"Es gibt nur Plan A"

Landratswahl 2020 im Ostallgäu: Matthias Fack tritt für die Freien Wähler an

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Um den Kopf freizubekommen, ist Landratskandidat Matthias Fack gerne an der frischen Luft. Dieses Bild entstand in Buchloe im Bereich des Schanzgrabens.

Landkreis/Buchloe – Als Matthias Fack im Dezember des vergangenen Jahres offiziell als Landratskandidat der Freien Wähler vorgestellt wurde, wusste er bereits: Auf ihn wartet ein kurzer, intensiver und anstrengender Wahlkampf. Wenn am 15. März die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises an die Wahlurne schreiten, hat der 47-jährige Buchloer bereits unzählige Stunden an vielen Orten im Ostallgäu damit verbracht, Menschen von sich und seinen Aufgaben und Zielen als künftiger Landrat zu überzeugen.

Matthias Fack hat viele Lieblingsorte. Für das Gespräch mit dem Kreisbote pickt er sich einen Waldweg in Buchloe heraus. In umliegender Nähe rasen die Autos der A96 entlang. Einsam auf weiter Flur steht die kleine Kapelle „Zum heiligen Blut“. Einen Steinwurf entfernt hat die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Buchloe ihr Zuhause. Von da geht der Weg einfach gerade aus. Fack ist gerne an der frischen Luft, fühlt sich in der freien Natur sichtlich wohl, auch wenn an diesem Tag der Wind so richtig pfeift und die Sonne sich überhaupt nicht blicken lässt. Er nimmt es gelassen. „Hier draußen kann ich meine Gedanken sortieren und wieder Kraft tanken“, sagt der gebürtige Kulmbacher, der seit 14 Jahren mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Gennachstadt zu Hause ist. Gerade in der heißen Wahlkampfphase ist er täglich unterwegs, muss seinen Job als Präsident des Bayerischen Jugendrings genauso zu 100 Prozent meistern, wie seine Auftritte Abend für Abend und an den Wochenende als Landratskandidat. Im Rampenlicht, ja im Fokus stehen, kennt Matthias Fack zu genüge. Doch er braucht es eigentlich nicht. Und wenn es ihm dann auch einmal zu viel wird, nimmt er sich eine Auszeit. Alleinsein fällt ihm nicht schwer. Er genießt die wenigen kurzen Momente gerne einmal für sich. Auch daheim in den eigenen vier Wänden. Dann schafft er es auch einmal, das Handy einfach beiseite zu legen. „Auch wenn es mir manchmal schon etwas schwerfällt“, gesteht der leidenschaftliche Musiker. In der achten Klasse erlernte er in der Schule das Cello spielen. Doch erst viele Jahre später konnte er sich ein Violoncello überhaupt leisten. Nach seinem persönlichen Musikgeschmack gefragt, lacht er: „Ich liebe Wagner und Mozart. Es beeindruckt mich noch heute, wie Beethoven es geschafft hat, taub großartige Musik zu komponieren.“ Er sei jetzt kein typischer Klassikhörer, ganz im Gegenteil. Was man Matthias Fack jetzt überhaupt nicht zugetraut hätte, ist seine Leidenschaft für Heavy Metal. Besonders das alljährliche Musikfestival „Wacken Open Air“ in Schleswig-Holstein zieht den 47-Jährigen in den Bann. Über einen guten Freund sei er auf dieses Event aufmerksam geworden. Doch was macht „Wacken“ für ihn so einzigartig? „Ich fühle mich dort richtig wohl. Hier sind jung und alt beisammen, die Menschen freuen sich und feiern friedvoll eine tolle Party“, ist dieser Termin Ende Juli bereits rot in seinem Kalender notiert.

Mittlerweile nimmt die Windstärke zu, auch der Regen wird ergiebiger. Zwischendurch versteht man sogar sein eigenes Wort nicht mehr. Vereinzelt kommen einige wenige Spaziergänger entgegen. Es ist ein einfacher, geradliniger Weg, ohne große Hindernisse. Matthias Fack sei nie der große Sportler gewesen. In jungen Jahren habe er Judo und Kung-Fu gemacht. Hin und wieder spiele er Schach. Über sich selbst sagt er: „In meiner Schulzeit war ich jetzt keine große Sportskanone, ich habe meine Zeit viel lieber mit Bücherlesen verbracht.“ Dieses Medium ist er bis jetzt weiterhin treu geblieben. Bis zu 50 Bücher verschlingt er pro Jahr, wenn gleich er auch bei längeren Autofahrten zum Hörbuch greift. Auch sonst bleibt momentan wenig Zeit für Sport. „Seitdem der Wahlkampf läuft, schaffe ich es auch kaum mehr in ein Fitnessstudio.“ Von daher tue ihm dieser Spaziergang und die frische Luft richtig gut.

Seit mehr als 30 Jahren hat sich der Buchloer der Jugendarbeit verschrieben. Genauso lang bringt er sich auch ehrenamtlich ein. 2011 übernahm er den Vorsitz der Kolpingsfamilie Buchloe. Gerade das Familienleben sei für ihn sehr wichtig. Regelmäßig zieht es ihn nach Oberfranken, „damit die Kinder Kontakt zu ihrem Opa halten können“, sagt Fack. Es tue ihm immer wieder gut, einen Abstecher dorthin zu machen. Und wenn es ihm die Zeit einmal erlaubt, dann besucht er auch den sonntäglichen Gottesdienst.

Nur ein einziges Mal sei er in Rom gewesen, viel häufiger war er in Assisi. Schon früh übernahm er auch in der Kirche als Ministrant Verantwortung. Nach seinem Zivildienst in der Regens-Wagner-Einrichtung für Menschen mit Behinderung führte ihn sein Weg nach Oberbayern und zwar ins Kloster Benediktbeuern. Dort studierte er Philosophie, Sozialpädagogik und katholische Theologie. Während seines einjährigen Praktikums verschlug es ihn in die Justizvollzugsanstalt Ebrach. In diesem umfunktionierten Kloster waren und sind noch immer Jugendliche mit besonders schweren Fällen untergebracht. Mit einem Häftling, der kurz vor der Entlassung stand, hatte er sogar einen gemeinsamen Ausgang. „Ich war überzeugt, dass er nicht abhaut“, erzählt Fack. Zwei Jahre später habe er sogar eine Postkarte von ihm erhalten. Darin bedankte er sich persönlich.

Matthias Fack hat sich damals schon um seine Mitmenschen gekümmert. Dies zog sich wie ein roter Faden durch. Auch jetzt packt er als Präsident des Bayerischen Jugendrings an, kümmert sich um die Belange. Zu beneiden ist der 47-Jährige nicht. Sein Terminkalender ist an diesem Tag ebenfalls randvoll mit Besprechungen und auch mit Wahlkampfterminen.

Gerade in stressigen Momenten behält Matthias Fack stets einen klaren Kopf und den braucht er noch bis zum 15. März. Es lässt sich nicht ganz verleugnen: „Ich merke so langsam ein deutliches Kribbeln. Am Wahlsonntag werde ich wohl voll durch den Wind sein“, fiebert er diesem Tag der Entscheidung schon entgegen. Obwohl Matthias Fack bis 2023 den Posten als Präsident des BJR bis dahin noch sicher hat, gibt es für ihn derzeit nur einen Plan A: „Ich will Landrat werden“, zeigt er sich kämpferisch und optimistisch als es wieder zurückgeht an den Ort, wo das Gespräch begonnen hat.

von Stefan Günter

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