Ernährungshandwerk: Bayern und Niedersachsen arbeiten an einem Nord-Süd-Projekt

Den ländlichen Raum stärken

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In Niedersachsen hat man sich die Stärkung ländlicher Regionen auf die Fahnen geschrieben. Dabei blickt Enno Appelhagen (links) weit über die Landesgrenzen hinaus und besuchte mit Staatssekretärin Birgit Honé (Mitte) und SPD-Bundestagsabgeordnetem Johann Saathoff (rechts) im Rahmen einer Fachexkursion auch die Fleischerfachschule in Augsburg.

Bidingen/Augsburg – Enno Appelhagen ist Metzgermeister und kommt aus dem hohen Norden. Der Strukturwandel im ländlichen Raum macht ihm Sorgen – und nicht nur ihm. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der Landflucht und der Ausdünnung des Handwerks sieht er große Herausforderungen auf die ländlichen Bereiche vieler Bundesländer zukommen. Bayern und Niedersachsen arbeiten jetzt an einem entsprechenden Zukunftsmodell.

Bayern und Niedersachsen arbeiten aktuell an einem Zukunftsmodell, das den Strukturwandel im ländlichen Raum aufgreift. Dabei sieht der Niedersachse die Probleme durchaus nicht nur durch die Brille des Metzgermeisters. Der politisch umtriebige Appelhagen gehört zu den Menschen, denen es gelingt, andere auf die Probleme aufmerksam zu machen und mit ins Boot zu holen. Mit seinem „Nord-Süd-Projekt“ zur Stärkung des ländlichen Raumes betreibt er mehr als nur Lobbyarbeit für das Metzgerhandwerk. Appelhagen arbeitet an einem Zukunftsmodell für den ländlichen Raum. So machte sich in der vergangenen Woche eine Gruppe aus Politik und Handwerk aus Niedersachsen mit dem Bus auf den Weg nach Bayern, um nach gemeinsamen Lösungen für den Strukturwandel zu suchen. Dass man in Niedersachsen die aufgezeigten Probleme ernst nimmt, zeigte die hochkarätige Zusammensetzung der Delegation. 

Staatssekretärin Birgit Honé aus der hannoverschen Staatskanzlei und Johann Saathoff (MdB und Mitglied im Ernährungsausschuss) sowie viele renommierte Experten aus Ministerien und Wirtschaft informierten sich an der Forschungs- und Lehrmolkerei der Universität Hohenheim, in der Hofkäserei Rauch in Bidingen, an der Fleischerfachschule in Augsburg und bei der Landeslehranstalt für Geflügel in Kitzingen über die zahlreiche fachlichen Themen. 

Neue Strukturen 

Dabei haben die Experten den ganzheitlichen Ansatz der Zukunft des ländlichen Raumes im Blick. Natürlich nehme die bäuerliche Landwirtschaft und das Ernährungshandwerk eine Schlüsselstellung für die Zukunft des ländlichen Raumes ein, betonte Appelhagen gegenüber dem Kreisbote. Es gelte daher, die Wertschöpfungskette zu stärken. „Ohne das Handwerk bricht unsere Versorgung zusammen“. Der Niedersachse sagte, man müsse überlegen, wie neue Strukturen geschaffen werden können. In seiner Heimat sei der Strukturwandel schon voll im Gange, in Bayern setze er gerade erst ein. Er, Appelhagen, wünsche sich mehr länderübergreifende Initiativen für das Ernährungshandwerk. Staatssekretärin Birgit Honé gab ihm uneingeschränkt recht: Die neugewählte Landesregierung in Hannover habe sich die Stärkung des ländlichen Raumes auf die Fahne geschrieben. Deshalb müsse man die Lebensbedingungen im ländlichen Raum verbessern, um die Menschen in ihren Dörfern zu halten. 

Die Staatssekretärin verwies auf die großen Probleme, die man beispielsweise in Südniedersachsen habe. Da aber auch andere Bundesländer betroffen seien, ist es aus ihrer Sicht unerlässlich, „den Bund auf unsere Seite zu ziehen“. Auch für den Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff, der früher Bürgermeister in Krummhorn an der Nordseeküste war, ist klar, dass sich was ändern muss. „Wir müssen der Landflucht begegnen.“ Vorhandene Arbeitsplätze müssten erhalten und mit Initiativen und Projekten neue geschaffen werden. Dies betreffe sowohl die Landwirtschaft wie auch das Handwerk, den Tourismus oder die Gastronomie. Gemeinschaftsaufgaben der Bundesrepublik wie beispielsweise die Stärkung des Küstenschutzes könnten ebenfalls zur Stärkung des ländlichen Raumes beitragen. Auch die Erhaltung der traditioneller handwerklichen Fähigkeiten, etwa bei den Betrieben, die noch Reetdächer bauen könne, sei wichtig. 

Mehr Regionalität 

An der Fleischerfachschule in Augsburg hält man viel von Appelhagens Initiativen. Aus dem Blickwinkel des Verbandes sei es wichtig, so Pressesprecher Stefan Ulbricht, die regionale Wertschöpfungskette zu stärken. Regionalität sei beim Ernährungshandwerk und der Ernährungsindustrie durchaus anders definiert. Wirbt der örtlichen Metzger mit regionalen Produkten, könne der Verbraucher sicher sein, dass sie aus dem Umkreis kämen. Bei der Ernährungsmittelindustrie sei der Begriff der Regionalität oft viel weiter gefasst. von csp

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