Wird Liam Neeson ein neuer Serien-Held im Kino?

Kinotipp: "Ruhet in Frieden"

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Für Action-Spezialist Liam Neeson gab es in den letzten Jahren viele gute Gründe, die Waffe zu ziehen.

Ein „neuer“ Serien-Held? Irrtum! Bereits im Jahr 1986 verkörperte Jeff Bridges den Romanhelden Matt Scudder – selbstverständlich ganz im „Miami Vice“-Stil der 80iger Jahre. Solide und relativ unterhaltsam, urteilte die damalige Presse.

Das klingt ganz nett, aber sicher nicht nach einem umjubelten Blockbuster. Das soll mit Liam Neeson anders werden, immerhin konnte sich der 62-jährige in den vergangenen Jahren einen tollen Ruf als Action-Charakter-Darsteller mit Biss (siehe „Batman Begins“ „96 Hours“ „The Grey“ und „Unknown Identity“) erarbeiten. Wird das nun der Beginn einer neuen Franchise-Serie? 

Bestseller-Autor Lawrence Block schickte seinen Privatdetektiv bereits über ein Dutzend mal auf spannende Buch-Missionen, es ist gut vorstellbar, dass Liam Neeson in die Fußstapfen eines „Jason Bourne“ oder „Ethan Hunt“ schlüpfen könnte. Im Vorfeld erwartete man eine Gratwanderung zwischen einer vielschichtigen Story mit Tiefgang und guten Action-Sequenzen, aber nur ein finanzieller Überraschungserfolg wie beispielsweise „Die Bourne Identität“ mit Matt Damon könnte eine Kino-Serie für die Produzenten rechtfertigen. 

Inhalt 

Acht Jahre sind für Matt Scudder (Liam Neeson) vergangen, seit ihm seine frühere Alkoholsucht den Job und zwei Mördern das Leben gekostet hat. Vorbei sind die Zeiten im Polizeidienst – jetzt versucht er seinen Gerechtigkeitssinn mit der Arbeit als Privatdetektiv ohne Lizenz zu kompensieren. Der aktuelle Fall hat es in sich. Eine Frau wurde entführt und brutal ermordet. 

Zunächst irritiert ihn die Tatsache, dass sein Auftraggeber selbst ein krimineller Drogendealer mit ungewissem Hintergrund ist, doch je länger seine Ermittlungen andauern, desto klarer wird ihm: hier waren schlimme Psychopathen am Werk. Es offenbart sich, dass die Entführung nicht die einzige war, sondern Teil einer ganzen Serie äußerst gewalttätiger Straftaten – immer mit tödlichem Ende. Scudder sieht sich bald gezwungen, selbst die Grenzen des Gesetzes zu überschreiten. 

Rezension 

Dem Regisseur gelingt ein recht typischer Genre-Thriller, dessen Atmosphäre weniger die dreckigen Straßen oder psychopathischen Entführer ausmachen. Liam Neeson dominiert in fast jede Szene. Es bleibt ein hart-gesottener Ex-Cop übrig, dessen gesamter Charakter auf keinen Fall in zwei Stunden Film passt. Hier und da wird Schmerz, Einsamkeit und die Suche nach der richtigen Aufgabe angedeutet, doch nie wirklich ausgefeilt. 

Die Bekanntschaft mit einem obdachlosen Jungen bringt etwas frechen Witz in die Geschichte. Rein schauspielerisch liefert Neeson eine erstklassige Arbeit ab – ob er jemanden gemächlich observiert, eine Waffe lädt oder einfach nur einen Kaffee trinkt – der Nordire lässt jede Szene auf seine Weise spannend wirken. Doch dazu sollte der Zuschauer unbedingt ein Fan des hochgewachsenen Darstellers sein. 

Andernfalls könnte sich der Kinobesuch auch sehr enttäuschend entwickeln. Wenn man das starke Charisma des Hauptdarstellers außer Acht lässt, bleibt eine einfach gestrickte Story (auf dem Niveau einer Folge CSI: NY), ohne große Wendungen und Sackgassen übrig. Die Detektiv-Methoden der Hauptfigur werden nur oberflächlich angerissen. Richtig interessant wird es ab der zweiten Hälfte des Films – hier kommt die Rolle des „Bryan Mills“ aus „96 Hours“ wieder zum Zug – doch ob das der kreativen Entwicklung des Films gut tut, ist auf jeden Fall ein Fragezeichen. 

Die Rolle des Privat-Schnüfflers Matthew Scudder wird es schwer haben, eine Fortsetzung zu finden – dafür werden nicht genügend Block- buster-Kriterien erfüllt. Schade ist vor allem die Herangehensweise der Produzenten. Vielleicht wäre es besser gewesen, man hätte mit diesem großartigen Stoff eine Serie im Stil von „True Detective“ entwickelt, in der sich die seelischen Prozesse des Anti-Helden mit vielen Rückblicken auf seine Alkoholsucht hätten entfalten können. So bleibt nur eine kurzweilige „One-Man-Show“, die zumindest die Herzen der Liam Neeson-Fans höher schlagen lässt. von Michael Denks

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