsse, mit religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit konfrontiert zu werden und Kreuze deshalb unbedenklich seien. „Niemand ist gezwungen, sich mit dem Symbol auseinander zusetzen“, erklärte Niebuhr. Das könne allerdings in Schulen anders sein.

„Was ist der Islam?“

Im zweiten Teil des Abends ging es dann um die Frage „Was ist der Islam?“. Dr. Sahin erklärte den Islam als Religion der Gottesoffenbarung und betonte, dass Christen, Muslime und Juden an den selben Gott glauben würden. Man könne allerdings nicht von „DEM“ Islam sprechen, da es eine Vielfalt an Überzeugungen in den Religionsschulen gebe, die unter anderem neben Sunniten, Schiiten und Aleviten zahlreiche weitere lokale Spaltungen aufweise. Auf gezielte Nachfrage von Bernhard Pohl erklärte Dr. Sahin, dass der Islam kein Gegner der westlichen Welt sei. Vielmehr hätten auch die Kolonialisierung in den letzten 200 Jahren in der arabischen Welt zu Feindseligkeiten geführt. Deshalb gebe es auch Teile in der islamischen Welt, die die westliche Kultur ablehnen würden, erklärte Sahin. Die Ausbreitung des Islam sei durch Migration verursacht. „Der Islam kennt keine Missionierung“, betonte er, „mit Ausnahme der Salafisten“.

Die Frage von Bernhard Pohl, ob man sich angesichts des türkisch-islamischen Dachverbandes DITIB e.V., (untersteht der türkischen Religionsbehörde und schickt in der Türkei ausgebildete Imame in die Islamischen Gemeinden nach Deutschland; Anm. d. Red.) Sorgen machen müsse, konnte Sahin nicht endgültig beantworten. Man führe seit Jahren eine Diskussion darüber. „Wenn sich die Diskussionen aber weiter überhitzen, könnten sich Muslime gezwungen sehen, aus dem Verein auszutreten und haben dann keine religiöse Betreuung mehr“, warnte Sahin.

Zum Abschluss konnten die Besucher Fragen an die Gäste stellen, nutzten dies aber eher zu eigenen Statements. Zur Thematik der Gegnerschaft mit dem Westen meinte ein Besucher, dass nur der Islam Probleme habe mit allen Nichtislam-Ländern. Eine Frau sagte angesichts der Kriege mit religiösem Hintergrund in der Welt: „Ohne Religion wären die Menschen viel friedlicher“. Leidenschaftlich widersprach hier Dr. Elisabeth Naurath: „In der Religion liegt viel Friedenspotential und Wertevermittlung. Die Religionen werden oft für Kriege instrumentalisiert“.

von Wolfgang Krusche

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