„Love Scamming“

Liebesbetrüger ergaunert mehrere Tausend Euro von Kaufbeurer Seniorin

PantherMedia 4736734
+

Kaufbeuren – Eine Kaufbeurer Seniorin lernte über ein Dating-Portal im Internet einen angeblichen Akademiker aus Afghanistan kennen, der ihr nach zahlreichen Chats in Aussicht stellte, sie in Kaufbeuren besuchen zu wollen. Wie sich erst später herausstellte, handelte es sich bei dem Mann um einen Liebesbetrüger.

Bevor es zum Treffen kommen würde, sollte die 77-Jährige auf dem Postweg eine „Box“ des Mannes annehmen und hierfür zunächst Zollgebühren auf ein ausländisches Bankkonto überweisen. Dieser Aufforderung des Mannes kam dem die Seniorin laut Polizei auch nach.

Im weiteren Verlauf leistete die Frau Zahlungen von mehreren Tausend Euro für eine vorgebliche Unbedenklichkeitsbescheinigung und ein „Anti-Terror-Zertifikat“ des Pakets an ein ausländisches Konto, damit ihr dieses auch zugestellt werden könne.

Mit der Zeit kamen der Seniorin Zweifel, dass ihr Gegenüber lediglich eine Liebschaft vortäuschte und nicht an ihr, sondern nur an ihrem Geld interessiert war. Nach Recherchen, in die auch eine Detektei eingebunden war, entschloss sich die Dame, den „Liebesbetrug“ bei der Polizei anzuzeigen.

Die Masche

Das Phänomen ist der Polizei als „Love Scamming“ bekannt und beschäftigte die Ermittler vor allem Mitte des letzten Jahrzehnts. Danach ebbte die Welle ab und wurde von neueren Phänomenen wie beispielsweise den „Falschen Polizeibeamten“ abgelöst. Mittlerweile erlebe die Geschichte der falschen Liebschaften laut Polizei wieder eine Art Comeback – das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West verzeichnete im Jahr 2019 zehn Ermittlungsverfahren, 2020 seien es bereits sieben. In vielen Fällen entstand dabei ein finanzieller Schaden bei den Geschädigten, 2019 erbeuteten die Täter aus sieben Fällen über 50.000 Euro, 2020 aus vier Fällen bereits über 40.000 Euro.

Die Opfer trauen sich aufgrund der intimen Details aus der Kommunikation oft nicht, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Der Hintergrund

Die Angesprochenen werden mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft. Es entsteht im Verlauf der Zeit eine emotionale Abhängigkeit beziehungsweise eine Beziehung zum Unbekannten und auf einmal kommt ein vermeintlicher Notfall in das Leben der neuen Liebe. Helfen kann nur das Opfer – mit dem eigenen Geld.

Die Empfehlungen

Grundsätzlich sollte man Menschen, die man nie persönlich kennengelernt oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf sonstige Forderungen eingehen. Gerade im Internet tummeln sich viele Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen viel Geld verdienen wollen. Seien Sie also immer misstrauisch bei unglaublichen Angeboten.

Detailliertere Hinweise zur Vorgehensweise der Täter, zu deren Erkennbarkeit, zu Ihrem Schutz und zur Nachweisbarkeit der Tat finden Sie im Internet unter folgendem Link: www.polizei-beratung.de.

kb

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl feiert 30-jähriges Jubiläum
Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl feiert 30-jähriges Jubiläum
 „Die Lage ist verheerend“ – humedica entsendet zweites Team nach Beirut
 „Die Lage ist verheerend“ – humedica entsendet zweites Team nach Beirut
Renter aus Buchloe soll Buben Ohrfeigen verpasst haben
Renter aus Buchloe soll Buben Ohrfeigen verpasst haben
Betrüger ergaunert am Telefon über 7000 Euro von 19-Jähriger aus Biessenhofen
Betrüger ergaunert am Telefon über 7000 Euro von 19-Jähriger aus Biessenhofen

Kommentare