Corona-Krise: Schulamtsdirektor Roth im Interview

Wie läuft‘s beim Home-Schooling? Noch keine Prognose für Schulstart

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Schulamtsdirektor Andreas Roth.

Ostallgäu/Kaufbeuren – Drei Wochen lang verlief der Unterricht an den Ostallgäuer und Kaufbeurer Schulen anders als sonst. Auf Grund der Corona-Pandemie blieben die Schüler daheim. Das sogenannte Home-Schooling, also Schule zuhause, ist bis jetzt ein fester Bestandteil. Ob die Schüler nach den Osterferien wieder zurück an die Schulbank dürfen, ist ungewiss. Der Kreisbote hat bei Andreas Roth, Schulamtsdirektor für das Ostallgäu und Kaufbeuren, nachgefragt.

Trotz Home-Schooling sind Schulleiter und Lehrer im ständigen Austausch. Sind Ihre Aufgaben in dieser Phase besonders wichtig?

Roth: Gerade in der momentanen Phase der Unsicherheit ist es für die Schulleitungen wichtig, im Kontakt zu ihren Lehrkräften zu stehen. Hier stehen ganz praktische Fragen im Vordergrund. Wie wird das Home- Schooling organisiert? Welche schulinternen Regelungen gibt es dazu? Natürlich wird auch schon das weitere Schuljahr geplant. So lief beispielsweise die Schuleinschreibung in diesem Schuljahr ohne Präsenztermine an den Schulen ab. Die schulinternen Abschlussprüfungen müssen gegebenenfalls aufgrund der Schulschließung neu geplant und terminiert werden. Informationen über neue Regelungen, also zum Übertritt, müssen an die Eltern weitergegeben werden. An den Grund- und Mittelschulen bewährt sich das Klassenleiterprinzip. Die meisten Fächer in der Klasse werden vom Klassenleiter unterrichtet. Die Klassenleiter bekommen Informationen über die Aufgabenbewältigung und haben den persönlichen Bezug zu ihren Schülern. Die Schülerinnen und Schüler haben einen Ansprechpartner.

Ist der Kontakt zu allen Ihren Schulen während der Corona-Krise intensiver als sonst?

Roth: Da wir sonst auch in intensivem und engem Kontakt mit unseren Schulen stehen, läuft dies auch in bewährter Weise während der Corona-Krise so weiter. Persönliche Begegnung oder Schulbesuche finden aufgrund der aktuellen Lage nicht statt. Wir greifen jetzt öfter zum Telefon oder kommunizieren mehr per E-Mail. Wir bekommen regelmäßig „Wasserstandsmeldungen“, ansonsten läuft die Planung für das kommende Schuljahr bereits.

Hat sich das Home-Schooling Ihrer Meinung nach bewährt?

Roth: Die Rückmeldungen der Schulen sind durchweg positiv. Unsere Lehrkräfte stellen sich den Aufgaben und Anforderungen motiviert und engagiert. Unterstützung erhalten sie dabei auch von unserem Medienpädagogischen Berater, Digitale Bildung für das Ostallgäu und Kaufbeuren, Florian Ermann. Er hat Informationen zum ­Home- Schooling auf seiner Internetseite zur Verfügung gestellt. Wir sehen das Home-Schooling als eine Überbrückungsmöglichkeit, die gut gelingt.

Momentan kursieren viele Gerüchte, wann die Schule wieder startet. Gibt es hier neue Informationen?

Roth: Da es sich um ein dynamisches Geschehen handelt, können wir hier keine Prognose abgeben. Stand heute (vergangener Montag, 6. April) würde die Schule nach den Osterferien wieder starten. Ich gehe davon aus, dass wir Anfang der zweiten Ferienwoche neue Informationen dazu bekommen werden.

Bleibt es also bei zwei Wochen Pfingst- und sechs Wochen Sommerferien?

Roth: Vom Kultusministerium gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die Ferien verkürzt werden sollen.

Wie schaut es mit den Prüfungen aus, oder auch dem Übertrittsverfahren? Müssen sich Eltern Gedanken machen?

Roth: Die Informationen zu den Prüfungen und dem Übertrittsverfahren werden vom Kultusministerium auf deren Internetseite veröffentlicht. Dabei wird immer betont, dass die Schüler durch die Schulschließungen keine Nachteile haben sollen.

Was halten Sie von dem Vorstoß, dass schlechte Schüler freiwillig das Schuljahr wiederholen sollen?

Roth: Die bisherige Schulschließung sehe ich nicht als Anlass, dass leistungsschwache Schüler pauschal freiwillig wiederholen sollen. Dieser Schritt kann nur im Einzelfall vielleicht notwendig und sinnvoll sein, aber dann wurde bereits auch schon vor der Schulschließung darüber nachgedacht und es haben sicher Gespräche mit den Eltern und der Schülerin oder dem Schüler stattgefunden. Es müssen im Prinzip die gleichen Überlegungen angestellt werden, welche auch ohne die Schulschließung angestellt worden wären.

Haben Sie noch einen persönlichen Tipp an die Eltern, die momentan ihre Kinder daheim schulisch betreuen?

Roth: Wichtig ist, dass die Eltern jetzt nicht in die Rolle eines Ersatzlehrers schlüpfen. Es ist auf jeden Fall gut, den Kindern eine feste Tagesstruktur und eine Wochenplanung an die Hand zu geben. Man kann den Tagesablauf und die Wochenplanung auch gemeinsam mit dem Kind festlegen. Hier geht es vor allem darum, Lern- und Spielzeiten festzulegen, aber auch gemeinsame Mahlzeiten und gemeinsame Aktivitäten. Sie können die Kinder jetzt auch vermehrt in Haushalts­tätigkeiten einbinden. Ansonsten sollten sich Eltern möglichst viel Zeit für ihre Kinder nehmen und einfach für sie da sein, Nähe und Zuwendung geben.

Interview: Stefan Günter

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