Viele Termine des Singspiels im Mai

Sieben Nächte – Sieben Geschichten

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Die Schaustellertruppe preist ihre Vorstellung an: Der Venediger (Uwe Amberger, v. li.), Tanzbär Soso (Jannis Konrad), die kleine Luna (Frida Dopfer), die blasse Fee Ava (Nadja Ostertag), Russenmädchen Dorka (Hannah Rieger), Guckkästner Veit (Klaus Dopfer), seine Tochter Agnes, die Geschichtenerzählerin(Sarah Finazzo), Schattenspieler Mahesh (Ahmad Mehiar Abo Zeed), Moritatensänger Schutter (JonathanPosselt), die wilde Wolfsfrau Tala (Martina Quante).

Kaufbeuren – „Es ist alles eine Frage der Sichtweise“ – diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch das Singspiel (=Schauspiel mit musikalischen Einlagen) „Die 7. Nacht“ von Thomas Garmatsch, welches die Kulturwerkstatt den ganzen Mai über zur Aufführung bringt.

Das Stück handelt von der Selbstfindung der skurrilen, zusammengewürfelten Schaustellergruppe des Guckkästners Veit (Klaus Dopfer). In einer finsteren Gewitternacht stehen sie an einer Wegkreuzung und die Wahrsagerin „Rote Beltane“ (Simone Dopfer) soll ihnen mit ihrem Staborakel den Weg weisen. Sie sieht Gefahr und ermahnt die Truppe, „den rechten Weg zu wählen“. Der hinzukommende sinistre Fremde, der sich „Venediger“ nennt (Uwe Amberger), empfiehlt trotz Beltanes Warnung den Weg in die nächste Stadt und lockt „kommt zu mir herüber, dann ist der linke Weg der rechte – nur eine Frage der Sichtweise.“ Alle bis auf Beltane folgen ihm. In der Stadt schließt sich der Truppe die etwas unheimliche „Feuerzunda“ (Eva Pfefferle) an, die mit der bloßen Hand Stichflammen erzeugen kann. „Nur einen Taler“ – eine Silbermünze – kostet der Eintritt und die Kasse klingelt.

Eines Abends verlangt eine geheimnisvolle, vornehme Dame (Gessica Finazzo) entgegen Veits Prinzip „keine Vorführungen nach Einbruch der Dunkelheit“ noch einen Guckkasten zu sehen. Das von der Fremden angebotene Goldstück ist ein starkes Argument, und so erzählt Veits Tochter Agnes (Sarah Finazzo) die erste Guckkastengeschichte vom Moritatensänger Schutting (Jonathan Posselt). Jeden Abend kommt die Dame wieder und fordert, obwohl Agnes inzwischen krank geworden ist, einen weiteren Guckkasten zu sehen.

Die Kästen enthalten die Geschichten der Truppenmitglieder mit passendem Guckkastenbild: den Wald, in dem die wilde Wolfsfrau Tala (Martina Quante), von Wölfen und Landsknechten gejagt, sich der Truppe anschloß und sie dann vor eben diesen Wölfen und Landsknechten beschützte.

Oder den indischen Palast und den Dschungel von Schattenspieler Mahesh (Ahmad Mehiar Abo Zeed, dessen fremder Akzent hervorragend zur Rolle passt) und dem gefürchteten Tiger, der aber eigentlich bloß alt und krank ist. Oder die Felsenhöhle der „blassen Fee Ava“ (Nadja Ostertag), die als unglückbringender Albino aus ihrem Dorf verbannt wurde. Sie lernte mit der Natur zu leben und ihre Zeichen zu deuten und konnte so die Dorfbewohner rechtzeitig vor einer Eislawine in Sicherheit bringen. Oder die Einöde, aus der das verwaiste Russenmädchen Dorka (Hannah Rieger) mit ihrer kleinen Schwester Luna (Frida Dopfer) stammt. Ihr Begleiter ist der als Tanzbär auftretende taubstumme Soso (wiedermal großartig: Jannis Konrad), der sich nur mit unartikulierten Lauten und mit von Luna übersetzter Gebärdensprache ausdrücken kann.

Oder die fantastische Kulisse zur Geschichte der roten Beltane, die schließlich wieder zur Truppe gestoßen ist und erstaunliche Dinge enthüllt. „7 Nächte – 7 Geschichten“ hatte die fremde Dame – inzwischen offen drohend – befohlen „...oder...“ – aber Veits Truppe hat nur sechs Kästen. Was tun? Fliehen können sie nicht, denn inzwischen sind die Stadttore verschlossen und niemand darf hinaus oder herein. Schließlich wechselt Veit in einem Kasten das Guckkastenbild aus und erzählt eine neue Geschichte. Seine.

Der Bühnenhintergrund ist als Guckkasten gestaltet, auf dessen hinter einander geschachtelten Ebenen das zur jeweiligen Geschichte passende Guckkastenbild projiziert wird. Und die Kulturwerkstatt-Guckkästen halten, was der Ausrufer in der Rahmenhandlung verspricht: Sie sind „Türöffner in die Welt“, für das Jahrmarktspublikum des 18. Jahrhunderts ebenso wie für die Kulturwerkstatt-Zuschauer, die sie in fremde Gegenden und in abenteuerliche Geschichten entführen.

Inspirieren ließ sich Thomas Garmatsch zu diesem Werk durch zwei historische Guckkästen, die im Stadtmuseum zu sehen sind. „Aber eigentlich haben mich die Nachfolger dieser Geräte schon seit frühester Jugend fasziniert“, sagt der Autor und Regisseur des Stücks. Nicht unerwähnt bleiben sollen die gelungenen Kompositionen von Manfred Eggensberger, der die durch die Bank hörenswerten Gesangseinlagen am Klavier und oft auch mit seinem schönen Bass begleitet. Stimmige Kostüme und beachtlich geschminkte Gesichter tun das Ihrige, das spannende Stück in jeder Hinsicht sehenswert zu machen. Weitere Vorstellungen gibt es noch bis zum 30. Mai.

von Ingrid Zasche

Infos:

Regie/Autor: Thomas Garmatsch, Regieassistenz: Hannah Kirchdorfer

Liedtexte: Hannah Rieger und Kulturwerkstatt

Komposition/Piano: Manfred Eggensberger

Theater Schauburg, Ganghoferstr. 6

Veranstalter: Kulturwerkstatt; Telefon 08341/81848

www.kulturwerkstatt.kaufbeuren.de

Weitere Vorstellungen:

Fr 19.,Sa 20., So 21., Mi 24. und Do 25. Mai (Vatertag), jeweils 19.30 Uhr;

optional auch Fr 26. und Sa 27. Mai; 19.30 Uhr

Eintritt: 11 Euro bis 16 Euro Tickets online über www.reservix.de oder an der Abendkasse der Kulturwerkstatt

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