Im Landratsamt gibt es ein Leitsystem, das auch für behinderte Menschen eine Erleichterung ist

Bestes Beispiel für "Bayern barrierefrei"

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Erklärungen zum Leitsystem im Landratsamt: Hauptamtsleiterin Susanne Kettemer (rechts), die bayerische Behindertenbeauftragte Irmgard Badura, Landrätin Maria Rita Zinnecker, Staatssekretär Johannes Hintersberger und die Ostallgäuer Behindertenbeauftragte Waltraud Joa.

Marktoberdorf – Ein Tastmodell am Haupteingang, ein elektronisches Info-Terminal im Foyer, eine induktive Höranlage an fünf Arbeitsplätzen im Bürgerservice, Türschilder auf Klinkenhöhe, optimierte Treppenaufgänge, taktile Bodenlinien mit dunklen, flachen Noppen und Sprachansagen in den beiden Aufzügen: Im Landratsamt in Marktoberdorf können Informationen gelesen, ertastet und gehört werden.

So sollen auch Menschen mit einer Behinderung ohne Probleme zum richtigen Ansprechpartner im Amt gelangen. Für dieses neue Leitsystem ist die Kreisbehörde nun – als zweite Kreisbehörde in Bayern nach Lichtenfels – mit dem Signet „Bayern barrierefrei“ ausgezeichnet worden.

Der Staatssekretär im bayerischen Sozialministerium, Johannes Hintersberger (Augsburg), übergab das Schild „Bayern barrierefrei“ neulich bei einer kleinen Feier im Landratsamt an Landrätin Maria Rita Zinnecker. Was da in der Behörde umgesetzt worden ist, sei „beispielhaft“ und „nachahmenswert“, bekundete der Politiker nach einem kleinen Rundgang, bei dem Susanne Kettemer, die Hauptamtsleiterin im Landratsamt, die wesentlichen Verbesserungen im Sinne der Barrierefreiheit vorstellte.

Als die Neuerungen präsentiert wurden und nachdem Kettemer per Knopfdruck die Sprachansage des Leitsystems aktiviert hatte, meldete sich freilich Peter Stumm zu Wort, der selbst hörbehindert ist und sich in Buchloe als Ansprechpartner für den Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter engagiert. Er verstünde nichts von dieser Ansage, wenn nur vier Meter weiter hinten bei der Besucherfrequenz die automatisch öffnende Tür ins Foyer mit einem starken Geräusch auf- und zugehe, machte Stumm auf eine kleine akustische Tücke aufmerksam.

Fast 10.000 Menschen im Landkreis behindert

Landrätin Maria Rita Zinnecker wies darauf hin, dass im Ostallgäu knapp 10.000 Menschen das tägliche Leben mit einer Behinderung meistern müssen. Das Leitsystem im Landrastamt mit insgesamt 26 Info-Elementen bezeichnete sie als „Meilenstein“. Zur Umsetzung sei eine Projektgruppe eingesetzt worden.

Staatssekretär Hintersberger nannte es „ein starkes Stück“, was da im Ostallgäu umgesetzt worden sei. Er erinnerte daran, dass der Freistaat Bayern 3000 Immobilien besitzt. Die klare Vorgabe sei, bis zum Jahr 2023 jedes dieser Gebäude im Eingangsbereich behindertengerecht auch mit einer entsprechenden Toilette auszustatten. Mit dem Thema Barrierefreiheit werde man sich permanent befassen müssen, da werde es nie einen Schlusspunkt geben.

Impulse erhofft sich der Sozial-Staatssekretär bei der Inklusion auch von den 18 Beratungsstellen in Bayern. Seit 2016 gibt es auch eine in Kempten. Dort könnten sich private Bauherren und Investoren ebenso Anregungen holen wie Behördenvertreter oder Bürgermeister. Insgesamt plädierte Hintersberger dafür, das Thema Inklusion nicht nur mit der sozialen Brille zu betrachten. Das Einbeziehen von Menschen mit Handicap sei etwa im Freizeitbereich und im Tourismus ein wichtiger Faktor.

Irmgard Badura, sie ist Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Menschen mit Behinderung, betonte in Marktoberdorf, dass noch viel geschehen müsse, um Bayern barrierefrei zu machen. Die Inklusion sei „kein Sprint, sondern ein Marathon“. Leider stelle sie manchmal fest, dass es Gaststätten mit behindertengerechten Toiletten gebe, aber dann der Raum doch als Lager für Putzmittel genutzt werde.

Waltraud Joa, die Ostallgäuer Behindertenbeauftragte, freute sich über die Verbesserungen im Bürgerservice gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie bestätigte, dass sich eine siebenköpfige Arbeitsgruppe die vergangenen zwei Jahre viele Gedanken gemacht habe und so manchen Vorschlag wieder verworfen habe, um dann ein besseres Ergebnis anzustreben. An die Bürgermeister und Kreisräte wandte sie sich mit den Worten: „Es ist noch viel zu tun.“

Ein staatliches Förderprogramm

Die Gesamtkosten für das Leitsystem und den Barriereabbau im Landratsamt Ostallgäu belaufen sich auf rund 200.000 Euro. In diesem Budget ist ein Sonnenschutz als energetische Maßnahme bereits mitgerechnet. 90 Prozent der Kosten werden staatlich gefördert aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP). Der Eigenanteil des Landkreises beträgt zehn Prozent.

jj

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