Große Oper im Stadtsaal

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Gretel hat sich den Zauberspruch gemerkt und den Zauberstab stibitzt. Hinter dem Rücken der Hexe, die ein weiteres Lebkuchenkind mit Mandeln garniert, befreit sie Hänsel vom Zauberbann.

Kaufbeuren – So ein fünfzigster Geburtstag muss gebührend gefeiert werden, sei es nun bei natürlichen oder bei juristischen Personen. Sein 50-jähriges Jubiläum feierte der Kulturring Kaufbeuren jedoch nicht mit einer großen Jubiläumsparty, sondern er hatte keine Kosten und Mühen gescheut und im Dezember das Freie Landestheater Bayern mit Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ in den Stadtsaal geholt.

„Wir wussten, worauf wir uns einlassen“, sagte Rudolf Maier-Kleeblatt, musikalischer Leiter des Freien Landestheaters, „schließlich haben wir vor 24 Jahren ,Hänsel und Gretel‘ hier schon einmal aufgeführt, damals allerdings noch unter dem Namen ,Oberbayrisches Städtetheater‘.“

Von den für eine Oper mit Orchester etwas ungünstigen Gegebenheiten des Stadtsaals abgesehen, war im voll besetzten Haus eine sehenswerte Aufführung geboten. In der Inszenierung von Michael Kitzeder wirkten rund 50 Sänger, Musiker und Statisten mit: sechs Solisten, einige Tänzer, ein Kinderensemble als Waldtiere, Kobolde, Engel und Kuchenkinder sowie ein großes Orchester. Vor einer phantasievollen, romantischen Kulisse brachten sie die populäre Familienoper auf die Bühne, mit aufwändigen Kostümen und maskenbildnerischen Glanzstücken wie zum Beispiel der prächtigen, hübsch-hässlichen Knusperhexe. Die mittlerweile als Volkslieder weithin bekannten und beliebten Melodien des Werks – wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, „Suse, liebe Suse“, „ein Männlein steht im Walde“ oder „Abends will ich schlafen gehn“ – wurden auch an diesem Abend wieder mit lang anhaltendem Beifall quittiert.

„Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck ist trotz der zu Grunde liegenden Grimmschen Märchenhandlung eigentlich keine reine Oper für Kinder, sondern große deutsche Oper im Wagnerschen Stil, die eine Herausforderung für jedes Ensemble darstellt. „Wir haben bewusst diese wunderbare und vergnügliche Oper für Sie ausgewählt, eine Verbindung zwischen Musik, Theater und Tanz, für ein breites Publikum und für alle Altersklassen“, sagte Brigitte Mitlehner-Werber, die 1. Vorsitzende des Kulturrings. Daher freute es sie besonders, dass sich an diesem Abend auch viele sehr junge Zuschauer im Publikum befanden. Sie hatten das Geburtstagsangebot des Kulturrings wahrgenommen – in Begleitung eines Elternteils freier Eintritt. Hieronymus (12) stellte nach der Vorstellung fest, den ganzen gesungenen Text habe er zwar nicht verstanden, gefallen habe es ihm aber trotzdem. Bloß sei das Märchen ja wohl etwas abgewandelt worden. Recht hat er: die lebendigen, ergänzenden bairischen Mundart-Dialoge stehen definitiv nicht bei den Gebrüdern Grimm, aber das Publikum hatte seine Freude daran.

Die Jubiläumsaufführung fand fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der 1. Theateraufführung, der Komödie „Streng geheim“ vom Schwäbischen Landesschauspiel, statt. Das 1. Konzert hatten die Bamberger Symphoniker etwas früher im gleichen Jahr gestaltet. Seitdem hat der Kulturring auf ehrenamtlicher Basis etwa 1250 Veranstaltungen für Kaufbeuren organisiert und ist damit seinem Gründungsauftrag vom Oktober 1966 nachgekommen, ein hochwertiges Kulturprogramm für die Stadt auf die Beine zu stellen. Unter den Jubiläumsgästen befanden sich auch einige frühere Kulturringsvorsitzende sowie die Witwe des „Manns der ersten Stunde“, Günther Simon, der dem Kulturring fast 30 Jahre lang vorstand.

Für nächstes Jahr wies Mitlehner-Werber auf das Neujahrskonzert mit German Brass am 6. Januar sowie auf das „Muhsical Out of Allgäu“ im März hin. Und im Februar/März werden Künstler, die „in irgendeiner Weise mit Kaufbeuren verbunden sind“, die Ausstellung „Emotionen. Im Fluss“ im Stadtmuseum gestalten.

von Ingrid Zasche

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