Kulturpreis der Stadt Kaufbeuren an den Kulturring e. V. verliehen

Kultur im Quadrat

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Die stolze Vorstandschaft des Kulturring Kaufbeuren e.V. mit der Kulturpreis-Urkunde: Brigitte Mitlehner-Werber (1. Vorsitzende, v. li.), Birgit Pfeifer (Schatzmeisterin,) Daniel Herrmann (2. Vorsitzender), OB Stefan Bosse, Manfred Knoll (Schriftführer) und Markus Wittmer (Beisitzer).

Kaufbeuren – „Wenn ICH will, ist das ganze Theater bloß ein Hörspiel...“. Jan Arne Looss vom Landestheater Schwaben hatte sich in seinem grauen Kittel gleich zu Beginn der feierlichen Kulturpreisverleihung dem vollen Haus als „der Vorhang“ vorgestellt und über seine Wichtigkeit philosophiert.

In Erwartung eines genussreichen Abends waren Kaufbeurens geladene Honoratioren vergangene Woche scharenweise ins Stadttheater geströmt, wird doch die Kulturpreisübergabe immer in ein unterhaltsames, auf den Preisträger zugeschnittenes Bühnenprogramm verpackt.

Bald merkte das erheiterte Publikum auch, dass die „Pannen“ mit der Beleuchtung und der schimpfenden Stimme eines überlasteten Bühnenmeisters aus dem Off keineswegs Pannen waren, sondern so im Drehbuch standen.

Oberbürgermeister Stefan Bosse bescheinigte dem diesjährigen Preisträger, Kulturring Kaufbeuren, „kontinuierliche ehrenamtliche Verdienste um ein attraktives Kulturangebot“, daher werde erstmals aus den sechs Kulturpreis-Kategorien der „Victorin-Strigel-Preis für übergreifende Kulturpflege“ vergeben. Der Preis mit dem Namen des universellen Kaufbeurer Geisteswissenschaftlers und Lutherschülers sei nicht nur als Anerkennung für die niveauvolle Kulturarbeit der vergangenen 50 Jahre gedacht, sondern auch als Ansporn und Auftrag für die Zukunft.

Begleitet von Daniel Hermann am Cembalo und den Flötistinnen Franziska und Kathrin Zajicek gab Kontertenor Daniel Hoang Barockwerke zum Besten. Die Laudatio hielt der in Kaufbeuren geborene Autor und Sprachlehrer Axel Görlach. Er kam zu dem Schluss: „Wir brauchen Menschen, die die Kunst zum Publikum bringen – so, wie es der Kulturring tut“.

Das nächste Grußwort kam von Dr. Kathrin Mädler, Intendantin des Landestheaters Schwaben in Memmingen. Sie postulierte „Theater muss sein“, weil es ein magischer Ort sei, um dem Alltag zu entfliehen, weil es gegen Vereinsamung helfe und weil es auch ein politischer Ort sei.

Strahlend präsentiert Brigitte Mitlehner-Werber, Vorsitzende des Kulturrings, die Verleihungs-Urkunde (im Hintergrund das vor laufender Kamera entstandene Gemälde von Eva Krusche).

Für die Musik als Instrument der Integration und Inklusion und Verständigung über Grenzen hinweg sprach Wilhelm Lehr, Vizepräsident des Bayrischen Musik­rats. Er kündigte auch die vom Kaufbeurer Bläserensemble dargebrachte Uraufführung einer weiteren von Mimi Gnedl-Hahn komponierten Fanfare an, deren Manuskript anschließend von ihr an Brigitte Mitlehner-Werber übereignet wurde.

Zwischen den Wort- und Musikbeiträgen erfolgten immer wieder Video-Einblendungen von einer versunken malenden Künstlerin, die zusätzlich als Beweis für die Live-Aufnahme auch undeutlich hinter einem Voile-Vorhang zu sehen war. Im Wechsel mit der Malerin wurde das dreiteilige Video „Der Impresario“ vom jungen Filmemacher Nelson Berger gezeigt: Karikierte Alpträume eines Impresarios von den Starallüren seiner Künstler, vom pingeligen Publikum und von den Forderungen des Theatervereins – jede einzelne Person verkörpert von Gerhard Jilka.

Nach der eigentlichen Urkundenüberreichung folgte der Dank von Brigitte Mitlehner-Werber, worin auch sie der Frage nachging „Was ist Kultur“. Nun trat Eva Krusche hinter ihrem Vorhang hervor, signierte und überreichte das fertige Gemälde, das sie „Vielerlei“ genannt und darin die Stichworte des Abends verarbeitet hatte.

Schließlich enthüllten Birgit Pfeifer und Markus Wittmer auch das Geheimnis der weißen und farbigen Papierrollen, welche fleißige Helfer vor jeden Theatersitz geklebt hatten: Entrollt und hochgehalten sollten sie das Motto „Kultur ist bunt, wenn alle mitmachen“ bilden. Das Ergebnis war zwar ein bisschen chaotisch, aber auf jeden Fall bunt, und immerhin machten alle fröhlich mit.

Auch beim vom Blatt gesungenen neuen Kulturring-Kanon machten (fast) alle mit. Das allerletzte Wort hatte jedoch wieder „der Vorhang“. Diesmal sinnierte er über den Applaus. Heftiges Klatschen fördere die „Autosuggestion, Besonderem beigewohnt zu haben“. Außerdem diene es der Abreaktion von Aggressionen, vor allem so kurz vor Häppchen und Sekt. „Probieren Sie’s mal!“ empfahl Looss treuherzig – und das begeisterte Publikum „probierte“ lange und ausgiebig.

von Ingrid Zasche

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