Lamerdingens Windräder gehen in Betrieb

Einweihung im Nebel

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Pfarrer Andreas Pela (v. li.), Hans Nägele und Thomas Tronsberg (beide Mitinitiatoren), Bürgermeister Konrad Schulze, Lars Leveringhaus (stellvertr. Landrat) und Planer und Mitinitiator Robert Sing feierten mit den Bürgern die neuen Windräder.

Lamerdingen – Das hatten sich die Organisatoren der Einweihungsfeier für die beiden Windräder in Lamerdingen sicherlich anders vorgestellt: Normalerweise sind derartige Anlagen markante Wahrzeichen in der Landschaft. Doch am letzten Wochenende waren sie unsichtbar, verschluckt vom Nebel.

So mancher Besucher hatte sogar Probleme, das Festzelt zu finden. „Schade, ich wollte heute zur Einweihung den berühmten roten Knopf drücken“, sagte Lamderdingens Bürgermeister Konrad Schulze. Doch bei Nebel herrscht bekanntermaßen kein Wind und so drehte sich nichts in Lamerdingen. Das tat der Feierlaune aber keinen Abbruch. 

Es sind Lamerdingens Bürger, die die beiden Anlagen betreiben – 95 Anwohner und die Gemeinde selbst haben Anteilscheine an der „Bürgerwind Lamerdingen GmbH & Co. KG” gezeichnet. Der Rathauschef betonte, dass die Windanlagen im Gemeinderat nie ein großes Thema gewesen seien. Lediglich über die Höhe der Beteiligung der Gemeinde habe man konträre Diskussionen geführt. Im Ergebnis sind es 10000 Euro geworden. „Es ist ein symbolischer Beitrag vor dem Hintergrund eines Mitspracherechts bei den Versammlungen“, sagte Schulze. 

Dem Gemeinderat sei es wichtig gewesen, dass sich die Bürger beteiligen. In Sachen „Erneuerbarer Energien“ ist die Gemeinde nach den Worten ihres Bürgermeisters gut unterwegs. Lamerdingen ist schon seit Jahren durch Photovoltaikanlagen, Biogasanlagen und in geringerem Maße aus zwei Wasserkraftwerken autark, was bedeutet, dass sich die Gemeinde selbst mit Strom versorgen kann. 

Rein rechnerisch beläuft sich der Anteil der erneuerbaren Energieproduktion sogar auf 140 Prozent. Lamerdingen produziert auch Strom für seine Nachbargemeinden. Jedes der beiden Windräder vom Typ Nordex N117 hat eine Leistung von 2,4 Megawatt und soll im Jahr rund zwölf Millionen Kilowattstunden Strom für rund neun Cent je Kilowattstunde liefern. Das deckt den Verbrauch von rund 7000 Bürgerinnen und Bürgern, betonte Robert Sing. 

Zusammen mit den beiden anderen Lamerdinger Initiatoren Hans Nägele und Thomas Tronsberg hat Robert Sing die Anlagen selbst geplant. Unterstützung für erneuerbare Energien gab es auch vom Landratsamt. Als Vertreter der Landrätin Maria Rita Zinnecker betonte Obergünzburgs 1. Bürgermeister Lars Leveringhaus, im Landkreis freue man sich über jedes errichtete Windrad. Im Ostallgäu seien bereits 25 Windräder errichtet worden, 37 weitere seien im Verfahren. 

Windkraftanlagen mit Bürgerbeteiligung zu betreiben, bezeichnete Leveringhaus als den Idealfall. Die Beteiligung der Gemeinde Lamerdingen in Höhe von 10000 Euro befand der stellvertretende Landrat als „etwas unmutig“. Leveringhaus betonte, der Landkreis stehe hinter allen Verfahren und gab den Betreibern der Bürgerwindanlage in Lamerdingen mit auf den Weg: „Sie werden den Ertrag erwirtschaften, den sie sich vorgestellt haben.“ 

Die meisten Lamerdinger sind stolz auf die Energiewende ihrer Gemeinde. Im Laufe der Bauzeit habe es nur sechs Klagen von Privatpersonen und vier von Nachbargemeinde beim Verwaltungsgericht gegeben, konnte Bürgermeister Konrad Schulze berichten. Eine Bürgerinitiative gegen das Projekt habe es nicht gegeben. von Siegfried Spörer

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