Lebenslange Haft für Mord an Ehefrau

„Öffentliche Hinrichtung“: Besondere Schwere der Schuld für heimtückische Tötung festgestellt

Der 38-jährige Angeklagte äußerte sich auch am letzten Prozess­tag nicht zu seiner Tat.
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Der 38-jährige Angeklagte äußerte sich auch am letzten Prozess­tag nicht zu seiner Tat.

Obergünzburg/Kempten – Der Gerichtsprozess um einen 38-jährigen Afghanen, der seine Frau im vergangenen Jahr in einem Bus von Kempten nach Obergünzburg heimtückisch getötet haben soll (der Kreisbote berichtete), fand am dritten Verhandlungstag vorerst seinen Abschluss. Die Richter am Landgericht Kempten stellten die besondere Schwere der Schuld fest und verurteilten den Angeklagten am vergangenen Dienstag zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Beschuldigte hat noch die Möglichkeit, gegen das Urteil Revision einzulegen.

Was Staatsanwaltschaft und Nebenkläger fordern

Staatsanwalt Martin Slach sprach in seinem Schlussvortrag von einer vorsätzlichen Tat. Der Angeklagte habe seine Ehefrau gezielt abgepasst und bewusst den Bus als Tatort gewählt, da das Opfer hier nicht mit einem Angriff rechne und keine Fluchtmöglichkeiten vorhanden seien. Weiter habe der Angeklagte das Opfer mit elf Messerstichen „kalt erwischt“ und es sei zu einem massiven, über den Tötungszweck hinausgehenden, Gewaltakt gekommen. Die Gerichtsmedizin habe keinerlei Abwehrverletzungen feststellen können.

„Das allgemeine Bedrohungsgefühl des Opfers ändert nichts an der Arglosigkeit der Tat“, betonte Slach. Als Grund für den Mord führte der Staatsanwalt Groll und Hass gegenüber seiner Ehefrau an. Rechtlich sei dies als vorsätzliche Tötung zu würdigen. Da die Tat heimtückisch und aus niederen Beweggründen stattgefunden habe und somit gleich zwei Mordmerkmale erfüllt seien, forderte der Staatsanwalt außerdem, die Schwere der Schuld festzustellen.

Zukunft der vier Kinder unklar

Andreas Tönjes, der die Angehören des Opfers als Nebenkläger vertrat, unterstützte die Forderungen der Staatsanwaltschaft und sprach davon, dass der Angeklagte seiner Ehefrau den Wert als Mensch abgesprochen und sie zu einem Stück Fleisch degradiert habe, auf das man einstechen könne. „Die eigentlichen Opfer sind nicht hier im Saal. Durch seine Tat hat er seinen Kindern sowohl Mutter als auch Vater genommen“, führte der Anwalt weiter aus. Wo die vier Kinder in Zukunft leben könnten, sei weiterhin unklar.

Forderung des Verteidigers

Christopher Harss, der Verteidiger des Angeklagten, erwähnte in seinem Schlussvortrag die Reaktion des Beschuldigten, als dieser vom Tod seiner Frau erfuhr. Er sei in Tränen ausgebrochen und habe es nicht glauben können. Zur Tat selbst sagte der Verteidiger, dass er von einer spontanen Tat ausgehe. Im Vorfeld habe der Angeklagte massive Drohungen gegenüber allen Beteiligten ausgesprochen. Dies sei Teil seiner Taktik gewesen, um seine Ehefrau zurückzugewinnen.

Der Angeklagte habe immer den Wunsch gehabt, dass alles wie früher werde, was gegen die Motivation der Tötung spreche. Nachdem die Drohungen zu keinem Erfolg geführt hätten, wollte der Beschuldigte „einen drauflegen“. Die Ausführungen des Sachverständigen, dass der Angeklagte gesagt haben soll, er hätte das Recht, seine Frau zu töten, klängen für Harss nach einer nachträglichen Rechtfertigung, da die Reaktion damals bei der Polizei eine ganz andere gewesen sei. Der Verteidiger sprach der Tat in seinem Plädoyer die Heimtücke ab, da die Ehefrau in verschiedenen Momenten Todesangst gehabt habe. „Das ist das Gegenteil von arglos.“ In seiner Gesamtbetrachtung beurteilte der Verteidiger den Fall als Körperverletzung mit Todesfolge und beantragte, den Angeklagten zu elf Jahren Haft zu verurteilen.

Das Urteil

Der Angeklagte sei des Mordes schuldig und werde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, eröffnete der Vorsitzende Richter Christoph Schwiebacher in seiner Urteilsverkündung. Außerdem habe aufgrund der Heimtücke der Tat aus niedrigen Beweggründen die Schwere der Schuld festgestellt werden können. Bezugnehmend auf die Forderungen des Verteidigers, meinte der Vorsitzende Richter, dass die Tat „nicht im Ansatz Körperverletzung mit Todesfolge“ gewesen sei und sprach von einer „öffentlichen Hinrichtung“. Die Arglosigkeit sei gegeben gewesen, da das Opfer in diesem Moment nicht mit einem tödlichen Angriff gerechnet habe.

„Heimtückische Tötung“

„Klassischer als hier geht eine heimtückische Tötung fast nicht“, urteilte Schwiebacher. Mildernde Umstände hätten nicht berücksichtigt werden können. Der Angeklagte sei seit 2015 in Deutschland und habe somit genug Zeit gehabt, sich die Wertvorstellungen seines Gastlandes anzueignen. Stattdessen habe er seine Frau weiterhin als „Objekt seiner Macht“ angesehen. Zwar habe der Angeklagte keine eingetragenen Vorstrafen, jedoch habe dieser seine Frau und Tochter im Vorfeld verbal und körperlich angegriffen. Weiter habe die festgestellte Alkoholmenge des Beschuldigten zur Tatzeit keine Rolle gespielt.

Der Angeklagte kann gegen das Urteil binnen einer Woche Revision einlegen.

Dominik Baum

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