Kröten statt Eier

Eine etwas andere Ostersuche für Kaufbeurens grüne Stadträte am Kaiserweiher

Grüne Kaiserweiher
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Oliver Schill (v. li.), Arthur Müller, Tilman Wernicke, Holger Jankovsky, Martina Wischhöfer, Günther Kuhn, Marcus Kühl, Marita Knauer und Tiny Schmauch beim Krötensuchen.

Kaufbeuren – Weit über 6.000 Kröten, Frösche und Lurche konnte die Arbeitsgruppe Amphibienschutz im vergangenen Jahr am Kaiserweiher retten. Um die Lage vor Ort genauer zu betrachten und auch die Auswirkungen des neuen Wohngebiets auf die jährliche Krötenwanderung beurteilen zu können, ging die Stadtratsfraktion der Grünen zusammen mit der Arbeitsgruppe des BUND Naturschutz (AG) am Ostermontag auf Krötensuche.

„Es ist bewundernswert, wie sich hier die ehrenamtlichen Helfer mit Ausdauer und Elan jedes Jahr drei Monate am Stück zweimal täglich, auch mitten in der Nacht, für den Artenschutz einsetzen. Das verdient auf jeden Fall höchste Anerkennung“, erklärte der Kaufbeurer Stadtrat Holger Jankovsky.

Der Kaiserweiher wurde im 16. Jahrhundert auf Wunsch Kaiser Maximilians zur Entenjagd ausgebaut und seitdem durchgehend bewirtschaftet. Durch die exponierte Lage in Wald- und Wiesennähe entwickelte sich so über die Jahrhunderte eines der größten und artenreichsten Laichgebiete in ganz Bayern, erklärte AG-Mitglied Tilman Wernicke. Diese und weitere Informationen möchte die Arbeitsgruppe zukünftig rund um den Kaiserweiher auf einem Erlebnisrundweg aufzeigen. Für die Aufstellung von sieben kindgerechten Informationstafeln werden derzeit noch Spender und Unterstützer gesucht.

Um die Kröten auf ihrer Wanderung zu schützen, investierte die Stadt Kaufbeuren beim Bau des Wohngebiets am Kaiserweiher in ein aufwendiges Amphibienleitsystem. Leider nur mit mäßigem Erfolg, denn das System hat offensichtlich zahlreiche Schwachstellen, die die Arbeitsgruppe beim Ortsbesuch aufzeigen konnte. Die bei der alltäglichen Arbeit auffallenden Schwierigkeiten hat die Arbeitsgruppe in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst. „Dieser Katalog muss von uns als Handbuch nicht nur am Kaiserweiher ernst genommen werden. Alle Baumaßnahmen in Kaufbeuren bedürfen einer genauen Prüfung der ökologischen Aspekte“, sagte Marcus Kühl, der Umweltbeauftragte der Stadt Kaufbeuren.

Martina Wischhöfer, Sprecherin der AG Amphibienschutz betonte, dass es sich beim Kaiserweiher um ein Juwel der Stadt Kaufbeuren handle. „Wir müssen alles tun, um diese einzigartige Krötenpopulation für zukünftige Generationen zu schützen. Sollte ein weiteres Baugebiet kommen, wäre die Artenvielfalt hier für immer vernichtet.“

Bürgermeister Oliver Schill sah dies beim Ortstermin ähnlich. „Wir müssen uns bewusster werden, welche Schätze wir in unserer Stadt haben. Oft sieht man bei alltäglicher Betrachtung nicht das Besondere. Wir dürfen diesen sensiblen artenreichen Lebensraum nicht durch unvorsichtige und vorschnelle Entscheidungen zur Bebauung gefährden.“

Wer die Arbeitsgruppe Amphibienschutz unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an guenther.kuhn@g-kuhn.de an den Organisationsleiter Günther Kuhn wenden.

kb

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