Ganz ohne Starallüren

Landratswahl 2020: Maria Rita Zinnecker tritt erneut für die CSU im Ostallgäu an

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Lindenallee Marktoberdorf: Maria Rita Zinnecker kandidiert kämpferisch und gut gelaunt erneut als Landrätin für das Ostallgäu.

Ostallgäu – Manchmal stehe sie in der Mittagspause am Dönerstand in der Schlange und keiner erkenne sie, lächelt Maria Rita Zinnecker in sich hinein. Starallüren kennt die 55-Jährige nicht, die vor sechs Jahren als „Außenseiterin“ das Ostallgäuer Landratsamt eroberte. Sie ist in Bergstiefeln am Buchenberg, in Tracht auf Musik- und Schützenfesten, beim Einkaufen im Supermarkt und als Tunnelpatin symbolisch in den Fußstapfen der Heiligen Barbara unterwegs. Nicht immer, weil sie es müsste. „Ich mag es einfach, unter die Menschen zu gehen“, sagt Maria Rita Zinnecker, die für die CSU eine zweite Amtszeit als Landrätin des Ostallgäus anstrebt.

Vor sechs Jahren war sie noch die „Neue“, die sich während der Wahlkampftournee 2014 von Lamerdingen bis Schwangau den Ostallgäuer Bürgern vorstellte. Heute kennt sie im Grunde fast jeder als rührige und volksnahe Landrätin, dunkelrotes Haar, hohe Schuhe und ein bunter Schal. Sie geht als Favoritin in die Wahl um den Chefposten des Ostallgäus, doch sicher kann sich bei Kommunalwahlen keiner sein. Deshalb nimmt sie auch diese erneute Bewerbung sehr ernst und geht sie ungebrochen kämpferisch an – wie eben vor sechs Jahren.

„Viele Dinge sind auf den Weg gebracht, viele Herzensangelegenheiten noch auf der Agenda“, sagt Zinnecker und zählt Themen wie „die Mobilität, der Pflegenotstand, Innovationen rund um die Wasserstoffmodellregion...“ auf. Die vor ihr liegenden Herausforderungen seien gleichzeitig auch der Antrieb, den Landkreis weiter voranzubringen. Maria Rita Zinnecker ist höchst motiviert. Wenn sie über das Ostallgäu spricht, funkeln ihre Augen. Sich einbringen, dem Einzelnen zuhören und dann für das Wohl der Mehrheit Entscheidungen abzuwägen – das sei ihr wichtig. Die Politik – eine Gemeinschaftsaufgabe. So sieht es Maria Rita Zinnecker. Sie selbst komme aus einer Familie, die sich stets engagiert habe. Der Vater, Gemeinderat und Vereinsmensch durch und durch, habe ihr das wohl in die Wiege gelegt. Aufgewachsen ist Maria Rita Zinnecker auf dem elterlichen Milchviehbetrieb in Rieden (Landkreis Ravensburg), nach dem Abitur studierte sie Ökotrophologie in München. Es folgten verschiedene Stationen an Ämtern, bei der Regierung von Schwaben sowie dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium. Bis 2014 leitete sie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kaufbeuren sowie die Landwirtschaftsschule.

Bis sie nämlich vor sechs Jahren – noch als Unterallgäuerin – für das hiesige Landratsamt kandidierte. 2020 ist sie längst im Ostallgäu angekommen. Mittlerweile baute Maria Rita mit ihrem Mann Manfred Zinnecker ihr neues Haus am Rambogen in Marktoberdorf. „Ein großes Glück“, nennt sie diesen Ort, der ihr Zuhause geworden ist. Vom Esszimmer aus mit Blick auf das Allgäuer Bergpanorama könne sie gar den ganzen Süden des Landkreises überwachen, sagt Maria Rita Zinnecker mit einem Augenzwinkern. Ungeachtet der grandiosen Aussicht toben im Hintergrund die zwei Katzenkinder Rodrigo und Lilli treppauf, treppab. Die beiden wurden von den Zinneckers erst letzten Mai aus dem Tierheim Marktoberdorf adoptiert, nachdem die vorherige Samtpfote auf der B472 unglücklicherweise überfahren wurde.

„Wir führen ein ganz normales Leben“, sagt die Landrätin und stellt Kaffee und Kekse auf den Tisch. Die tobenden Katzenkinder lässt sie gewähren. Tatsächlich ergibt auch die Frage nach Hobbys oder Freizeitaktivitäten keine außergewöhnlichen Antworten. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Förster, ist die studierte Ernährungswissenschaftlerin gerne an der frischen Luft unterwegs. So haben die beiden das Ostallgäuer Bergpanorama nicht nur von der Terrasse aus in Augenschein genommen, sondern auch peu à peu erwandert. So richtig viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht. Auszeiten finden daher gerne im Garten statt, wenn ein Arbeitstag mal außer der Reihe etwas früher endet. Oder sie spaziert zur Aussichtsbank entlang der Lindenallee, die zum sprichwörtlichen Verschnaufen einlädt. Dann jedoch geht es schon wieder zum nächsten Termin weiter, der Fahrer wartet vermutlich schon an der Haustür.

„So richtig Feierabend ist eben nie“, sagt Maria Rita Zinnecker und lacht offen. Egal, ob sonntags über einen Schulausfall aufgrund von Sturmgefahr entschieden werden muss, oder ob sie abends noch Sitzungsunterlagen aus dem Rollkoffer herausholt. Doch das hohe Tempo macht Schwabens einziger Landrätin nichts aus. Sie scheint es gar zu genießen. „Es ist wie bei einem guten Geschäftsführer“, lächelt sie. „Der legt um 17 Uhr auch nicht den Bleistift nieder und geht.“ So wird die Landrätin nicht müde, auch am Wochenende und an den Abenden Veranstaltungen „ihrer“ Ostallgäuer zu besuchen. „Dem ehrenamtlichen Engagement in den Vereinen, für Musik, Brauchtum oder die Feuerwehr zolle ich größten Respekt“, sagt Zinnecker, die selbst in vielen verschiedenen Verbänden im Vorstand oder als Schirmherrin aktiv ist.

Ihre guten Vorsätze, eine Veranstaltung auch einmal früher zu verlassen und früher nach Hause zu gehen, schmeißt sie regelmäßig über den Haufen. Dem einen oder anderen hat sie wieder einmal etwas länger zugehört, sie hat Landkreispolitik erklärt oder Brücken gebaut zu einem neuen Projekt. Und darum gekämpft, dies auch nach dem 15. März weiterhin fürs Ostallgäu tun zu dürfen.

von Angelika Hirschberg

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