Flüchtlinge bleiben Herausforderung

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Die durchschnittliche Verweildauer in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Turnhalle der Peter-Dörfler-Schule beträgt zwischen sieben und zehn Tagen.

Landkreis – Es war und ist das bestimmende Thema im Landkreis Ostallgäu: Nicht nur die Zahl der Schutzsuchenden im Landkreis steigt, sondern auch die Ängste in der Bevölkerung. Denn die Bilder und Nachrichten aus der Kölner Silvesternacht sind bei vielen Landkeisbürgern nachhaltig in Erinnerung, wie uns zahlreiche Zuschriften zeigen. Im Redaktionsgespräch haben wir mit Landrätin Maria Rita Zinnecker über die Vorfälle und über die aktuelle Lage der Flüchtlinge im Ostallgäu gesprochen.

Die Flüchtlingssituation sei das beherrschende Thema im abgelaufenen Jahr gewesen. „Der große Anstieg an Asylsuchenden hat uns alle in Beschlag genommen, unsere Verwaltung ächzt“, betonte Zinnecker im Gespräch. So habe nicht nur das Personenstands- und Ausländerwesen alle Hände voll zu tun, „nahezu jede Abteilung hat im weitesten oder näheren Sinne etwas mit dem Thema Asyl zu schaffen.“ Allein die Personalkosten seien wegen der Flüchtlingsthematik um zwei Millionen Euro gestiegen. Nicht ohne Grund, hat sich doch die Zahl der Schutzsuchenden im Landkreis im Vergleich zu 2014 nahezu verdreifacht. Während im Vorjahr noch gut 500 Menschen in 20 dezentralen Unterkünften waren, sind es Ende 2015 gut 1500 Menschen in 80 Unterkünften gewesen. Inzwischen hätten 34 der 45 Landkreiskommunen Asylbewerber aufgenommen, weitere Gemeinden wollen das noch tun. „Alle sind im Boot und zeigen sich solidarisch“, freute sich Zinnecker.

Klar sei aber auch, so Zinnecker, dass, wenn der Flüchtlingsstrom so anhält wie bisher, „wir an das absolute Limit stoßen werden“. Und dies sei wahrscheinlich, angesichts der weltweiten Krisenherde. „Das Thema wird uns noch über Jahre erhalten bleiben.“ Daher müsse man überlegen, wie man die Lage in den Griff bekomme. Das Modell Obergünzburg mit seinen Asylbewerberunterkünften könnte hier Schule machen. Aber auch Buchloe, Mauerstetten und Unterthingau hätten hier Beispielhaftes geleistet.

Mit Blick auf die Vorfälle in Köln könne sie Ängste, die hierdurch geschürt würden, gut verstehen. Aus diesem Grund würde der Landkreis in Kooperation mit den jeweiligen Gemeinden Infoabende organisieren, bevor Asylbewerber in die Gemeinden kommen. Zinneckers Eindruck davon sei, dass es dann „gut funktioniert“. Die Akzeptanz und Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei da.

Doch Zinnecker bereite die schiere Zahl an Flüchtlingen Sorge. Bislang sei man strikt für dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten, doch ob man dieses beibehalten könne, stehe in den Sternen. Im Ostallgäu sollte daher auch die Regierung von Schwaben tätig werden und Unterkünfte zur Verfügung stellen. Aktuell würden jede Woche 70 Flüchtlinge dem Landkreis zugewiesen, die dann in den Kommunen untergebracht werden müssen. Dazu kommen die rund 1000 Flüchtlinge, die insgesamt im vergangenen Jahr in der Noterstaufnahme in Marktoberdorf waren. Sie bleiben dzwischen sieben und zehn Tage im Landkreis.

Ein Drittel der Asylbewerber würden nach Zinneckers Angaben anerkannt, ein Drittel geduldet. Zwischen 25 und 30 Prozent der anerkannten Flüchtlinge bleiben schließlich im Ostallgäu, „das sind überwiegend Familien“. Die anderen ziehe es in die Großstädte, etwa Berlin oder München. Aus Zinneckers Sicht werde diese Landflucht langfristig zu Problemen führen. Daher unterstützt sie die Forderung der Wiedereinführung der Residenzpflicht – eine Idee der großen Koalition, Asylbewerbern zeitweise den Wohnsitz vorzuschreiben.

Doch dafür braucht es auch geeigneten Wohnraum, der im Landkreis zur Zeit Mangelware ist. Der Landkreis dürfe sich hier nicht wirtschaftlich betätigen, „darf aber anschieben, motivieren und unterstützen“, so die Landkreischefin. Hier werde man unter anderem in den Bürgermeisterdienstbesprechungen das Thema aufgreifen.

Natürlich müsse man die Menschen auch in Arbeit und Brot bringen. Vor allem die Jungen von ihnen, sagte sie. Deshalb werden beispielsweise in der Berufsschule Marktoberdorf bis zu zehn Klassen eingerichtet. Hierfür müsse jedoch noch Platz geschaffen werden, so etwa in nicht mehr genutzten Schulgebäuden des Landkreises. Bis Februar sollen die ersten zwei neuen Klassen mit Flüchtlingen starten. „Integration wird dabei die große Hauptaufgabe sein. Erst Sprache, dann Bildung und dann Qualifizierung. Hierfür brauchen wir einen langen Atem, zumal die bürokratischen Hürden oft sehr hoch sind.“

Beim Thema Sicherheit glaubt die Landkreischefin nicht, dass es im Ostallgäu zu derartigen Übergriffen wie etwa in Köln kommen werde: „Wir haben keine Anzeichen hierfür“. Weder über ausländische Gruppierungen wie in Köln noch über rechtsradikale Bestrebungen. Dies hätte ihr auch die Polizei so bestätigt. Fasching könne man daher im Ostallgäu nach derzeitigem Kenntnisstand „ohne Bedenken“ feiern. Die Polizei werde ungeachtet dessen wachsam sein, versprach Zinnecker.

Am Ende unseres Redaktionsgesprächs bedankte sich die Landrätin ausdrücklich für die „unfassbar große Hilfsbereitschaft“ der Ostallgäuer Bürger. „Ohne unsere Ehrenamtlichen wären Aufnahme und Integration so vieler Menschen nicht möglich.“

von Kai Lorenz und Matthias Matz

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