Pohl kehrt auf die politische Bühne zurück

Pohl will wieder durchstarten

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MdL Bernhard Pohl will nach der heftigen öffentlichen Schelte politisch wieder durchstarten.

Kaufbeuren – Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und Kaufbeurer Stadtrat Bernhard Pohl ist nach der Sommerpause zurück auf der politischen Bühne. Wenngleich ihm die heftige öffentliche Kritik, Rücktrittsforderungen und Spott nach seiner Alkoholfahrt im Juli dieses Jahres doch sehr zugesetzt haben: „Das war schon schwer zu ertragen“, zieht Pohl im Gespräch mit unserer Zeitung sein Fazit.

Jetzt will der politisch und persönlich angeschlagene Pohl wieder Fahrt aufnehmen und zum politischen Alltag zurückfinden. Dies sei er seinen Wählern, aber auch sich selbst schuldig. Der Kreisbote sprach mit ihm über die Zeit nach seiner Alkoholfahrt und welche Perspektive er sich jetzt gibt. 

Nach außen hin präsentiert sich Pohl bei unserem Redaktionsgespräch am Montag gewohnt selbstsicher. Feste Stimme, geschulte Rhetorik und den Fokus nach vorne gerichtet – eben fast ganz der alte Pohl. Aber eben nur fast. 

Auf die Ereignisse nach seiner Alkoholfahrt angesprochen, wirkt er plötzlich nachdenklich und in sich gekehrt. Es ist eine Mischung aus eigener Betroffenheit über sein Fehlverhalten, das das Ganze ausgelöst hat und das massive Medienecho. „Es gibt dir ein Gefühl, als ob dich ein greller Scheinwerfer blendet. Mit solch einem Ausmaß habe ich nicht gerechnet“, zieht Pohl sein Resümee. 

Ihm sei bewusst, dass seine Alkoholfahrt ein „absolutes Fehlverhalten“ gewesen und durch nichts zu entschuldigen sei. Welche Auswirkungen es auf seine Persönlichkeit hat, müsse er abwarten. 

Dennoch möchte er den Menschen klar machen, dass dies nichts mit seiner politischen Arbeit zu tun habe. Er will ein Kümmerer sein, sich für die Belange der Bürger einsetzen. Er weiß, dass es keiner gut findet, was er gemacht hat, dennoch habe er in der Zeit danach auch viel Zuspruch erhalten, vor allem, dass man mit seiner politischen Arbeit zufrieden sei und dass Kaufbeuren ihn brauche. 

Zur Sache selbst will und kann sich Pohl nicht äußern. Der Grund: Das Verfahren gegen ihn, das wohl noch dieses Jahr über die Bühne gehen wird. Der Landtagsabgeordnete ist sich aber sicher, dass sein Fehlverhalten nicht dazu führen wird, seine Pflicht als Abgeordneter zu vernachlässigen. „Das bin ich meinen Wählern schuldig“, erklärte Pohl. 

Mit Blick auf die zurückliegenden Wochen und Monate ist er in diesem Zusammenhang „dankbar für den Rückhalt“ bei den Freien Wählern, allen voran dem Bundesvorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. Aber auch der Rückhalt seiner Kollegen vor Ort habe ihn sehr bewegt: „Dies sind dann die positiven Dinge in solch einer Situation. Hier erkennt man die wahren Freunde“. 

Trotz der zurückliegenden Wochen müsse er sich immer noch sammeln. Das Ereignis habe ihn in seinen „Grundfesten erschüttert, auch was die Tat an sich anbelangt. Es ist untertrieben wenn ich sage, ich hadere mit mir“, so Pohl. Er will versuchen mit „harter und ehrlicher Arbeit“ gegen diese Gefühle anzukämpfen. Dabei hat er die für Kaufbeuren wichtigen Themen wie etwa B12-Ausbau, Neubau des Polizeigebäudes und das Forettle fest im Blick. 

Diskussionsbedarf in der "Aktuellen Stunde" 

Doch in der jüngsten Stadtratssitzung am Dienstag wurde Pohl auch mit der harten Realität konfrontiert. Denn fernab seiner Parteikollegen gibt es eben auch Widerstand gegen die politische Person Pohl. So wollte Pohl in einer „Aktuellen Stunde“ (siehe Info unten) in der Stadtratssitzung am Dienstag wissen, wie denn eigentlich der aktuelle Sachstand zum Forettle aussieht? Und hat sich an der Meinung der einzelnen Fraktionen zu dem von Anfang an kontrovers diskutierten Thema etwas geändert? 

Pohl kritisierte erneut das bisherige Fehlen des „versprochenen Elektromarkts“ in den Plänen für das neue Fachmarktzentrum. Doch der Fallstrick des jüngsten Verkehrsdelikts, der Alkoholfahrt, war auch diesmal bereits gespannt. 

Ernst Holy, Sprecher der KI-Fraktion und 3. Bürgermeister, erklärte, er hätte „statt übers Forettle in der aktuellen Stunde lieber über die weitere Zusammenarbeit mit Pohl im Stadtrat“ gesprochen und ob diese nach Pohls, so wörtlich, „Verfehlungen“ überhaupt noch möglich sei. „Das ist eine Stilfrage“, sagte Holy. 

Dr. Thomas Jahn (CSU) interpretierte den Antrag zur „aktuellen Stunde“ gar als „reine Stichelei und Ablenkungsmanöver“ – die Verwaltung werde den aktuellen Stand beim Forettle beizeiten vorstellen. 

Positiv aufgegriffen wurde Pohls Vorstoß allerdings von SPD und Grünen. „Wir dürfen doch erfahren, was hier passiert“, sagte Catrin Riedl, Pohls Verkehrsdelikt habe „nichts mit dem vorliegenden Thema zu tun“. Volker Kollmeder (FW) beklagte, der Informationsfluss von Seiten der Verwaltung beim Projekt Forettle an die Stadträte sei zu dürftig. 

Auf die Erklärungen von Stadtplaner Manfred Pfefferle, es gebe derzeit keinen neuen Planungsstand und die Stadt habe im Durchführungsvertrag zwar Sortimentsgrenzen vorgegeben, könne aber keinen Einfluss darauf nehmen, ob ein Elektronikmarkt komme oder nicht (wir berichteten mehrfach), kommentierte Oliver Schill (Grüne): „Da sollten sich diejenigen, die das Projekt – nicht zuletzt auch mit dem Aushängeschild Elektronikmarkt – forciert haben, Gedanken machen“.

von Kai Lorenz und Michaela Frisch

Aktuelle Stunde

Die „Aktuelle Stunde“ stellt eine Möglichkeit dar zur Aussprache über ein bestimmt bezeichnetes Thema von allgemeinem aktuellen Interesse und ist an Reglements wie eine beschränkte Redezeit für jedes Stadtratsmitglied gebunden.

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