Oft fehlt es an Sachlichkeit

Landwirtschaft: MdB Hocker (FDP) kritisiert Ahnungslosigkeit von Beratern

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Der Berliner Bundestagsabgeordnete Dr. Gero Hocker (FDP) versprach bei einer Diskussion mit Landwirten in Buchloe, sich weiter für ihre Interessen einzusetzen.

Buchloe – Bayerns Bauern haben Sorgen. Sie fühlen sich in letzter Zeit in den diversen Umweltdebatten an den Pranger gestellt. Zu Unrecht, wie sie sagen. Für viele Landwirte ein Grund, sich nicht mehr nur auf die traditionelle Verbandsarbeit zu verlassen, sondern öffentlichkeitswirksam über die neugegründete Bewegung „Land schafft Verbindung“ mit Protestaktionen für Gehör in Politik und Gesellschaft zu sorgen.

Unterstützung fanden sie dabei bei MdB Dr. Gero Hocker, dem Sprecher der FDP im Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung im Deutschen Bundestag. Er folgte einer Einladung von Kreisobmann Josef Nadler vom Kreisverband Ostallgäu des Bayerischen Bauernverbandes und Geschäftsführer Thomas Kölbl, Leiter der Geschäftsstelle Kaufbeuren/Landsberg, zu einer Diskussions­runde in den Gasthof Eichel in Buchloe.

„In Politik und Gesellschaft ist die Wertschätzung für Lebensmittel und deren Produzenten verloren gegangen“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Gero Hocker ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Für ihn verkommt der Agrardialog zur Farce. Der Politik insgesamt warf er vor, auf „falsche Berater“ zu hören. Dazu gehörten auch „NGO`s“, sogenannte Nichtregier­ungsorganisationen, die Ministerien beraten, aber keine Ahnung von Landwirtschaft hätten und darüber hinaus „manchmal ideologisch infiltriert“ seien. Sein Eindruck sei, dass andere fachfremde Kreise immer mehr Einfluss gewinnen würden.

Landwirtschaftsfremde Interessen

Bedauerlich sei für Hocker, dass oft genug wissenschaftliche Fakten auf der Strecke blieben, beispielsweise bei der Glyphosatdebatte, aber nicht nur dort. Die Fakten würden dem „Mainstream“ geopfert. Somit mache sich die Politik zum Erfüllungsgehilfen für landwirtschaftsfremde Interessen.

„Unsere Umweltministerin macht es sich zu einfach, wenn sie mit dem Finger auf die Landwirte als Schuldige zeigt“, betonte der FDP-Politiker. Als Beispiel nannte er die Nitratbelastung im Wasser. Es gebe Indizien, dass in deutschen Kanalnetzen auch andere Ursachen für hohe Nitratbelastungen zu finden seien. Das Ministerium sei gut beraten, zunächst in die Analyse zu gehen und sich nicht in Vorverurteilungen zu versteigern.

Ergebnisoffener  Dialog

Wenn dazu parallel zum Agrardialog ein neuer Referentenentwurf zur Verschärfung der Düngemittelverordnung auftaucht, verkomme der Schlichtungsversuch zwischen Regierung und Landwirtschaft zu einer Showveranstaltung. Was Landwirte brauchen, sei ein ergebnisoffener Dialog ohne weitere Schnellschüsse der Politik, sagte der Abgeordnete, auch nachzulesen auf seiner Internetseite.

Landwirte hätten es oft nicht leicht, und das nicht nur in Bayern, sagte Hocker. Bei Umfragen unter Verbrauchern seien 90 Prozent bereit, mehr Geld für Lebensmittel aus dem biologischen Landbau oder einer artgerechte Tierhaltung auszugeben. Beim Einkaufen an der Lebensmitteltheke seien es aber nur noch zehn Prozent. Das sei eine bigotte Haltung der Verbraucher.

Zu den Sorgen der Landwirte gehört derzeit auch die Blauzungenerkrankung. Dies hätte zu einer Einstellung des Kälbertransportes geführt, da die Veterinärbehörden die Transporte blockieren würden, beklagte Thomas Kölbl. Auch die zukünftige Gülleverordnung werde den Landwirten noch einige Probleme bereiten.

„Bleibt am Ball und demonstriert für eure Rechte“, forderte der Bundestagsabgeordnete die Landwirte auf. Das tun diese aber ohnehin. Mit ihrer neugegründeten Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LSV) ist es ihnen bundesweit gelungen, in der Gesellschaft und der Politik Aufmerksamkeit zu erregen. Im Dezember 2019 organisierten Mitglieder der Bewegung „LSV“ mit 3000 Schleppern in Memmingen eine eindrucksvolle Demo für ihre Anliegen.

Siegfried Spörer

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