Bei den Fraktionen nachgehakt

Läuft es auf einen Bürgerentscheid hinaus?

Das Parkstadion Kaufbeuren soll dem Campus der Finanzhochschule weichen.
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Das Parkstadion soll dem Campus der Finanzhochschule weichen. Dagegen wehren sich die betroffenen Vereine.

Kaufbeuren – Der Frust bei den Sportvereinen ist weiterhin groß. Nach dem Runden Tisch am Montag haben die betroffenen Nutzer des Parkstadions, die SpVgg Kaufbeuren, der TV 1858 Kaufbeuren und der Kaufbeurer Leichtathletik-Club (KLC), kaum noch Hoffnung. Die Fraktionen im Stadtrat sehen den Campus als große Chance, doch fehlt es gar an Alternativen für das Parkstadion. Schon jetzt wird ein Bürgerentscheid in den Raum gestellt.

Hinter verschlossenen Türen kamen am Montag die Vereinsvorstände, Vertreter der sechs Fraktionen im Stadtrat sowie Oberbürgermeister Stefan Bosse und die Referatsleiter der Stadtverwaltung zusammen. Die Suche nach einem neuen und dauerhaften Standort für den Campus der Finanzhochschule ist inzwischen weiter fortgeschritten. Laut Bosse konzentriere sich dieser Prozess mangels geeigneter anderer Flächen auf das Parkstadion (wir berichteten mehrfach).

Für Jürgen Felker, Vorstand des KLC, ist die Sache im Grunde schon gelaufen. „Außer der SPD haben sich alle Fraktionen dafür ausgesprochen, das Stadion zu verkaufen. Aus sportlicher Sicht ist das frustrierend und sehr unglücklich. Wir als KLC und die Spielvereinigung haben dann keine Heimat mehr.“

Für die Fußballer der SVK kommt eine Verlagerung nach Neugablonz nicht in Frage. Sie würden ein neues Stadion im Kaufbeurer Norden begrüßen. Selbst der Turnverein hat sich gegen die Nutzung des Stadions an der Turnerstraße ausgesprochen. Primär müsse es eine Alternative zum Parkstadion nahe der Kernstadt geben. Die Vereine waren sich einig, dass eine Planung für einen Ersatz mindestens parallel zu den Verkaufsverhandlungen stattfinden müsse.

Was sagen die Fraktionen?

Bernhard Pohl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, untermauerte bei der Runde die einmalige Chance für eine Hochschule in Kaufbeuren. „Die Verstetigung der Finanzhochschule in Kaufbeuren ist ein Meilenstein in der Stadtentwicklung. Es ist mir in zwölf Jahren im Landtag gelungen, Kaufbeuren in München nachhaltig ins Gespräch zu bringen. Unsere Stadt ist im Landtag und in der bayerischen Staatsregierung ein ständiges Thema und wir sind positiv besetzt als eine Stadt, die sich weiterentwickeln will. Das dürfen wir auf gar keinen Fall aufs Spiel setzen“, sagt der Abgeordnete. Auch wenn sich 300 Studenten nicht viel anhören, das sei für Pohl ein wichtiger Einstieg in die Hochschulstadt Kaufbeuren. „Wir haben den Fuß in der Tür, um eine mittel- und langfristig gute Entwicklung in Kaufbeuren zu nehmen. Kaufbeuren ist wieder eine Stadt mit Zukunft. Wenn wir diese Gelegenheit jetzt nicht nutzen, kann das für Kaufbeuren bei künftigen Strukturentscheidungen des Staates negative Auswirkungen haben.“

CSU-Fraktionsvorsitzender Christian Sobl empfand den sachlich geführten Austausch als Startsignal für eine vertiefte Planung. Für ihn sei die Entscheidung, dass der Campus am Standort Parkstadion gebaut werde, noch lange nicht getroffen. „Sollte es dann so sein, muss man die unterschiedlichen Bedürfnisse betrachten. Hierzu wurde vom Stadtrat ein Sportentwicklungsplan angestoßen, der mit externer, professioneller Hilfe Fakten und Grundlagen für weitere Entscheidungen schafft.“ Man habe den Vereinen versprochen sie zu unterstützen und eng bei den weiteren Planungen zu begleiten. Darüber hinaus sei sich Sobl sicher, dass der Stadtrat nichts leichtfertig entscheide, sondern mit viel Hintergrundinformationen in einem demokratischen Verfahren eine Entscheidung Pro oder Contra treffen werde.

Ein legitimes demokratisches Mittel

Für den Fraktionsvorsitzenden sei ein Bürgerentscheid ein legitimes demokratisches Mittel. „Das haben wir bei der Abstimmung zur Moschee oder unserem Eisstadion in jüngster Vergangenheit schon erlebt. Wichtig ist mir hierbei aber, dass mit echten Informationen gearbeitet wird und die zukünftige Entwicklung unserer Stadt dargestellt wird. Leider erleben wir hier häufig eine sehr einseitige und rückwärtsgewandte Darstellung, um einen Status Quo zu erhalten“, so Sobl. Abgesehen von der Standortfrage sehe er nur positive Auswirkungen für die Stadt und die Menschen in der Region.

Oliver Schill, Zweiter Bürgermeister und Fraktionssprecher der Grünen, ist selbst Vorstand eines großen Sportvereins. Er könne die Sorgen der Vereine sehr gut nachvollziehen. „Die Vertreter der Vereine erfüllen ihre Aufgabe, nämlich die Interessen ihrer Vereine kundzutun. Genau dafür sind wir am runden Tisch zusammengekommen.“ Die Aufgabe des Stadtrats sei es, den Interessen der Stadt gerecht zu werden und dabei stets die strategischen Ziele im Blick zu behalten. „Und hier genau setzt unser Sportentwicklungskonzept an“, führt Schill aus. Kaufbeuren habe ein großes Herz für ehrenamtliches Engagement. Die Stadt sei ein verlässlicher Partner. „Trotz äußerst kritischer finanzieller Haushaltslage haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden, keine Abstriche bei der Förderung von Sport und Kultur zu machen“, betont Schill.

Bestmögliche Lösung für Vereine erreichen

Ähnliche Töne kommen von der Fraktion Generation KF. Deren Sprecherin, Julia Bosse, wolle die bestmögliche Lösung für die Vereine erreichen. „Dies ist nur in einem gemeinsamen dialogorientieren Prozess möglich. Der Termin am Montag markiert hierbei erst den Anfang eines engen Austausches zwischen den Vereinen und den Stadtratsmitgliedern.“ Für die Generation KF sei der Bau der Finanzhochschule deshalb ein zukunftsträchtiges und richtungsweisendes Projekt für Kaufbeuren. Mit dem Neubau der Finanzhochschule schaffe man Arbeitsplätze und könne die Anziehungskraft der Stadt erhöhen. „Ich bin mir sicher, dass viele Kaufbeurer den Prozess mit viel Interesse verfolgen.“ Julia Bosse will bei der Entscheidung die Bürger mit einbeziehen.

Für Alexander Uhrle von der Kaufbeurer Initiative stellt sich aktuell nicht die Frage, wo die Finanzhochschule gebaut wird, sondern ob sie in Kaufbeuren realisiert werden kann. „Denn leider ist der aktuell diskutierte Standort derzeit alternativlos, auch wenn man mit Hochdruck nach weiteren Lösungen sucht“, macht der stellvertretende Fraktionsvorsitzende deutlich. Für die Stadt böte sich mit dem Campus eine einmalige Chance. Uhrle fordert alle Beteiligten aber auf, sich weniger emotional, sondern deutlich sachlicher zu begegnen. In der Tat hofft auch Uhrle noch, den Vereinen eine Alternative anbieten zu können. „In welcher Form am Ende entschieden wird, ist noch nicht im Gremium diskutiert worden, da der Stadtrat außerhalb des Beirates über die Thematik noch nicht beriet.“

Sogar Christoph Gänsheimer, einziges Ratsmitglied der Linken im Kaufbeurer Stadtrat, begrüßt das Vorhaben für einen Hochschulcampus. „Dass die Debatte um den Abriss beziehungsweise die Verschiebung des Parkstadions weiter so konkret geführt wird, bevor andere Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, ist schade“, heißt es auf Nachfrage des Kreisbote. Das Mittel der Enteignung sollte in Betracht gezogen werden, um andere mögliche Campus-Bauflächen zu beschaffen und das Parkstadion zu schützen. „Die Frage eines Ersatzes stellt sich für mich eigentlich nicht. Das Parkstadion sollte erhalten bleiben.“ Wenn nicht, fordert Gänsheimer mindestens einen gleichwertigen Ersatz. Auch er hält eine Zusammenlegung mit Sportstätten in Neugablonz für ungünstig. Er signalisiert, dass ein Bürgerentscheid das richtige Mittel zur Entscheidungsfindung sein könne.

„Zentral gelegenes Juwel für Erholung, Sport und Bewegung.“

Pascal Lechler (SPD), Beauftragter des Stadtrates für Sport und Bewegung, ist zwar auch für einen entsprechenden Neubau, „allerdings wurde von Seiten der Spitze der Stadtverwaltung nicht die unbedingte Notwendigkeit für den Standort Parkstadion begründet. Das Argument der einzig verfügbaren Fläche zählt für mich nicht.“ Lechler führt aus, dass Flächen, die für ein neues Stadion benötigt würden, auch für den Neubau der Hochschule verwendet werden. „Das Ensemble aus Jordan-Park, Parkstadion, neuem Eisstadion und Jordan-Badepark ist ein zentral gelegenes Juwel für Erholung, Sport und Bewegung in der Stadt. Das Parkstadion bietet seinen Nutzenden kurze Anfahrtswege, was gerade für Kinder und Jugendliche sehr wichtig ist.“ Lechler vertritt eine andere Meinung als die Mehrheit des Stadtrates. Er werde sich weiterhin für den Erhalt des Parkstadions einsetzen. „Für mich ist das Parkstadion im Zentrum der Stadt für den Sport in Kaufbeuren unverzichtbar.“

Die AfD hat sich auf Anfrage unserer Zeitung bis Redaktionsschluss (Donnerstagmittag) nicht zum Thema geäußert.

Die Stadtverwaltung wird weiterhin mit Hochdruck nach Alternativen suchen. Oberbürgermeister Stefan Bosse hofft, beim nächsten Treffen eine andere Lösung präsentieren zu können. Bei der Suche nach Alternativen sei man jedoch auf die Kooperation von Grundstückseigentümern angewiesen. Der Rathauschef gibt aber zu bedenken, dass dem Freistaat möglichst noch in diesem Jahr ein Angebot unterbreitet werden sollte.

Stefan Günter

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