„Seltsame Zeiten“

Marktoberdorf: Landrätin Maria Rita Zinnecker stimmt Kreistag auf Herausforderungen ein

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Abstand halten die Mitglieder des Kreistags auch bei der konstituierenden Sitzung vom vergangenen Freitag.

Ostallgäu – In ihrer Begrüßung stimmte Landrätin Maria Rita Zinnecker die Mitglieder des neu gewählten Kreistages Ostallgäu in der konstituierenden Sitzung (siehe extra Bericht) auf die kommende Wahlperiode ein. Sie sprach von „seltsamen Zeiten“ und einer „sehr speziellen Lage“, ausgelöst durch die Corona-Pandemie.

Sie gab einen Rückblick über das Geschehen im Landkreis seit Anfang März, verdeutlichte die Dimension anhand von Zahlen und verwies auch auf die in der Zukunft liegenden Auswirkungen und Herausforderungen.

„Als wir uns alle zur Wahl gestellt haben, war eine Corona-Pandemie noch in weiter Ferne“, sagte Zinnecker. Einen Tag nach der Wahl sei in Bayern bereits der Katastrophenfall ausgelöst worden. Sie hoffe sehr, dass nach den vielen Lockerungen und der scheinbaren Entspannung im Gesundheitssektor die jetzt gefühlte Sicherheit in diesem Land nicht trügerisch ist, denn „dieses Virus ist nicht harmlos“. Mehr als 600 Menschen seien im Bereich des Gesundheitsamtes im Landkreis Ostallgäu und der Stadt Kaufbeuren infiziert gewesen und 43 Menschen (37 davon im Landkreis) daran gestorben, deren Angehörigen sie ihr tief empfundenes Mitleid aussprach. Aktuell sind noch 30 Personen in der Region infiziert. 

Insgesamt sei seit 24. April eine positive Entwicklung bei den Zahlen zu erkennen. Es bleibe zu hoffen, dass dies auch nach den Lockerungen im öffentlichen Leben so anhält. Das ist leider nicht ganz sicher und daher empfahl sie weiterhin: „Vorsicht walten lassen Abstand halten!“

Herausforderungen

„In den vergangenen sechs Jahren haben wir viel erreicht, beispielsweise mit der Digitalisierungsoffensive in unseren Schulen und in der Verwaltung, dem Schuldenabbau sowie einem ambitionierten Investitionsprogramm in guten Zeiten“, so die Landrätin, „es liegen aber Auswirkungen und Herausforderungen auf dem Weg zurück zur Normalität vor uns, die wir heute nur in Teilen absehen können.“ Gesellschaftlich, wirtschaftlich und finanziell werde man sich neu sortieren und vielleicht auch aufstellen müssen. Augenmaß, Solidarität und Miteinander würden mehr denn je gefordert sein. Sie sei überzeugt, dass das auch in den kommenden sechs Jahren geschafft werden könne. Dafür müsse man zusammenarbeiten, zusammen denken, Kompromisse finden und jederzeit im Sinne des Landkreises Ostallgäu und seiner Bürgerinnen und Bürger denken. Dann habe das Ostallgäu weiter eine gute Zukunft vor sich. Für die anstehenden Aufgaben wünschte die Landrätin allen viel Glück, Geschick, Elan, Ausdauer und Ehrgeiz. „Ich stehe für ein Miteinander in der Politik und für den Landkreis“, schloss sie.

Zahlen

Im Landratsamt waren nach ihren Worten seit Wochen 150 Mitarbeiter überwiegend mit Corona beschäftigt. Zudem waren Lehrer, Richter sowie Mitarbeiter des Eichamtes, Forstamtes und der Stadt Kaufbeuren eingesetzt, systemrelevante Funktionen wurden aufrecht erhalten. Mit dem Krisenstab im Landratsamt und der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) finden ständig Abstimmungen statt. Insgesamt rund 330 000 Masken, 65.000 Schutz-Handschuhe, 427 Schutzbrillen, 6.000 Gesichtsvisiere, 800 Schutzanzüge und 850 Schutzkittel sowie 9000 Liter Desinfektionsmittel seien unter anderem an Kliniken, Senioren- und Pflegeeinrichtungen und Praxen durch sechs Feuerwehren ausgeliefert worden. Sie bedankte sich ganz herzlich bei allen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die einen unverzichtbaren Dienst geleistet haben und noch leisten.

Wolfgang Becker

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