Landrat will MODifizieren

Über die Zukunft des Krankenhaus Marktoberdorf soll am Donnerstag in der Sitzung des Kliniken-Verwaltungsrates entschieden werden. Foto: Veitl

Was wird aus der Klinik Marktoberdorf und werden gebürtige Füssener bald eine aussterbende „Spezies“ sein, weil im Rahmen des neuen Sparkurses der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren die Geburtenabteilung des Füssener Kranken- hauses schließen wird? Nach der Diskussion um die Klinik-Sanierung mit der Beraterfirma Kienbaum und Landrat Johann Fleschhut (FW) am Donnerstag vergangener Woche schien dieses Szenario fast sicher. Nun will Fleschhut offensichtlich den Füssenern ihren Willen, sprich: ihre Geburtenabteilung, lassen. Die Marktoberdorfer sollen zudem nicht nur ihr Krankenhaus, sondern sogar ihr Wundzentrum behalten.

Am morgigen Donnerstag, 26. Mai, nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, tagt der Verwaltungsrat des Klinikverbunds, um – möglicherweise – zu entscheiden wie es mit dem defizitären Kommunalunternehmen weitergehen soll. Ob dann wirklich ein Entschluss gefasst wird, ist jedoch nicht sicher, eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen im Verwaltungsrat ist erforderlich. „Ich hoffe, dass wir zu einer Grundentscheidung kommen“, erklärte der Landrat am Dienstag gegenüber dem KREISBOTEN. Wie könnte die aussehen? Ende vergangener Woche schien eine Schließung des Hauses Marktoberdorf etwas weniger wahrscheinlich als die so genannte „Lösung C“, die den Erhalt aller Häuser vorsieht, die sich dafür freilich neu aufstellen müssten. Nun vertritt Fleschhut gar eine aufgeweichte „Lösung C“, die Füssen und Marktoberdorf weniger Einschnitte abverlangt. Am Dienstag nannte Fleschhut dies „Lösung C modifiziert“. Demnach sollen weiterhin Kinder in Füssen zu Welt kommen, „wir wollen es nochmal versuchen“, gab er gegenüber dem KREISBOTEN an. Es habe ein gutes Gespräch mit Hebammen und Klinikvertretern nach der Stadtratssitzung gegeben, so Fleschhut. „Es müssen aber alle mitarbeiten“, machte er klar, nicht nur von Seiten der Klinik, sondern etwa auch der örtlichen niedergelassenen Ärzte. Ziel sei eine Steigerung der Geburtenzahlen auf etwa 350 im Jahr. Bei Fleschhuts Modifizierung kommt auch die Klinik Marktoberdorf, eben noch von Schließung bedroht, besser weg. Sie soll ihre Wundzentrum behalten, das nach Meinung der Beraterfirma Kienbaum den Standort Buchloe künftig stärken sollte. Grund dafür sei, neben der hohen Identifikation mit der Prestige-Abteilung in der Stadt, der deutschlandweit gute Ruf des Zentrums, der mit Marktoberdorf verbunden sei. „Die Außenwirkung ist auch entscheidend für die Patientengewinnung“, erklärte Fleschhut. Außerdem habe man kürzlich erst viel Geld in neue Räume für das Wundzentrum gesteckt. Die Geriatrische Reha soll aber trotzdem von Füssen in die Kreisstadt wandern. Könnte man die nicht aus den selben Gründen in Füssen lassen? „Nein“, gab der Landrat auf Nachfrage an. Es kämen kaum Patienten aus Obergünzburg und keine aus Buchloe nach Füssen, deswegen müsse die Geriatrie an einen zentralen Standort. Was Buchloe als Ausgleich für den Verlust des Wundzentrums erhält, sei indes noch offen. Ob die Verwaltungsräte um den derzeitigen Vorsitzenden, Kaufbeurens OB Stephan Bosse (CSU), dieses, erst seit wenigen Tagen in dieser Form existier-ende Konzept mittragen, wird sich zeigen. Die Lösung C bezeichnete Dr. York Deihn von der Firma Kienbaum am vergangenen Donnerstag im Füssener Stadtrat als „Mangelverwaltung“ und prognostizierte rund 800000 Euro Defizit im Jahr – ohne Fleschhuts Modifizierung. Für die will er am heutigen Mittwochabend im Marktoberdorfer Stadtrat nochmals werben.

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