„Die Vielfalt macht es“

Künstlerprojekt „Zwischen_Raum“ macht auf leerstehende Geschäftsräume aufmerksam

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Felicitas Freuding steht vor ihrem drei-dimensionalen, farbenfrohen Turmprojekt.

Kaufbeuren – Der Kulturring Kaufbeuren bereichert das kulturelle Leben der Wertachstadt seit 1966 mit Musik- und Theaterveranstaltungen. Seit Mitte Juli dieses Jahres richtet der Verein sein besonderes Engagement auch auf die bildende Kunst. Anlass des ungewöhnlichen Künstlerzyklus sind die vielen leeren Läden in der Innenstadt. Die Verödung in den Zentren ist ein Problem, dem sich viele Städte stellen müssen.

Der Kulturring versteht diese Herausforderung, wie es auf dessen Homepage heißt, auch als kreative Frage, was aus den Leerräumen Positives entstehen kann. So wird etwa 40 Künstlern in drei Phasen von je sieben Wochen die Gelegenheit gegeben, ihre künstlerischen Werke in den Schaufenstern von leerstehenden Geschäftsräumen darzustellen. Am vergangenen Samstagnachmittag ging man mit einem sehr gut besuchten Rundgang jetzt bereits in die letzte Phase des Projekts.

Rundgang mit Gewinn

Alle etwa 20 beteiligten Künstler und Künstlergruppen hatten die Gelegenheit, ausführlich Hintergrund, Technik und Intention ihrer Exponate aus eigener Sicht darzustellen. Wo die Aussteller selbst verhindert waren, erweiterten Daniel Herrmann, zweiter Vorsitzender des Kulturrings, und Manfred Knoll, Schriftführer des Vereins, ihre informative Moderation mit eigenen Erklärungen.

Zwischen den einzelnen Stationen gab es auch die Möglichkeit im lockeren Gespräch ein erstes kleines Zwischenfazit zu ziehen. So viel lässt sich schon sagen: Es gibt, natürlich auf unterschiedlichen Ebenen, bisher nur Gewinner.

Da ist beispielsweise die Stadt Kaufbeuren selbst, die durch Caroline Moser, Leiterin des Referats für Wirtschaft und Kultur, mit einem anerkennenden Grußwort vertreten war. Klar sei, dass die Kunst nur teilweise zur Lösung dieser Entwicklung beitragen kann, aber, wie es Marita Knauer, Stadträtin für die Grünen, ausdrückte, trägt eine solche Veranstaltungsreihe auch zur Bewusstmachung der derzeitigen Problematik bei, womit auch der erste notwendige Schritt zur Lösung getan wird.

Gewinn der Künstler

Zweifelsohne rechnen auch die ausgewählten Künstler, die sich um die Teilnahme beworben hatten, bereits zu den Gewinnern, wobei es von der regen Beteiligung der Bevölkerung abhängt, wer am Ende als Hauptpreisträger von 500 Euro sein Werk für weitere zwei Wochen ausstellen darf. Angelika Koch-Böck und Ralf Sobolla, die ihre Werke bereits zeigen konnten, freuten sich über den Teilerfolg, ihre Werke in dieser ansprechenden Stadtgalerie präsentieren zu können. Der wirtschaftliche Stand der Künstler, so wissen beide, ist nicht einfach, und der ganz große Durchbruch ist und war auch nicht zu erwarten, so dass beide dankbar sind für die konstruktiven Rückmeldungen. Alle angesprochenen Künstler verwiesen auf die Verbesserung des Bekanntheitsgrads. Die freischaffenden Künstler wissen aus leidiger Erfahrung, von selbst vermarkten sich ihre Kunstwerke nicht.

Io Zeiler-Klimm, die ihre verträumten Farbkompositionen im Parkhaus Süd ausstellt, verwies in einem Abschlussgespräch auch auf den sozialen Aspekt dieser kreativen Aktion. Diese gemeinsame Ausstellung bietet den Künstlern die Möglichkeit, sich gegenseitig besser kennenzulernen.

Gewinn für die Öffentlichkeit

Den größten Gewinn aber hat die Bevölkerung. Ihr kann nur daran gelegen sein, dass, wie es die Künstlerin, Felicitas Freuding ausdrückt, die Leerräume mit kreativem Leben gefüllt werden. Eine Bereicherung stellt dieses Vorzeige-Projekt auf jeden Fall dar. Der Fokus verschiebt sich – wenn auch nur für wenige Wochen – von dem eher konsum-orientierten Schaufenster-Bummel zu einem künstlerisch-kulturellen Spaziergang.

Die Künstlerin Ulli Passauer brachte die gute Resonanz der Bevölkerung auf den Punkt: „Die Vielfalt macht es.“ Diese Aussage lässt sich auch leicht als Einladung verstehen, die nächsten Wochen zu nutzen, um den Reichtum und die Mannigfaltigkeit an künstlerischen Ideen kennen zu lernen. Es sollte aber auch als Aufforderung an die eigene Person, an die eigene Gruppe verstanden werden, schließlich hat jeder von uns die Fähigkeit „Leerräume“ kreativ zu nützen. In diesem Sinne könnte dieses ideenreiche Projekt, das mit einem breiten Beiprogramm überzeugt, auch eine Leuchtturmfunktionfür viele andere Städte haben.

von Peter Suska-Zerbes

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