Wassergebundene Decke statt Asphalt gefordert

Kurfürstenallee Marktoberdorf: Von Konflikten und Lichtblicken

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Bei der Exkursion das Parkpflegewerk zur Kurfürstenallee erläutert: Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann mit Stadträten, Gästeführern und Interessierten.

Marktoberdorf – Wo es Konflikte gibt und wie sie gelöst werden können, wo ein Lichtblick anzustreben ist, wo und wie breit Pflanzstreifen angelegt werden, wo sich 48 Käferarten und sechs Fledermausarten wohlfühlen: Darum ging es bei einer Exkursion durch die zwei Kilometer lange Kurfürstenallee bei Marktoberdorf. Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann aus Irsee, die mit dem Parkpflegewerk befasst ist, zeigte einige Maßnahmen auf, mit denen die Allee auf lange Sicht erhalten werden kann.

Mehrere Stadträte, Gästeführer und interessierte Anwohner machten sich mit Gudrun Dietz-Hofmann bei starkem Regen auf den Weg, um beim 90-minütigen Spaziergang Details zur Kurfürstenallee zu erfahren. Im Trockenen, nämlich im Rathaussaal, ging es danach nochmals eine Stunde lang um das Parkpflegewerk, als es im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus vorgestellt wurde.

Die Maßnahmen, die von der Landschaftsarchitektin vorgeschlagen werden, hatte sie im Wesentlichen bereits im April 2018 den Stadträten vorgestellt. Daran hat sich in den vergangenen 13 Monaten nichts Wesentliches geändert. Auch beim „Konflikt zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und touristischen Interessen“ seien bislang keine signifikanten Fortschritte zu vermelden, räumte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell ein.

Von zunächst zwölf Wegevarianten seien noch vier Optionen übrig geblieben, auf denen man den landwirtschaftlichen Verkehr aus der Allee herausnehmen könne. Doch noch fehle für alle möglichen alternativen Wegführungen der Grund, beantwortete Hell eine Anfrage von Stadtrat Eugen Kögel. „Das können wir nur zusammen mit den Grundstückseigentümern machen“, ergänzte der Rathauschef.

Einen langen Atem

Zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig, der für die Stadt die meisten Grundstücksverhandlungen führt, äußerte sich zuversichtlich, „dass wir weiterkommen“. Christian Vávra (Grüne) sah es als vordringlich an, den landwirtschaftlichen Verkehr herauszubringen, wenn bereits Radfahrer drinnen in der Allee Konfliktsituationen mit Fußgängern heraufbeschwören. „Ich hoffe, dass wir den langen Atem haben, um das durchzustehen“, ergänzte Vávra, der zugleich den großen ökologischen und touristischen Wert der Kurfürstenallee betonte.

Wie sicher denn die Bäume stünden und wie viele entfernt werden müssten, wollte Arno Jauchmann (CSU) wissen. Landschaftsarchitektin und Kunsthistorikerin Dietz-Hofmann sagte dazu, sie kenne aktuell „nur einen Baum, der auf der Kippe steht“. Die Linden seien „stark regenerationsfähig“. Bäume müssten nur dann entnommen werden, wenn die Verkehrssicherungspflicht nicht mehr gewährleistet werden könne.

Meinrad Seelos (Stadtteile aktiv) erkundigte sich danach, ob unter den Käfern auch Schädlinge seien. Gudrun Dietz-Hofmann verwies auf ein spezielles Gutachten zur Artenvielfalt; das Larvenangebot sei für Vögel und Fledermäuse ein Nahrungsfundus.

Bis 5,5 Meter Umfang

Während der Exkursion im Regen hatten die Interessierten an einer der alten Linden aus dem Ende des 18. Jahrhundert Station gemacht. Über 600 Bäume sind es in der Allee, die zwischen 1774 und 1780 auf Initiative von Kurfürst Clemens Wenzeslaus nach französischem Vorbild angelegt wurde. Einige Bäume haben einen Stammumfang bis zu 5,5 Meter. 47 Käferarten seien in der Kurfürstenallee beobachtet worden, rief die Landschaftsarchitektin in Erinnerung. Positive Maßnahmen seien, wenn links und rechts der Allee jeweils ein zehn Meter breiter Blühstreifen angelegt und da, wo jetzt der Weg asphaltiert ist, entsiegelt werde. Die alten Linden, viele aus der Entstehungszeit der Allee um 1780, seien ein „Biotop ersten Ranges“, veranschaulichte Dietz-Hofmann an einem „Prachtexemplar“.

Zum Maßnahmenkatalog im Parkpflegewerk gehöre, den ursprünglichen Abstand der Bäume von 5,5 Meter zu wahren, so die Architektin. Bei Neupflanzungen müssten Kronen von Altbäumen zurückgenommen werden. Der Verkehr sollte unbedingt herausgenommen werden aus dieser Allee, auf der früher ein Stück weit die von Schongau kommende Salzstraße verlief. Nur Anwohnern sollte eine Berechtigung ausgestellt werden, damit sie auf der inneren Kurfürstenallee zu ihrem Haus fahren können.

Südlich der B 472 (Richtung Schongau/Bertoldshofen) sollte nach der steilen Steigung in der Allee ausgedünnt werden, um einen Lichtblick in Richtung Süden zu schaffen. Eine weitere Maßnahme sei, am Ende der Kurfürstenallee die Wegebeziehung zum sogenannten Tempel (Pavillon) 200 Meter weiter östlich herzustellen.

jj

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