Überschwemmungsgebiete sollen 2014 festgesetzt werden

Hochwasserschutz zahlt sich aus

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Bis fast an den Rand des Staudammes hat der Hühnerbach beim großen Hochwasser Anfang Juni das Regenrückhaltebecken gefüllt. Das im Süden von Bidingen-Ob gelegene Bauwerk war gerade noch rechtzeitig in Betrieb genommen worden und verhinderte somit Schäden an der Wohnbebauung in der Gemeinde.

Landkreis – Der Hochwasserschutz im Landkreis Ostallgäu zahlt sich aus. So sei man beim Hochwasser im Juni mit einem "blauen Auge" davon gekommen.

Während das Hochwasser Anfang Juni anderenorts teilweise verheerende Folgen hatte, ist der Bereich des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, und hier speziell der Landkreis Ostallgäu, „mit einem blauen Auge“ davon gekommen. Dieses Resümee zog der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, Karl Schindele, in der jüngsten Sitzung des Kreistages. Verantwortlich dafür seien laut Schindele zum einen die wesentlich geringere Niederschlagsmenge im Südwesten Bayerns, die Verbesserung des technischen Hochwasserschutzes in den letzten Jahren und das verbesserte Krisenmanagement der beteiligte Behörden und Ämter gewesen. 

Neben dem technischen Hochwasserschutz habe die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten für den gesicherten Rückhalt und geordneten Abfluss des Hochwassers den gleichen Stellenwert. Wie Landrat Johann Fleschhut dem Gremium mitteilte, habe die Bayerische Staatsregierung dem Landkreis Ostallgäu als Soforthilfe 150.000 Euro zur Verfügung gestellt, um die Hochwassergeschädigten finanziell zu unterstützen. „Damit konnten und können Anträge schnell bearbeitet und bereits 70 Tausend Euro an die Betroffenen ausgezahlt werden“, so Fleschhut. Allerdings sei der Landkreis am 20. Juni 2013 weit mehr betroffen (ungefähre Schadenssumme liegt bei 100.000 Euro) als beim großen Hochwasser Anfang Juni, so Fleschhut. Während die Feuerwehren zwischen 29. Mai und 2. Juni 50 mal um Hilfe gerufen wurden, waren am 20. Juni 1400 Feuerwehrleute 106 im Einsatz. 

Der Landrat bedankte sich bei der Staatsregierung, dass sie die Schäden vom 20. Juni auch in das Hochwasserentschädigungsprogramm aufgenommen habe. Sein Dank gehe auch an die Einsatzkräfte der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerkes, der Polizei und des Roten Kreuzes. In diesen Dank schloss Kreisrat Wolfgang Hannig (SPD) auch die zahlreichen Helfer ein, die aus dem Ostallgäu in Rosenheim oder Deggendorf im Einsatz waren. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten Schindele informierte die Mitglieder des Kreistags dann noch mit zahlreichen Grafiken und Tabellen über den Verlauf des großen Hochwassers Ende Juni 2013 und den getroffenen Maßnahmen. Am Beispiel Forgensee machte er deutlich, welche Auswirkungen rechtzeitig getroffene Maßnahmen auf den Hochwasserschutz hätten. „Durch die Absenkung um zwei Meter unter Normalstau konnte die Hochwasserspitze abgefangen und rund 48 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden, erklärte Schindele. 

Weiterhin informierte er den Kreistag über die bereits umgesetzten Maßnahmen im technischen Hochwasserschutz mit einem Volumen in Höhe von rund 44 Millionen Euro im Zeitraum 2001 bis 2013 und über die in den nächsten Jahren geplanten Vorhaben an Gewässern der Ordnung I, II und III sowie an Wildbächen. Über den aktuellen Stand bei der Ausweisung von Überschwemmungsgebieten berichtete Abteilungsleiterin Gudrun Hummel. Bis heute seien im Landkreis Ostallgäu für den Hochwasserrückhalt sechs wasserwirtschaftliche Vorranggebiete im Regionalplan 16 ausgewiesen, die alle im Bereich der Wertach liegen. Bekanntgemachte und damit vorläufig gesicherte Überschwem- mungsgebiete mit einer Befristung auf fünf Jahre und einer Verlängerung um zwei Jahre gebe es an der Geltnach, Gennach, Kirnach und Singold. 

Die Festsetzung als Überschwemmungsgebiet im förmlichen Verwaltungsverfahren und Bekanntmachung durch Rechtsverordnung sei für 2014 vorgesehen. Diese Überschwemmungsgebiete seien mit zahlreichen Verboten belegt, insbesondere die Bebauung und die Umwandlung in eine andere Nutzungsart, machte Gudrun Hummel deutlich. Ausnahmen seien möglich und bedürfen der Genehmigung des Landratsamtes. „Durch den technischen Hochwasserschutz können diese Retentionsräume aber verändert, das heißt, unter Umständen kleiner werden“, so Hummel.

Von Jörg-Dietmar Reinelt

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