„Das wäre es ein gutes Zeichen“

Landkreiseigene Einrichtungen im Ostallgäu steigern Anteil an bio-regionalen Produkten

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Die Nachfrage nach bio und regional steigt auch in Zeiten von Corona und soll nun vom Landkreis aus einen Vermarktungsschub bekommen. Auch in der Kaufbeurer Innenstadt wird mit der Verarbeitung dieser Produkte geworben.

Marktoberdorf/Landkreis – Unter dem Motto „Bio und regional – Ein starkes Team!“, sollen der Landkreis und die kreisfreie Stadt Kaufbeuren anstreben, bis 2025 mindestens 50 Prozent biologische und regionale Lebensmittel einzusetzen.

Projektmanager der Öko-Modellregion Ostallgäu Florian Timmermann erläuterte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Umwelt im Landratsamt in Marktoberdorf, um was es bei dem Projekt geht und legte dem Gremium einen Beschlussvorschlag vor, dass zukünftig der Anteil regionaler und biologischer Produkte bei Einrichtungen des Landkreises schrittweise erhöht werden soll.

Der Landkreis Ostallgäu ist seit 2019 eine von 27 staatlich anerkannten Öko-Modellregionen in Bayern. Diese sind ein Baustein des Landesprogramms BioRegio Bayern 2030. Dessen Ziel ist es, dass 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern bis in zehn Jahren ökologisch bewirtschaftet werden. Eine wichtige Aufgabe der Ökomodellregionen ist, die Verwendung von regionalen Biolebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung zu etablieren und zu stärken. Außerdem beschloss der Ministerrat, dass bis 2025 in staatlichen Kantinen ein Warenanteil von mindestens 50 Prozent aus regionaler oder biologischer Erzeugung angeboten werden soll. Kommunale und andere öffentliche Einrichtungen sollen diesem Beispiel folgen. Der Landkreis Ostallgäu möchte in diesem Sinn mit einer Vorbildfunktion voran gehen. „Wenn wir das in unseren Einrichtungen starten, wäre es ein gutes Zeichen“, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) nach der Vorstellung des Projekts und des Beschlussvorschlags.

Im Landkreis Ostallgäu sind derzeit rund 21 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in biologischer Bewirtschaftung, bei steigender Tendenz. Dieser Wert sei bayernweit überdurchschnittlich, so Timmermann. Die Weiterverarbeitung von Produkten aus der landwirtschaftlichen Urproduktion hänge diesem Anteil jedoch hinterher. Der Markt der Außerhausverpflegung hat dabei einen beträchtlichen Marktanteil und damit Potenzial für regionale und biologische Produkte. „Die Kombination aus beidem bietet ideale Voraussetzungen für die Vermarktung. Auch gut geführte konventionelle Betriebe im Ostallgäu sollen deshalb miteinbezogen werden“, erklärte Timmermann und nahm somit von Beginn an vorweg, dass Biobetriebe und die Konventionellen nicht gegeneinander ausgespielt werden sollen.

Bis dato in Kleinstmengen

Die Analyse der aktuellen Verpflegungssituation bei landkreiseigenen Einrichtungen zeige, dass bio-regionale Produkte bis dato nicht beziehungsweise in Kleinstmengen eingesetzt werden, berichtete der Projektmanager. Nun will der Landkreis eine Vorbildfunktion einnehmen und klare Ziele zur Einführung von regionalen und biologischen Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung etablieren. Mit den Senioren- und Pflegeheimen Obergünzburg, Waal, Buchloe und den Mensen der weiterführenden Schulen an den Gymnasien Füssen und Buchloe, sowie dem Catering an der Don-Bosco-Schule in Marktoberdorf und die Technikerschule für Agrarwirtschaft – Fachrichtung Hauswirtschaft und Ernährung in Kaufbeuren soll begonnen werden. „Das sind diejenigen mit einer eigenen Verpflegung vor Ort“, erklärte die Landrätin. Die Realschulen wiederum haben ein Catering von außerhalb und Pausenverkäufe oder ähnliches. Sie sollen in Stufen nachziehen, fügte Timmermann hinzu. Bei den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren wird der Einsatz bio-regionaler Produkte empfohlen. Der Wareneinsatz soll sich von Jahr zu Jahr um mindestens zehn Prozent steigern, beginnend im kommenden Jahr. Bis 2025 sollen mindestens 50 Prozent erreicht werden. Der Mehraufwand für die Waren liege bei der angestrebten Steigerung bei etwa 15 Prozent.

Verantwortliche nicht überfordern

„Das ist eine ambitionierte Steigerung“, meinte Wolfgang Eurisch (CSU). „Doch wird es vom Klientel auch angenommen?“, sorgt sich der Kreisrat um finanziell schlechter aufgestellte Eltern. „Schüler sollten auf diese Verpflegung aus Kostengründen nicht verzichten müssen.“ Auch Rudolf Stockmann (AfD) gab zu bedenken, dass „Bio erheblich teurer“ sei. Grundsätzlich stimme das, so Timmermann. Mehrkosten werden entstehen. Diese seien jedoch vom Konzept abhängig, das sozialverträglich entworfen werden soll. Ein sinnvolles Konzept beinhalte einen „cleveren Speiseplan“ und sei abhängig von den Coachings. Dann setze der Landkreis auf Verständnis und Bewusstsein, welches sich insbesondere durch diese Coachings etablieren könne. 

„Am liebsten wären mir 100 Prozent bis 2025.“

Heike Eggensberger (Grüne) meinte wiederum, dass im ersten Jahr bereits 20 Prozent angepeilt werden sollten. „Wir haben damals in einem halben Jahr auf 100 Prozent bio umgestellt“, berichtete sie vom eigenen Hotelbetrieb. Auch Dr. Ursula Schuster (Grüne) ist der Meinung, bis 2024 seien die 50 Prozent bereits erreichbar. Roland Brunhuber (ÖDP) sagte: „Am liebsten wären mir 100 Prozent bis 2025.“ Doch Timmermann möchte die Verantwortlichen ungern überfordern. „Die zehn Prozent sind bei gezieltem Wareneinsatz kostenneutral“, fügte er hinzu.

Der Landkreis unterstützt die Verantwortlichen der Einrichtungen mit Beratung und Coachings, die finanziell gefördert werden. Für die genannten Schulen liegen die geschätzten Kosten bei 2.500 Euro pro Haus, bei den Seniorenheimen bei 1.500 Euro pro Einrichtung. Insgesamt etwa 14.500 Euro auf fünf Jahre gerechnet. „Wir sollten mit Profis arbeiten, um langfristig Erfolg zu haben“, sagte der Projektmanager. Kontrollen finden durch staatlich anerkannte Kontrollstellen statt, da es sich um geschützte Marken handle. Sowohl die Biokontrolle, als auch die regionalen Waren durch die „Geprüfte Qualität Bayern“. Auch werden die Rechnungen bei Bio-Waren gekennzeichnet und diese Posten kontrolliert.

100 Prozent als Fernziel anstreben

Martin Wachter (FWO) findet, dass der Anteil an Bioprodukten nicht klar definiert sei und er mindestens bei 50, besser bei 70 Prozent liegen solle. Der Forderung entgegnete Zinnecker, dass es eine Frage des Vorhandenseins sei. „Die Verfügbarkeit von Produkten wird geprüft, da gehört auch Vertrauen dazu“, lobte Andreas Kaufmann (CSU) dabei die Arbeit Timmermanns. Dieser berichtete: „Die Coachings sind daraufhin angelegt. In der Gastronomie haben wir bereits die Erfahrung gemacht, dass aus eigener Initiative Bioprodukte bevorzugt werden.“ 

Fernziel notiert

Das Landratsamt selbst strebe an, bei Veranstaltungen, Festen und offiziellen Anlässen mindestens 50 Prozent regionale und biologische Lebensmittel einzusetzen. Das ist Brunhuber nicht genug. „Das Landratsamt strebt an“, zitierte er die Beschlussvorlage. Wenn, „dann sollen 100 Prozent angestrebt werden“. Er beantragte, diesen Willen als Fernziel im Beschlussvorschlag zu notieren. Dem kam die Landrätin nach. Sie seien ohnehin bereits bemüht, das zu erreichen, sagte sie. Mit einer knappen Mehrheit von zwei Stimmen wurde die Einführung von „bio und regional“ mit der hinzugefügten Zielvorgabe ohne weitere Änderungen beschlossen.

Selma Höfer

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