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Menschen mit Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen

Lebenshilfe Ostallgäu stellt sich neu auf

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Neu aufgestellt hat sich die Lebenshilfe Ostallgäu: 2. Vorsitzender Wolfgang Neumayer (v. li.), die Geschäftsführer Ralf Grath, Claudia Kindrup und Klaus Prestele sowie 1. Vorsitzender Hans Raabe.

Kaufbeuren – „Der Vorstand hat in den letzten Wochen und Monaten oft zusammengesessen und die neuen Entwicklungen in der Sozialpolitik besprochen und mit der Geschäftsführung über die Zukunft unserer Vereinseinrichtung nachgedacht“, sagte der 1. Vorsitzende der Lebenshilfe Ostallgäu Hans Raabe anlässlich eines Pressegespräches in den Vereinsräumen des Stadtbüros „Luag nei“ im Ringweg.

Sehr zufrieden zeigten er, der 2. Vorsitzende Wolfgang Neumayer und die anwesenden Geschäftsführer sich darüber, wie dieses Büro im Herzen Kaufbeurens von der Bevölkerung im ersten Jahr seit Eröffnung angenommen wird.

„Bewährtes weiterentwickeln und viel Neues wagen“ ist schon seit jeher ein Leitsatz der Lebenshilfe. Unter diesem Leitmotiv habe die Vorstandschaft und Geschäftsführung bei einer einberufenen Klausurtagung eine einrichtungsübergreifende Strategie erarbeitet, um die in den zurückliegenden Jahren aufgebaute starke Position im Bereich der sozialen Dienstleister zu behaupten und zu sichern. Bewährte Angebote sollen dabei erhalten und nach Möglichkeit verbessert werden. Gleichzeitig will man aber auch neue Dienstleistungsideen aufgreifen, entwickeln und umsetzen.

Wie Raabe einleitend erklärte, gab es im Bereich der Behindertenarbeit vom Gesetzgeber viele Neuerungen mit entsprechenden Konsequenzen. So wurde beispielsweise mit der Verabschiedung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) ein totaler Systemwechsel in der Behindertenpolitik beschlossen. Auf diesen Umstand müssen sich nun alle Anbieter von Leistungen für Menschen mit Einschränkungen sehr rasch einstellen – auch die Lebenshilfe Ostallgäu.

An die 2.000 Menschen mit Behinderung werden derzeit betreut. Circa 600 Personen sind in den angeschlossenen Werkstätten beschäftigt. Hier warte, nach den Worten des 2. Vorsitzenden Neumayer, noch viel Arbeit in naher Zukunft. Speziell in den Bereichen „Arbeit und Wohnen“ müsse künftig einiges bewegt werden. Gerade im Dienstleistungsbereich könne davon ausgegangen werden, dass dieser wesentlich weiter und offener werde. Ein regelrechter Wettbewerb dürfte sich hier entwickeln. Um die seit langen erworbene führende Stellung im Ostallgäu auch künftig zu behalten, müssten die Einrichtungen der Lebenshilfe Ostallgäu durch passgenaue Angebote und Hilfen im Baukastensystem weiter entwickelt werden.

Immense Veränderungen, so der 2. Vorsitzende weiter, dürften vonseiten der Sozialpolitik auf die Lebenshilfe und vor allem die Werkstätten zukommen. Politisch sei es gewollt, dass künftig mehr Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt Beschäftigung finden. So sollen Personen mit Einschränkungen in Zukunft mehr selbst darüber entscheiden können, wie sie sich die ihnen gebotene Unterstützung, hinsichtlich Arbeit und auch Wohnen, vorstellen. Das bedeutet für die Lebenshilfe, künftig einen gewissen Spagat zu schaffen. So müsse einerseits parallel neue Formen der Hilfe entwickelt und angeboten, andererseits an bewährten Strukturen festgehalten werden. Mehr Integration und Inklusion seien in Zukunft gefragt.

Auch für Kinder mit Behinderung werde es nicht einfacher. So können Eltern ihre Kinder in die bestehenden Förderkindergärten und -schulen, aber auch in jede Regeleinrichtung schicken. In beiden Fällen wird auch weiterhin die nötige Unterstützung vonseiten der Lebenshilfe angeboten.

Um dies alles bewältigen zu können, sei eine gewisse Aufbruchstimmung von Nöten, wie Neumayer betonte. Ebenso müsse auch die Bereitschaft zum Experimentieren und Ausprobieren von neuen Ideen vorhanden sein. All diese Entwicklungen veranlassten die Vorstandschaft letztlich dazu, neue Strukturen zu entwickeln. So soll künftig eine gemeinsame Geschäftsführung für alle Bereiche der Lebenshilfe zuständig sein. Man verspricht sich davon, dass einerseits Kräfte gebündelt und Doppelstrukturen abgebaut werden.

Neu ist auch ein Angebot „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung Ostallgäu-Kaufbeu­ren“ (EUTB). Am 1. Mai 2018 wurde mit dem Aufbau einer Beratungsstelle begonnen. Im persönlichen Gespräch kann seit 1. Juli im „Haus der Begegnung“ in Marktoberdorf Kontakt aufgenommen werden. Dabei besteht die Hauptaufgabe darin, in einem möglichst breitgefächerten Feld umfassend zu informieren und die Betroffenen auch zu begleiten und ihnen zur Seite zu stehen. Menschen mit Behinderung und drohender Beeinträchtigung können sich in allen Belangen beraten lassen. Für Kaufbeuren und weitere Gemeinden im Landkreis sind Außensprechstunden bei Bedarf geplant.

von Klaus-Dieter Körber

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