"Licht ins Dunkel bringen"

Nicht nur äusserlich eine Baustelle ist der Klinikverbund Kaufbeuren-Ostallgäu hier: das Haupthaus Kaufbeuren Foto: Frisch

Rede und Antwort stand Kliniken-verwaltungsratsvorsitzender Stefan Bosse vergangene Woche im MODEON dem Bürger-Forum Gesundheitswesen. „Mitdenken, mitreden, sich einmischen“ war die Devise der Runde, und dementsprechend stellten die rund 20 Anwesenden gezielt Fragen, die der Öffentlichkeit in Bezug auf das Thema „Klinikverbund Ostallgäu bisher weitgehend unbeantwortet blieben. Die Schließung der Geburtsstation am örtlichen Klinikum, die unklare Lage beim Defizit und die umstrittene Expertise von Dr. Ulrich Vetter bezüglich der Zukunft des Klinikverbundes Kaufbeuren-Ostallgäu waren die Kernpunkte der Diskussion.

Dass seit 2008 Marktoberdorfer Frauen nach Kaufbeuren fahren müssen, um ein Kind zur Welt zu bringen, sah der Großteil der Anwesenden negativ. Bosse erklärte diesbezüglich, es bestünden bundesweite Richtlinien, die eine Mindestanzahl von Geburten pro Jahr beinhalteten. Würden diese unterschritten, sei es ratsam, die jeweilige Geburtenstation zu schließen; dies sei im Marktoberdorf der Fall gewesen. Trotzdem habe sich der Landrat bemüht, die Schließung noch um einige Jahre zu verzögern; aufgrund gewisser Differenzen mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Rainer Wuttke sei dieses Vorhaben jedoch nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Auf die Frage nach dem Defizit des Kommunalunternehmens Krankenhausverbund und dem immer noch fehlenden Jahresbericht für 2009 antwortete Bosse, man sei sich, unter anderem infolge des häufigen Wechsels der Vorstandschaft in den letzten Jahren über vielerlei Zahlen noch im unklaren; es sei geplant, über eine Ausschreibung einen Finanzexperten mit ins Boot zu holen, der helfen solle, möglichst schnell „Licht ins Dunkel“ zu bringen. Damit sei auch die momentane Führungs-Doppelspitze, Ludwig Lederle und Dr. Johannes Klasen, einverstanden; auch ansonsten sei man mit den beiden Führungskräften so zufrieden „wie schon lange nicht mehr“. Was man allerdings im Hinblick auf das Defizit momentan sicher sagen könne, sei, dass der Klinikverbund Kaufbeuren-Ostallgäu jährlich 6 Millionen Euro Minus einfahre, davon 3 Millionen beim operativen Ergebnis. Der Gesamtschuldenstand beläuft sich zur Zeit auf stolze 50 Millionen Euro. „Klar ist, dass es so nicht weitergehen kann: wir bemühen uns, schnellstmöglich eine gute Lösung für alle fünf Standorte zu finden!“ Ein Verkauf an einen privaten Klinikkonzern sei – zumindest nach derzeitigem Stand - ausgeschlossen, so der Oberbürgermeister und Verwaltungsrat. Es müsse aber sowohl den Bürgern als auch dem Personal der Krankenhäuser klar sein: „Alles, was wir uns an Gesundheitsversorgung leisten, muss auch bezahlt werden!“

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