Phänomenale Sicherheitslage

Kriminalstatistik Kaufbeuren: Höchste Aufklärungsquote – Rückgang der Straftaten

+
2019 klickten die Handschellen in 71,9 Prozent der Fälle, denn so oft konnten die Taten aufgeklärt werden.

Kaufbeuren – Das Allgäu ist laut Kriminalstatistik 2019 des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West so sicher wie nie. Doch das kann die Stadt Kaufbeuren nochmals toppen. Die Gesamtkriminalität ist im Vergleich zum Jahr 2018 hier um 18,6 Prozent zurückgegangen, im Bereich des Präsidiums waren es „nur“ 8,2 Prozent weniger Delikte als noch 2018.

Dienstgruppenleiter Jakob Wich, der die Statistik für Kaufbeuren vorstellte, sprach von einem „phänomenalen Rückgang“, denn 2018 waren es im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Kaufbeuren 2790 (bereinigt*: 2768) Delikte, 2019 nur 2270 (bereinigt: 2215). Positive Zahlen konnte er in fast allen Deliktsbereichen vermelden. „Wir ernten sozusagen die Früchte der jahrelangen Arbeit“, freute sich auch Polizeioberrat Thomas Maier.

Ein Gradmesser für die Sicherheitslage einer Region ist die sogenannte Häufigkeitszahl. Sie gibt an, wie viele Straftaten pro 100.000 Einwohner begangen werden und macht dadurch Regionen miteinander vergleichbar. Für Kaufbeuren liegt die Häufigkeitszahl im Jahr 2019 unbereinigt bei 5172 (bereinigt: 5046). Das ist ein Rückgang um 19,4 Prozent (2018: 6417 bzw. 6366). Kaufbeuren belegt damit laut Wich Platz drei der sichersten kreisfreien Städte Bayerns und Platz eins in Südbayern. Zudem ist das die niedrigste Kriminalitätsbelastung für die Bürger Kaufbeurens seit sage und schreibe 20 Jahren.

Was die Kaufbeurer Polizei zudem positiv stimmt, ist die Entwicklung der Aufklärungsquote. Im vergangenen Jahr wurden 71,9 Prozent (bereinigt: 71,2) aufgeklärt, das stellt einen Anstieg von 2,5 Prozentpunkten dar. „Die Quote war in den vergangenen 20 Jahren noch nie so hoch“, erklärte Wich. Maier erklärte, dass diese Zahl auch eine generalpräventive Wirkung auf Täter habe, denn diese würden abgeschreckt, Straftaten zu begehen, wenn sie wissen, dass die Chance, geschnappt zu werden, so hoch ist. So trage diese Zahl auch zum subjektiven Sicherheitsgefühl jedes Einzelnen bei.

225 leichte Körperverletzungen registrierte die PI Kaufbeuren im Jahr 2019, ein Jahr davor waren es 274. 100 schwere und gefährliche Körperverletzungen im Jahr 2018 stehen 81 im Jahr 2019 gegenüber. In der Statistik für 2019 wird ein Mord aufgeführt, der allerdings schon 2018 verübt wurde. Ein Mann hatte seinen sieben Monate alten Sohn so massiv misshandelt, dass dieser an den schweren Verletzungen starb. Im vergangenen Jahr wurde er zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt (wir berichteten). Laut Kripo-Chef Andi Buchmiller wurden im Jahr 2019 darüber hinaus zwei Ermittlungsverfahren wegen Totschlags geführt.

Die registrierten schweren Sexualstraftaten, also Vergewaltigungen, nahmen zwar um einen Fall auf neun Delikte ab, doch die Dunkelziffer dürfte laut Buchmiller höher liegen. Aus Angst und Scham würden die Opfer diese Verbrechen oft nicht bei der Polizei anzeigen, zumal sie meist im persönlichen Umfeld geschehen. Bei den Raubdelikten, also Diebstahl mittels Gewalt, gab es einen Anstieg von sechs auf elf Fälle, wovon sich mehrere im persönlichen Rahmen abgespielt hätten und einige auch geklärt werden konnten.

Seit 2001 haben sich die Fallzahlen im Bereich Diebstahlskriminalität halbiert. Darunter fallen Laden-, Fahrrad- und Taschendiebstähle sowie Diebstähle aus Fahrzeugen. Bei Letztgenanntem sind die Zahlen besonders auffällig, denn die Zahl nahm von 102 im Jahr 2018 auf 32 ab. Der extreme Rückgang ist damit zu erklären, dass 2018 Serientäter unterwegs waren. Durch höhere Polizeipräsenz konnten sie gestoppt werden.

Die Gemeinden Mauerstetten, Germaringen und Irsee, die in die Zuständigkeit der PI Kaufbeuren fallen, waren Anfang des vergangenen Jahres „Hotspots“ von Wohnungseinbruchdiebstählen, sagte Buchmiller. 13-mal wurde innerhalb kurzer Zeit eingebrochen, und das am helllichten Tag, so der Kripo-Chef. Es konnte jedoch noch niemand ermittelt werden, oft werden die Täter – meist umherreisende banden – Jahre später anhand von DNA-Spuren überführt.

Zwar nahmen die Vermögens- und Fälschungsdelikte ab, aber nur, weil sich die Taten ins Internet verlagern – und die fließen nicht in die Statistik ein, zumal sie oft aus dem Ausland gesteuert werden. Laut Maier handelt es sich nämlich um eine Tatortstatistik, will heißen, dass die Delikte aufgeführt werden, wenn der Täter in Kaufbeuren sitzt, nicht aber, wenn Opfer aus Kaufbeuren betroffen sind. 139 solcher Strafanzeigen wurden laut Buchmiller im Jahr 2019 bearbeitet. Besorgniserregend sind auch die Callcenter-Betrugsmaschen wie der „Enkeltrick“ oder „Falsche Polizeibeamte“, die seit 2015 stetig zunehmen und besonders ältere Menschen betreffen. Nicht selten wird ihnen ein hoher finanzieller Schaden zugefügt, obwohl die Polizei über die unterschiedlichsten Kanäle vor diesen Betrügern warnt. „Die Täter werden immer raffinierter“, sagte Maier. „Sie fingieren sogar Polizeieinsätze im Wohnbereich der Angerufenen, um diese davon zu überzeugen, dass die Anrufer echte Polizisten seien, weil in dem Moment ein Streifenwagen an der Adresse der Betrugsopfer vorbeifährt.“ Buchmiller bekräftigte vehement, dass man bei dem geringsten Verdacht eines Betruges auflegen und die 110 wählen solle. In einem Fall konnte in Kaufbeuren ein „Falscher Polizeibeamter“ festgenommen und dadurch eine Geldübergabe verhindert werden.

Die Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt auch in Kaufbeuren zu. 30-mal wurden Polizeibeamte angegriffen, verbal oder tätlich mit Fußtritten und Schlägen ins Gesicht. Dies ist im Hinblick auf die Corona-Pandemie heute natürlich besonders heikel, denn in solchen Momenten müssen die Polizisten schnell handeln und können nicht erst den Mundschutz umbinden.

Die meisten Tatverdächtigen (79 Prozent) waren im Jahr 2019 Erwachsene, gefolgt von Heranwachsenden (zehn Prozent). Jugendliche begingen acht Prozent der Taten und Kinder drei Prozent, wobei die Tendenz straffälliger Kinder durch das Verschicken gewaltverherrlichender Videos und Pornos steige. Vielen Kindern sei nicht bewusst, dass dies strafbare Handlungen sind, so Maier. Mit 76 Prozent werden männliche Personen viel häufiger Täter als weibliche. Etwa jeder fünfte Täter ist alkoholisiert. 70 Prozent aller Tatverdächtigen sind Deutsche. Seit 2015 seien die Straftaten, die von Ausländern verübt werden, laut Maier von zuvor 16 Prozent auf 30 Prozent gestiegen. Dies sei bedenklich, da ihr Anteil an der Bevölkerung nicht in dem Maße gestiegen sei.

Entwicklung der Kriminalitätslage in der Stadt Kaufbeuren:

Gesamtkriminalität:

-18,6 Prozent

2270 (Jahr 2018: 2790) Fälle

Gewaltkriminalität:

-8,5 Prozent

107 (117) Fälle

Diebstahlskriminalität:

-16,4 Prozent

647 (774) Fälle

darunter 155 (140) Ladendiebstähle, 145 (183) Fahrraddiebstähle, 7 (11) Taschendiebstähle, 32 (102) Diebstähle aus Kfz

Vermögens- und Fälschungsdelikte/Betrug:

-35,3 Prozent

304 (470) Fälle

227 (362) Betrugsfälle

Straßenkriminalität:

-33,2 Prozent

402 (602) Fälle

Rauschgiftkriminalität:

+5,7 Prozent

166 (157)

darunter 84 (86) Verstöße mit Cannabis, 1 (3) Verstoß mit Heroin, 5 (5) Verstöße mit Kokain

Gewalt gegen Polizeibeamte:

+7,1 Prozent

30 (28) Fälle

* bereinigte Zahlen bedeuten, dass Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können wie etwa Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz, herausgerechnet wurden.

von Martina Staudinger

Auch interessant

Meistgelesen

Ehemaliger Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung muss vor Gericht
Ehemaliger Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung muss vor Gericht
Erstes Corona-Todesopfer in Kaufbeuren
Erstes Corona-Todesopfer in Kaufbeuren
Senioren- und Pflegeheim Waal: 29 Personen positiv auf Coronavirus getestet
Senioren- und Pflegeheim Waal: 29 Personen positiv auf Coronavirus getestet
Tänzelfestchef Horst Lauerwald äußert sich zu diesjährigen Planungen
Tänzelfestchef Horst Lauerwald äußert sich zu diesjährigen Planungen

Kommentare