Ein dreifaches „He Du – Hee“ im Rathaus

Laudatio für die Macher der Oberdorfer Bühnenfasnacht

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Die Genovefa-Brenner-Medaille überreicht. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (von links) mit Willi Staud und Wolfgang Bolz, Hansjörg Kögel war bei der Verleihung privat verhindert. Rupert Filser (rechts) hielt die Laudatio.

Marktoberdorf – Es hatte seinen Grund, warum ausgerechnet zur Weihnachtszeit ein dreifaches „He Du – Hee“ durch den Sitzungssaal schallte. Mit diesem Faschings-Ruf und der lautstarken Erwiderung durch Stadträte und Besucher endete nämlich die Laudatio auf die „drei Säulen“ der Oberdorfer Bühnenfasnacht.

Wolfgang Bolz, Willi Staud und Hansjörg Kögel wurden mit der Genovefa-Brenner-Medaille gewürdigt.

Dabei handelt es sich um den Kulturpreis der Stadt Marktoberdorf. Es ist eine ehrenvolle Auszeichnung, die jedoch mit keinem Geldpreis verbunden ist. Doch hat die große, einzigartige Medaille selbst Gewicht und einen vierstelligen Wert. Benannt ist sie nach der Mutter des Komponisten Carl Maria von Weber benannt. Die Sängerin erblickte 1764 in Marktoberdorf das Licht der Welt.

Die Genovefa-Brenner-Medaille wird seit 1998 verliehen – meist im Jahresabstand. Im Dezember 2018 ist damit die Stadtkapelle Marktoberdorf für ihre kulturellen Verdienste gewürdigt worden. Eine siebenköpfige Formation aus dem Orchester hat – als Dankeschön – den Stadträten dafür in der Sitzung zum Jahresschluss 2018 gehörig den Marsch geblasen.

Heuer wurde niemandem der Marsch geblasen. Vielmehr stimmte Rupert Filser, Chef des Haupt- und Kulturamtes im Marktoberdorfer Rathaus, ein Loblied auf die drei Protagonisten an, die seit über 40 Jahren stellvertretend für alle Akteure den Erfolg der Oberdorfer Fasnacht verkörpern: Wolfgang Bolz, Willi Staud und Hansjörg Kögel.

Die „drei Grandseigneurs“ hätten sich mit der Oberdorfer Bühnenfasnacht besondere kulturelle Leistungen und Verdienste in der Stadt Marktoberdorf erworben, resümierte Rupert Filser. Daher habe der Kultur- und Bildungsausschuss in seiner Sitzung am 11. November - man beachte das Datum (Faschingsbeginn) – einstimmig beschlossen, diese Auszeichnung an die Fasnachter zu vergeben.

Vorbilder und Zugpferde

Die Bühnenfasnacht sei nunmehr über fünf Jahrzehnte das künstlerische Highlight und ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil im jährlichen Kulturleben, blickte Filser in der Laudatio zurück. Für so ein aufwändiges und ungebrochen erfolgreiches „Unternehmen“ bedürfe es personeller Konstanten, echter Leader, Vorbilder und Zugpferde.

Wie Rupert Filser schilderte, kamen Wolfgang Bolz und Hansjörg Kögel Ende der siebziger Jahren über die Tanzgruppe der Skiclubjugend auf die Fasnachtsbühne – noch im alten Stadttheater, zur gleichen Zeit auch Willi Staud als Musiker in der Stadtkapelle und in der Stadtkapellen-Big Band. 

Die Skiclubgruppe löste 1983 als „Globetrotter“ die gleichnamige Urformation um Monika Schubert, Anneliese Steinhauser und Sigi Huttner ab und gestaltete viele Jahre – insbesondere ab der ersten MODEON-Fasnacht 1984 - traditionell die letzte Nummer des ersten Teils und die große Schlussnummer.

Hansjörg und Wolfgang agierten schon in den Anfangsjahren ihrer Mitwirkung nicht nur in der Gruppe, sondern zunehmend auch solistisch in den verschiedensten Rollen und in kleineren Ensembles. Dafür stehen die „Kneischter“ und die „Altfasnachter“ - beide sind bis heute Highlights.

Inzwischen „Altfasnachter“, haben die beiden zunehmend Verantwortung für den Fortbestand der Oberdorfer Bühnenfasnacht übernommen. Hansjörg Kögel tat dies als Regisseur von 2007 bis 2017 und Wolfgang Bolz seit 2013 als Präsident für die Bühne.

Eine Herkulesaufgabe

Die Auftritte sind das Ergebnis einer Jahr für Jahr aufs Neue zu stemmenden Herkulesaufgabe an Organisation, Programmatik, Texte schreiben und harter Probenarbeit. Themen und Geschmäcker ändern sich, die Erwartungshaltung des Publikums an den sechs hintereinander laufenden Abenden ist beständig niveauvoll hoch zu halten, immer wieder neue Akteure sind an ihre Aufgaben auf, vor und hinter der Bühne heranzuführen. Seitdem die Band „Voice“ das musikalische Zepter der Fasnachtsabende schwingt (ab 1983), zeichnet Willi Staud für den gesamten musikalischen Bereich der Bühnenfasnacht verantwortlich.

Die drei Hauptakteure waren mitverantwortlich, dass die Zahl der Fasnachtsabende im Laufe der Jahre von drei auf sechs Abende verdoppelt wurde und die Beteiligten manchmal bis an die Grenze der Belastbarkeit gefordert werden. 

„Hansjörg Kögel, Wolfgang Bolz und Willi Staud gehören zur Spitze der Garanten, die dafür sorgen, dass die Oberdorfer Fasnachter im Modeon Jahr für Jahr eine großartige, vierstündige Show aus Musik, Wort, Tanz, Gesang, Akrobatik, Slapstick, Percussion, Satire und Kabarett auf die Bühne zaubern,“ resümierte Rupert Filser als Laudator. „Und das alles fernab von seichter Komik, flachem Humor und amateurhafter Selbstdarstellung.“

jj

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