Kreuzsegnung mit Ross und Reiter

Dem Tross aus Ross und Reitern voran, marschiert die Musikkapelle Marktoberdorf

So könnte man sich vielleicht den Einzug des Fürstbischofs Clemens Wenzeslaus in sein geliebtes Sommerdomizil Oberdorf vorstellen. In einem bunten Zug aus festlich geschmückten pferdebespannten Wagen, mit Musikkapelle und viel Fußvolk reiste es sich seinerzeit nicht nur standesgemäß, Clemens Wenzeslaus konnte sich auf diese Weise auch als „Fürst zum Anfassen“ präsentieren. 200 Jahre nach dem Tod des beliebten Bischofs und Fürsten galt nun der Tross vom Schloss zum „Tempel“ der Segnung eines ihm gewidmeten Gedenksteines mit Erzbischofskreuz.

Pünktlich um 15 Uhr startete der bunte Wagenzug vom Schloss aus, und, was an diesem Tage wohl kaum noch jemand erwartet hatte: Es hörte auf zu regnen. Vielleicht ist ja doch ein Quäntchen Wahrheit an den Anekdoten, die davon erzählen, dass, immer wenn ein Unwetter aufzog, der Fürstbischof dabei beobachtet wurde, wie er am Fenster dafür betete, Unheil von den Oberdorfern abzuhalten. Überliefert sei außerdem, so Herbert Eigler, der die Moderation der Feier am Gedenkstein übernommen hat- te, dass, solange Clemens Wenzeslaus anwesend war, tatsächlich kein Unwetter die Marktgemeinde erreichte. Begünstigt durch den unerwarteten Wetterumschwung konnte sich die geschmückte Kolonne nun der schnell wachsenden Zuschauerzahl angemessen präsentieren. Abgerundet wurde das festliche Ambiente durch die naturgegebene Schönheit der Kurfürstenallee, die sich in einer geraden Linie von der Grabkapelle bis hin zum Gedenkkreuz erstreckt. Dem Festzug voran marschierte die Musikkapelle Marktoberdorf, die dafür sorgte, dass neben den Augen auch die Ohren nicht zu kurz kamen. Es war, angesichts der noch nassen Straße und der nicht unerheblichen Steigungen und Gefälle sicher nicht ganz einfach, die teilweise schwer beladenen Gespanne in der Kolonne sicher zu chauffieren. So galt ein besonderer Dank von Hans Zacherl, Vorsitzender des Heimatvereins, den Fuhrleuten, die „alle sicher an den Veranstaltungsort gebracht hatten“. Auch ohne seine Bemerkung, dass sich der Verein schon lange auf dieses Ereignis gefreut hatte, konnte man ihm die Freude über die gelungene Organisation ansehen. Die erste Idee „Wir nehmen einen Stein aus heimischer Erde und machen es mit Ross und Reiter“ konnte verwirklicht werden, weil alle mit an einem Strang gezogen hätten. Ein besonderer Dank galt dabei Stadtpfarrer Wolfgang Schilling, der sich bereit erklärt hatte, mit der Segnung von Kreuz und Gedenkstein die Voraussetzung für die Feier zu schaffen. Der Stein, so Zacherl, sei von Hubert Schmid gestiftet worden, der ihn seinerseits geschenkt bekommen haben soll. Eingebettet war die Segnung in ein Programm aus Tanz und Musik. Die Tanz- und Liedeinlage der Schulkinder von St. Martin musste leider entfallen, weil die Musikinstrumente wegen des erwarteten schlechten Wetters zu Hause geblieben waren. Die Fahrt auf dem Pferdewagen hat ihnen sicher trotzdem Spaß gemacht und ihr Platz in erster Reihe setzte ein Zeichen für die Zuneigung, die der Kurfürst Kindern entgegengebracht haben soll. So manch einer werde sich natürlich fragen, erklärte Moderator Eigler, warum einem so bedeutenden Mann, wie es der Trierer Kurfürst Wenzeslaus war, „nur ein Felsblock und keine Marmorsäule“ gestiftet werde. Dies liege in der Lebensweise dieses Fürsten und Bischofs begründet, führte Eigler aus. Für sich persönlich bevorzugte Wenzeslaus eine einfache Lebensweise und deshalb eigne sich ein einfacher unbehauener Stein am besten als Gedenkstein. Dem Umstand, dass sich der Fürst nicht nur in Oberdorf, sondern auch in Hindelang sehr wohl gefühlt haben soll, trugen die Veranstalter mit einer Einladung an deren Heimatdienst Rechnung. In festlicher Tracht begleiteten die Hindelanger den Zug und verliehen mit dem Gebirgstrachtenverein Ostrachtaler der Feier mit einem historischen Sechsertanz eine besondere Note.

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