Umstimmigkeiten zwischen Bürgermeister und Umweltreferent

"Keine Alternative zur Fällung"

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Vier Bäume der altehrwürdigen Kurfürstenallee müssen gefällt werden. Umweltreferent Christian Vavra (Grüne) ist davon nicht überzeugt.

Marktoberdorf – Dass am kommenden Montag vier Bäume des Naturdenkmals Kurfürstenallee gefällt werden sollen (wir berichteten), sorgt für Unstimmigkeiten zwischen dem Umweltreferenten des Stadtrates Marktoberdorf, Christian Vavra (Grüne) und Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell.

Nachdem Vavra in einem offenen Brief Zweifel an der Notwendigkeit der Maßnahme und Kritik an der Informationspolitik äußerte, nimmt Bürgermeister Hell jetzt ausführlich Stellung zu der Baumfällung. 

Erst „aus der Zeitung“ habe er von der geplanten Fällung erfahren, äußerte Vavra am vergangenen Montag seine Überraschung. Deshalb forderte der Umweltreferent öffentlich nähere Infos und die Einsicht in die entsprechenden Gutachten von Hell, zur Begründung, die Bäume müssten „wegen mangelnder Standfestigkeit und wegen Befall mit dem Brandkrustenpilz“ weichen. 

„Viele Bäume leben jahrelang mit dem Brandkrustenpilz“, so der Grüne. Dieser stelle per se erst einmal keinen Grund dar, die Bäume abzuholzen. Gerade die Bäume, die Sturmtief Niklas überlebt hätten, hätten so doch eine „natürliche Standfestigkeitsprüfung“ bestanden. Auch verweist Vavra auf den §39 des Bundesnaturschutzgesetzes, der Baumfällungen zwischen 1. März und 30. September untersage. 

Nicht zuletzt will Vavra sichergestellt wissen, dass in der Allee nicht noch mehr Bäume eventuell durch die viel diskutierte Befahrung der Allee zu Schaden kommen. „Der Brandkrustenpilz dringt in der Regel durch Verletzungen in das Holzgewebe ein. Für den Fall, dass sich ein kausaler Zusammenhang der oft dokumentierten und durch die Befahrung der Allee verursachten Verletzungen im Wurzelbereich mit dieser nun attestierten mangelnden Standsicherheit nicht komplett ausschließen lässt, fordere ich, umgehend Maßnahmen zum Schutz der Allee einzuleiten“. 

So weit die Forderungen des Umweltreferenten, die Bürgermeister Hell jedoch nicht ganz nachvollziehen kann. Er antwortete am Dienstag postwendend und erklärt: „Die Fällung der vier Linden erfolgt aufgrund gutachterlich und mittels anerkannter Methoden festgestellter Bruchgefahr, ist daher aus Gründen der Sicherheit nicht vermeidbar und auch nicht aufschiebbar. Würde ein Mensch durch einen herabfallenden Ast erschlagen, würde niemand Verständnis für Zuwarten aufbringen“. 

Der Stadtrat sei zudem bereits im Juni 2015 über den Sachverhalt beziehungsweise die Begutachtung der Bäume informiert worden. Mit der begutachtenden Firma TreeConsult sei ein Expertenteam auf Basis von Zugprüfung und Schalltomographie zu dem Ergebnis gekommen, dass bei vier der insgesamt 575 Linden von gutachterlicher Seite die Standfestigkeit nicht mehr gegeben sei und gefällt werden müsse. 

Es sei „absurd“, das Sturmtief Niklas als „natürliche Standfestigkeitsprüfung“ zu bezeichnen. Hell beruft sich bei seiner Einschätzung nicht zuletzt auf die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes, die zusätzlich mit dem Thema näher befasst ist, und will im Herbst weiter Bericht erstatten.

von Michaela Frisch

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