Kurze Wege direkt in die Natur

Ein Projekt zur weiteren Entwicklung des Biotopverbunds Leinauer Hang/Wertachtal

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Armin Beckmann (Umweltamt Kaufbeuren, v. li.), Dr. Christoph Greifenhagen (Umweltaktivist), Stefan Bosse (Oberbürgermeister Kaufbeu­ren), Gudrun Dietz-Hofmann (Landschaftsarchitektin), Herbert Hofer (1. Bürgermeister Pforzen), Josef Freuding (2. Bürgermeister Pforzen), und Andreas Zasche (Leiter Naturschutz im Landratsamt Ostallgäu) gründen eine Projektgruppe.

Kaufbeuren/Pforzen – In der vergangenen Woche gründeten die Stadt Kaufbeuren und die Gemeinde Pforzen eine gemeinsame Projektgruppe zum Aufbau eines Lehrpfades im „Biotopverbund Leinauer Hang/Wertachtal“. Dieser Pfad soll über bereits vorhandene Wege führen und dabei ausgewiesene oder in Entwicklung befindliche Biotope verbinden. Ausgestaltet wird er durch Informationstafeln, Sitzgelegenheiten, die Schaffung von Blickachsen, ebenso wie durch zusätzliche Anpflanzungen von Bäumen, Hecken oder Blühstreifen. Ziel ist es, den naturnahen Tourismus weiter zu entwickeln, aber auch die Lebensräume der angestammten Tier- und Pflanzenwelt zu schützen und möglichst zu erweitern.

Zwischen Kaufbeuren und Pforzen kreuzen sich mehrere touristische Routen. Da gibt es den Wertach Radweg „Wertach erleben“, den Neugablonzer Rundwanderweg, die Schlossparkrunde und last but not least die Archäologietour Wertachtal, die mit den Ausgrabungen in Pforzen in jüngster Zeit stärker in der Blickpunkt des Interesses rückte. Sie alle führen durch ein Gebiet, in dem bereits eine Anzahl von Biotopen ausgewiesen wurde. Es ist geprägt von Auwäldern, Feuchtgebieten und Magerrasenstandorten, die typisch sind für die Natur des Voralpenlandes.

Um diesen Bereich für den schonenden Tourismus, insbesondere für Spaziergänger aus Kaufbeuren und den umliegenden Gemeinden im Westen der Stadt, besser zu erschließen, soll hier künftig ein gestalteter Lehrpfad entstehen. Die Stadt Kaufbeuren und die Gemeinde Pforzen gaben dazu eine Studie in Auftrag, deren Ergebnisse die Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann in der vergangenen Woche im Kaufbeurer Rathaus vorstellte.

Ihr Konzept sieht einen Weg aus neun Stationen vor, der an der Kaufbeurer Höfelmayr-Kapelle beginnt. „Dieser Startpunkt bietet“, so Dietz-Hofmann, „gute Möglichkeiten der Anreise, da er sich unmittelbar neben einem Parkplatz und nicht weit von einer Bushaltestelle befindet. Auch der Endpunkt in Pforzen ist einfach mit dem ÖPNV erreichbar.“

Zwischen diesen beiden Punkten soll der Weg dann über die Alte Poststraße und vorbei an Neugablonz zum Alten Bahnhof in Leinau führen. Falls hier in Zukunft wieder ein Haltepunkt der Bahn eingerichtet wird, könnte das den Pfad zusätzlich aufwerten. Von dort geht es dann um Leinau herum wieder zur Wertach und entlang des Flusses bis zur Bushaltestelle in Pforzen.

Entlang dieses Weges ist vorgesehen, Informationstafeln anzubringen. An bestimmten Orten sollen zudem Sichtpunkte entstehen, an denen Bänke oder Sitzsteine aufgestellt werden. Auch eine Kneipp-Wassertret-Stelle am Mühlbach wäre möglich. Ebenso sind leichte Veränderungen der Landschaft geplant, etwa durch Anlegen von Blühstreifen oder Schaffung von Sichtschneisen. Hinzu kämen aber auch Anpflanzungen von Bäumen oder Sträuchern, um die ursprüngliche kleinteilige Landschaftsstruktur möglichst weiträumig wieder herzustellen, die der Verbesserung des Klimas dienen .

Neben der touristischen Erschließung soll nach Dietz-Hofmanns Einschätzung das Projekt auch einen wertvollen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz leisten. „Die Besiedelung und landwirtschaftliche Nutzung hat in der Vergangenheit zu Veränderungen der Landschaftsstruktur geführt, die sich nicht unbedingt positiv ausgewirkt haben“, erklärte sie. „So verschwanden etwa am Nordrand von Kaufbeuren Teile der wertvollen Auwälder, welche die ‚Lunge der Stadt‘ bilden. Hier könnte durch zusätzliche Anpflanzungen wieder eine park­artige Landschaft entstehen.“

Neben dem Menschen soll aber auch die Tierwelt von dem Projekt profitieren. So schaffen etwa intakte Auwälder Rückzugsmöglichkeiten für Feldhasen – eine Tierart, die in Deutschland bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht.

Da bei der Präsentation Vertreter der interessierten Gemeinden und des Landratsamtes Ostallgäu anwesend waren, wurde die Projektgruppe zur Entwicklung des Lehrpfades sofort gegründet. Sie wird sich jetzt mit dem Landschaftspflegeverband Ostallgäu in Verbindung setzen, dem Kaufbeuren seit mehr als einem Jahrzehnt angehört. Gemeinsam soll dann an der Erweiterung des Biotopverbundes gearbeitet werden. Dazu wurden bereits auch Gespräche mit den Gemeinden Rieden und Irsee geführt.

von Ingo Busch

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