Landfrauentag: Unterrichtsfach "Alltags- und Lebensökonomie" gefordert

"Wo das Leben ein Hit ist"

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„Powerfrauen“ beim Landfrauentag unter sich: Kreisbäuerin Gabi Paulsteiner (links), Maria Hochgruber Kuenzer aus Südtirol (vorne rechts) sowie die stellvertretende Kreisbäuerin Ilse Mittelmair.

Marktoberdorf – Von guter Laune, Zuversicht und handfesten Plänen war der diesjährige Landfrauentag unter Leitung von Kreisbäuerin Gabi Paulsteiner geprägt. Auch vor heiklen Themen wie Fleischskandal oder Kritik an den heutigen Schulstundenplänen hatten die Rednerinnen keine Angst.

Die Liste der erschienenen Ehrengäste, die Kreisbäuerin Gabi Paulsteiner beim diesjährigen Landfrauentag vergangene Woche im Modeon zu verlesen hatte, war lang. Aber auch ein Blick von der festlich dekorierten Bühne in den Saal zeigte eindrucksvoll, dass die Landfrauen des Bayerischen Bauernverbandes Kreisverband Ostallgäu recht zahlreich erschienen waren. Und so herrschte von Anfang an eine recht gute und frohgelaunte Stimmung. 

Die musikalische Umrahmung hatte am Vormittag der Landfrauenchor unter der Leitung von Christine Ritzler übernommen. Hier gab es auch gleich etwas zu feiern. Nach der Verabschiedung von Uschi Besler, die nach 14 Jahren als Vorsitzende ihr Amt im Juni vorigen Jahres an ihre Nachfolgerin Christine Lutzenberger übergeben hatte, konnte Bezirksbäuerin Anni Fries dem Chor zu seinem 25-jährigen Jubiläum beglückwünschen. In ihrer kurzen Laudatio dankte sie für die „Pflege des heimischen Liedgutes“ und bezeichnete den Landfrauenchor als einen gern gesehenen und wahren Botschafter des bäuerlichen Berufsstandes. „Singen hat einen hohen Stellenwert, schafft Gemeinschaft und ist heute genauso wichtig und aktuell wie vor 25 Jahren“, so Anni Fries und überreichte dem Chor als Dank und Anerkennung eine Urkunde des Bayerischen Bauernverbandes. 

Nach den Grußworten der Ehrengäste ging Kreisbäuerin Gabi Paulsteiner anschließend auf die augenblicklich etwas heikle Lage im Bereich der Landwirtschaft – hervorgerufen durch den Fleisch- und Hühnerhaltungsskandal – ein und vertrat dabei die Auffassung, dass durch ein paar „schwarze Schafe“ leider ein ganzer Berufsstand in ein schlechtes Licht gerate und die Bauern letztendlich wieder einmal „die Dummen“ wären. 

Abschließend forderte sie die Einführung eines Unterrichtsfaches „Alltags- und Lebensökonomie“ in den Schulen, durchgängig über die Jahrgangsstufen von der ersten bis zur zehnten Klasse in allen Schularten. Dies sei bitter notwendig, da hauswirtschaftliche Kenntnisse nicht mehr selbstverständlich im Elternhaus vermittelt würden, wie dies früher einmal der Fall gewesen wäre. Der „Lernort Familie“ habe an Bedeutung verloren und dies habe weitreichende Folgen für die gesamte Gesellschaft. Deshalb müsse die Einführung eines solchen Unterrichtsfaches in den Schulen unbedingt erfolgen. Mit einer gestarteten Unterschriftenaktion von Seiten der BBV-Geschäftsstelle soll diesem Ansinnen Nachdruck verliehen werden. „Land hat Zukunft“: So lautete das Thema des Festvortrags der aus Bruneck in Südtirol stammenden Bäuerin und Politikerin Maria Hochgruber Kuenzer. Mit ihr lernten die anwesenden Landfrauen eine wahre „Powerfrau“ kennen, die Ehefrau, Mutter von fünf Kindern, Bäuerin aus Leidenschaft und aktive Politikerin im dortigen Landtag in einer Person vereint. „Wer es versteht, der Familie den Wert anzuerkennen, der ihr zusteht, braucht sich vor zukünftigen Entwicklungen nicht zu fürchten“, erklärte die Südtirolerin, die diesen Satz zu einer ihrer Lebensgrundlagen gemacht hat. Sie habe auf der Suche nach einem erfüllten Leben ihren Platz in der Landwirtschaft und auf dem Bauernhof gefunden. Wichtig sei die Überzeugung, dass das Leben auf dem Land Zukunft habe. Es dürfe nicht so weit kommen, dass niemand mehr auf dem Land leben wolle. Hier müsse der Hebel angesetzt werden, damit das ländliche Leben wieder voll erblüht. Es müssten vermehrt sinnbildliche Brücken von der Stadt in den ländlichen Bereich geschaffen werden, um die Menschen gemeinsam an allem teilnehmen zu lassen. In diesem Zusammenhang dürfe man keine Angst vor Veränderungen haben, denn „das Land“ habe nur Zukunft durch Veränderungen. „Nichts ist beständiger als die Veränderung. Lasst uns mitwirken – wo das Leben ein Hit ist – denn Land hat Zukunft“. Mit diesem zündenden Appell beendete Maria Hochgruber Kuenzer ihren mit viel Beifall bedachten Vortrag. Verabschiedete sich in aller Eile, um am Nachmittag an einer Sitzung im Bozener Landtag teilnehmen zu können. 

Als nächster Programmpunkt folgte die Spendenübergabe der Landfrauen des Kreisverbands Ostallgäu. Eine Spende in Höhe von jeweils 500 Euro erhielten: die Lebenshilfe, die Deutsche Knochenmarkspenderkartei und der Palliativdienst der katholisch-evangelischen Sozialstation Kaufbeuren-Ostallgäu. Nach dem gemeinsamen Mittagessen startet das Nachmittagsprogramm, das hauptsächlich von den Frauen des mittleren Landkreises gestaltet wurde. Dabei sorgte Rita Meggle mit den „Blechbleamla“ für die musikalische Unterhaltung. Kreisobmann Josef Nadler meldete sich kurz zu Wort und Elisabeth Hiepp berichtete über Neuigkeiten aus der Technikerschule Kaufbeuren. Claudia Reiter und vor allem Waltraud Mair sorgten mit lustigen Vorträgen sowie Gertrud Hehl und Sabine Neuhauser mit dem Sketch „Neue Gesundheitsreform“ für einen fröhlichen und gemütlichen Ausklang dieses Landfrauentages, den die stellvertretende Kreisbäuerin Ilse Mittelmair mit ihrem Schlusswort beendete.von Klaus-Dieter Körber

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