Prävention fruchtet

+
Im vergangenen Jahr ist in 17 Kaufbeurer Wohnungen eingebrochen worden.

Kaufbeuren – Die Kaufbeurer Polizei ist sehr zufrieden mit den Zahlen, die sich in ihrer Kriminalstatistik für das Jahr 2016 niederschlagen. „Mit der Sicherheitslage in der Stadt können die Bürger zufrieden sein“, befand Polizeioberrat Thomas Maier, Leiter der Kaufbeurer Polizeidienststelle am Mittwoch, als die Statistik der Presse vorgestellt wurde. In fast allen Bereichen sind die Straftaten rückläufig, die Rauschgiftkriminalität hat allerdings zugenommen – um fast 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Kriminalitätsbelastung in Kaufbeuren ist insgesamt auf einem niedrigen Niveau, berichtete Polizeioberkommissar Markus Holste. Kaufbeuren ist nach Schwabach, Fürth und Erlangen (alle in Nordbayern) die sicherste kreisfreie Stadt in Bayern. Ein Vergleich der verschiedenen Regionen und Städte ist mit der Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ) möglich. Sie gibt die Zahl der erfassten Fälle bezogen auf 100.000 Einwohner wieder. In Kaufbeuren liegt sie bei 5.989 – der niedrigste Stand seit 16 Jahren, so Holste. Und obwohl Kaufbeuren immer mehr Einwohner hat, sank die Zahl der Straftaten insgesamt etwas, nämlich um sechs Fälle, also um 0,2 Prozent auf 2559.

Im Vergleich zum Vorjahr ging die Aufklärungsquote um drei Prozent auf 68,7 Prozent zurück. Dies lässt sich laut Holste aber mitunter auf Delikte wie Reifenstechereien zurückführen, von denen einige im Jahr 2015 einem Täter zugeordnet werden konnten. Nichtsdestotrotz liegt die Quote der aufgeklärten Straftaten in Kaufbeuren über dem bayernweiten Durchschnitt (65 Prozent).

Den größten Anteil der Tatverdächtigen machen mit 80 Prozent nach wie vor Erwachsene aus, wobei der Durchschnitt der Erwachsenen in den vergangenen 16 Jahren bei 73 Prozent liegt. Drei Prozent der Täter waren Kinder, acht Prozent Jugendliche (14 bis 18 Jahre) und neun Prozent Heranwachsende. „Die Präventionsmaßnahmen wirken hier nachhaltig“, ist sich Holste sicher. In diesem Zusammenhang merkte Maier positiv an, dass bei alkoholisierten Tatverdächtigen kein Kind dabei war, was in den Jahren zuvor durchaus vorgekommen sei. Zehn Jugendliche und 23 Heranwachsende tauchen diesbezüglich in der Statistik auf.

Eine rückläufige Entwicklung verzeichnet die Polizei bei der Straßenkriminalität. 2016 gab es demnach 402 solcher Fälle, 2015 waren es 421 (Rückgang um 4,5 Prozent). Grund dafür sei die Polizeipräsenz sowie die Sicherheitswacht, was sich Holste zufolge in den Zahlen deutlich niederschlage. Der Kaufbeurer Bürger sei also auf der Straße sicher.

Die Gewaltkriminalität, die beispielsweise auch häusliche Gewalt beinhaltet, ist von 103 angezeigten Fällen im Jahr 2015 auf 105 Fälle leicht gestiegen. Allerdings ist die Zahl der Tötungsdelikte von fünf auf drei gesunken. Ein 23-jähriger Mann ist im April durch einen Messerstich getötet und sein Freund am Hals verletzt worden (wir berichteten ausführlich), was laut Kaufbeurens erstem Kriminalhauptkommissar Andreas Trinkwalder einen versuchten Mord darstellte. Beim dritten Tötungsdelikt, einem versuchter Totschlag, handelte es sich um einen Streit zweier BKH-Insassen.

Für 2016 tauchen in der Statistik vier Vergewaltigungen auf. „Es gab aber keine echte Vergewaltigung“, erklärte Trinkwalder. Bis zu 40 Prozent solcher Anzeigen seien vorgetäuschte Vergewaltigungen, was den Tatbestand „Vortäuschen einer Straftat“ erfülle.

Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

„Auf einem sehr guten Weg“ sei die Polizei in puncto Sachbeschädigungen, wo die Statistik – wie auch im Jahr zuvor (267) – eine niedrige (der 16-Jahresdurchschnitt liegt bei 359), wenn auch etwas angestiegene Zahl (291) aufweist. Die Polizeipräsenz beispielsweise durch Streifentätigkeit sorge Holste zufolge für das niedrige Niveau. Doch je mehr Polizei präsent sei, desto mehr seien die Beamten Gewalt ausgesetzt. So seien elf Polizisten im vergangenen Jahr körperlich angegriffen worden (Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte). Weit mehr hätten Beleidigungen und Spuckattacken über sich ergehen lassen müssen.

Bei Diebstahlsdelikten, wie Laden und Fahrraddiebstählen und solchen aus Fahrzeugen, verzeichnet die Statistik mit einem Rückgang um 111 Fälle mit 697 an der Zahl den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000. Aber die Zahl der Wohnungseinbrüche ist von 15 im Jahr 2015 auf 17 gestiegen. Laut Trinkwalder eine minimale Steigerung, die keinen Anlass zur Sorge bereite, denn die Zahlen lägen auf einem niedrigen Niveau. Das begründet er damit, dass Kaufbeuren auf eine vergleichsweise schlechte Verkehrsanbindung verfügt, weswegen Kaufbeuren (noch) nicht ins Visier von Banden gerückt sei. Auch Sonderstreifen, die Sicherheitswacht und intensive Präventionsmaßnahmen seien ausschlaggebend für wenige Einbrüche gewesen, so Maier. Er verwies auf eine Broschüre, die darüber aufklärt, wie man die eigene Wohnung vor Einbruch sichere und die in der Dienststelle ausliegt.

In Sachen Vermögens- und Betrugsdelikte zeigt die Statistik einen starken Rückgang auf. „Die präventiven Maßnahmen fruchten“, machte Holste deutlich. Auch durch die Medienberichterstattung über den sogenannten Enkeltrick und falsche Polizeibeamte am Telefon würde die Bevölkerung immer mehr sensibilisiert.

Um 98,8 Prozent ist die Rauschgiftkriminalität auf 163 Delikte im Vergleich zu 2015 (82) gestiegen. Hierbei handele es sich jedoch um ein klassisches Entdeckungsdelikt, bei der die Aufklärung dann nahezu bei 100 Prozent liege. Die Zahl sei nicht besorgniserregend. „Wir kennen unser Klientel, oft auch die Abnehmer“, so Trinkwalder. Bei den gefunden Mengen an Rauschgift handele es sich um viele kleine Fälle.

von Martina Staudinger

Auch interessant

Meistgelesen

Schwerer Unfall auf B12
Schwerer Unfall auf B12
Kleintransporter von Zug erfasst
Kleintransporter von Zug erfasst
Einbrecher im Schlafzimmer
Einbrecher im Schlafzimmer
Aberwitzige Forderung
Aberwitzige Forderung

Kommentare