Präsidium Schwaben Süd/West stellt Kriminalstatistik vor – Straftaten nehmen insgesamt ab

"Wir leben in einer der sichersten Regionen"

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Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel (Mitte) stellt die Kriminalstatistik 2013 vor, bevor er im Sommer in den Ruhestand geht. Unterstützt wird er vom Leitenden Kriminaldirektor Karl Heinz Alber (links) und Pressesprecher Christian Owsinski.

Kempten – Eigentlich war Hans-Jürgen Memel zum Pressegespräch gekommen, um die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/ West für 2013 vorzustellen. Der Skandal um den festgenommenen ehemaligen Leiter der Kemptener Drogenfahndung, der auf sein Urteil wegen Körperverletzung und Drogenbesitz wartet (wir berichteten), konnte vom Polizeipräsidenten des Präsidiums Schwaben Süd/West aber nicht ausgeblendet werden.

Positiv gestaltete sich jedoch die Statistik für den Präsidiumsbereich. So konnten in vielen Deliktsbereichen sinkende Fallzahlen verzeichnet werden, die Aufklärungsquote liegt über vier Prozent über dem gesamtbayerischen Wert. Nur die Zahl der Taten unter Alkoholeinfluss sei weiter „unerfreulich hoch“. „Wir wissen um den Imageschaden, der uns dadurch entstanden ist“, sagte Memel gleich zu Beginn hinsichtlich des ehemaligen Leiters der Kemptener Drogenfahndung Armin N. Das übergeordnete Ziel der bürgernahen Polizeiarbeit sei dadurch „schwer erschüttert“ worden. Die Polizei kämpfe jedoch darum, das Vertrauen zurückzugewinnen und es sei nicht so, dass jetzt alle Kollegen unter Generalverdacht stünden. „Wir werden zwar vor allem privat darauf angesprochen, aber nicht beschimpfend“, erläuterte Memel. Zu den angeblichen Differenzen, die in der jüngsten Vergangenheit zwischen den Kemptener Drogenfahndern und der Kripo in Neu-Ulm vermutet wurden, meinte der Polizeipräsident: „Die kann ich nicht im Ansatz bestätigen, im Gegenteil: Im Gespräch mit den Beamten ist die gute Zusammenarbeit gelobt worden.“ 

Weiter große Sicherheit 

Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2013 konnte Memel dann Erfreuliches vermelden. „Wir leben in einer der sichersten Regionen“, berichtete der Polizeipräsident. So liege die sogenannte „Häufigkeitszahl“ mit einem Wert von 4.306 Straftaten pro 100.000 Bewohner um 15 Prozent unter dem bayerischen und 41 Prozent unter dem deutschen Wert (2012). Der Landkreis Ostallgäu hebt sich dabei positiv hervor: Hier lag die Häufigkeitszahl mit 3.185 noch einmal um über 1.000 Fälle und damit um 26 Prozent niedriger als im Präsidiumsbereich. Gleichzeitig werden im Bereich Schwaben Süd/West mehr Verbrechen aufgeklärt als in vielen anderen Präsidiumsbereichen. 

Die Aufklärungsquote sei ein bedeutender Indikator für die Qualität der polizeilichen Arbeit, so Memel. Sie liegt mit 68,2 Prozent um 4,1 Prozent über dem bayerischen und um 13,8 Prozent über dem deutschen (2012) Durchschnitt. 

Am erfreulichsten ist es allerdings, wenn die Polizisten weniger zu bearbeiten haben, weil die Anzahl der Delikte zurückgeht. Dies konnte Polizeipräsident Memel gleich in mehreren Bereichen verkünden. So sank die Zahl der Sexualdelikte um 11,8 Prozent, die Straßenkriminalität um 5,7 Prozent sowie die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte um 5,5 Prozent. Die Gewaltkriminalität sank um 4,8 Prozent, die Rauschgiftkriminalität um 0,7 Prozent. Eine leichte Steigerung gab es dagegen im Bereich der Diebstahlskriminalität mit einem Plus von 1,1 Prozent. Hier handelt es sich laut Polizei aber über einen vorübergehenden Anstieg vor allem wegen vermehrter Wohnungseinbrüche. Ein rätselhafter Fall, der die Polizei in Ost- und Oberallgäu über mehrere Monate in Atem hielt, konnte mittlerweile gelöst werden: Wiederholt waren aus Umkleidekabinen an Fußballplätzen Mobiltelefone gestohlen worden. An insgesamt 19 Tatorten hatten die Diebe damit 70 Personen geschädigt. Eine wochenlange Oberservation von möglichen weiteren Tatorten führte nicht zum Erfolg. Allerdings konnten Marktoberdorfer Beamte Wochen später die Besitzer zweier geklauter Handys ermitteln, worauf es zu Durchsuchungen bei Tatverdächtigen in Tirol und Nordrhein-Westfalen kam. Immerhin konnten noch 13 Handys aus der Beute sichergestellt werden. 

Alkohol macht Sorgen 

Stärker zugenommen haben 2013 im Bereich Schwaben Süd/West die ausländerrechtlichen Verstöße, die um 12 Prozent auf 1.024 Fälle in 2013 angestiegen sind. Insgesamt ist die Anzahl der Straftaten aber so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr (seit 2004 Rückgang um 14,2 Prozent). Trotzdem lag der finanzielle Gesamtschaden durch Straftaten im Präsidiumsbereich immer noch bei satten 59,2 Millionen Euro. Eines bereitet den Beamten zusätzliche Sorgen: Die gleichwohl unverändert hohe Anzahl von alkoholbeeinflussten Taten, gerade im Gewaltbereich. Weniger wurden 2013 auch die Betrugsfälle, Vermögens- und Fälschungsdelikte nahmen im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent ab. 

Allerdings warnen die Beamten vor einer derzeit bei Trickbetrügern beliebten Masche: dem sogenannten „Schockanruf“ oder „Enkeltrick“, bei dem sich ein Fremder am Telefon als Verwandter oder dessen Vertreter ausgibt und finanzielle Hilfe für einen erfundenen Notfall erbittet. Rund 2,6 Prozent beträgt der Anteil der sogenannten „Internetkriminalität“ an den gesamten Straftaten, Tendenz steigend: Von 2012 auf 2013 gab es hier zehn Prozent mehr Fälle, meist ging es um Betrug. 

Der vielleicht skurrilste Fall, mit dem die Beamten im Ostallgäu zu tun hatten, war der einer 87-jährigen Österreicherin. Die demente, hilfsbedürftige alte Dame wurde von ihrem Sohn zu einem Pfrontener Hausarzt gebracht mit dem Hinweis, er solle sich um diese „kümmern“. Als der Sohn nicht mehr wiederkam, verständigte der Arzt die Polizei. Diese konnten keinen Angehörigen erreichen und brachten die Frau zur Dienststelle. Im Lauf der Ermittlungen stellte sich schließlich heraus, dass die Familie der Seniorin schlicht nicht mehr „Herr geworden“ war und der Sohn sie darum einfach beim Arzt aussetzte. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt wurde die 87-Jährige vorläufig in einem Krankenhaus untergebracht.von Michaela Frisch

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