61-Jährige auch für Geldwäsche missbraucht

Liebesbetrüger machen Kasse: Aktueller Fall im Ostallgäu

Mit der verbreiteten Betrugsmasche, die sich „Love-Scamming“ nennt, ergaunerten zwei Drahtzieher eine stattliche Summe Geld, das sie über dieKonten zweier gutgläubiger Männer aus Bad Aibling „waschen“ ließen. Die beiden Kontoinhaber wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.
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Symbolfoto

Landkreis/Marktoberdorf –  Bei der Marktoberdorfer Polizei wurde ein Fall von „Love Scamming“ angezeigt. Ein 61-Jährige Frau aus dem Landkreis verlor durch den Betrug nicht nur Geld, sie machte sich außerdem strafbar. Wie die Polizei berichtet hatte sie Geld für den oder die Betrüger gewaschen. Die Ermittler warnen eindringlich vor dieser Betrugsmasche und geben Tipps, wie Täter erkannt werden können.

Eine 61-jährige Ostallgäuerin wurde Opfer eines sogenannten „Liebesbetrügers“. Seit Oktober 2020 gaukelte ihr ein angeblicher Spanier über das Internet die große Liebe vor und schaffte es laut Polizei, sie dazu zu bewegen, ihm immer wieder Geldbeträge zur überweisen. Da auch immer wieder verschiedene Beträge auf ihr Konto überwiesen wurden, welche die Frau weiter überweisen sollte, wurde sie somit auch noch als Geldwäscherin missbraucht.

Insgesamt hat die Ostallgäuerin dadurch einen Schaden in Höhe von gut 1500 Euro davon getragen, bis sie sich endlich entschloss, die Sache anzuzeigen. Einen wesentlich höheren Betrag hat sie laut Polizeibericht über ihr Konto weiter überwiesen und sich somit auch noch selbst strafbar gemacht. Die Polizei warnt eindringlich vor derartigen Betrügern.

Die Masche

Das Phänomen ist bei der Polizei als „Love Scamming“ oder „Romance Scamming“ bekannt und beschäftigte die Ermittler vor allem Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Danach ebbte die Welle ab und wurde von neueren Phänomenen wie beispielsweise den „Falschen Polizeibeamten“ abgelöst.

Mittlerweile erlebt die Geschichte der falschen Liebschaften wieder eine Art Comeback – das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West verzeichnete im Jahr 2020 rund 50 Ermittlungsverfahren, 2021 sind es mit Stand heute etwa die Hälfte davon. In vielen Fällen entstand dabei ein finanzieller Schaden bei den Geschädigten. Allein im Jahr 2020 erbeuteten die Täter aus 36 Fällen über 450.000 Euro, im laufenden Jahr aus 14 Fällen bislang rund 250.000 Euro.

Die Opfer trauen sich aufgrund der intimen Details aus der Kommunikation oft nicht, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Der Hintergrund

Die Angesprochenen werden mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft. Es entsteht im Verlauf der Zeit eine emotionale Abhängigkeit beziehungsweise eine Beziehung zum Unbekannten – auf einmal kommt ein vermeintlicher Notfall oder eine finanzielle Notlage in das Leben der neuen Liebe. Helfen kann nur das Opfer – mit dem eigenen Geld.

Anhand nachfolgender Tipps können Sie die Betrüger erkennen:

1. An der Kontaktaufnahme:

Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel. Da die Betrüger oft mit deutschen Mailadressen arbeiten, ist selten ersichtlich, dass sich hinter den netten Zeilen ein Scammer verbirgt.

2. An der Sprache:

Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Insider gehen davon aus, dass rund 95 Prozent der englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer sind. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.

3. An den Bildern:

Scam-Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind, während Scam-Männer häufig Fotos von uniformierten Männern nutzen.

4. Am Inhalt der Mails:

Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlangen Briefen voller schwülstiger Liebesschwüre. An den überbordenden Liebeserklärungen und Liebesbekundungen sind sie leicht zu erkennen. Aber es geht auch anders: Seriös wirkende Mails sollen das Interesse wecken. Oft wollen die Scammer alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt immer eine Rolle. Wichtig: Die Scammer bezeichnen ihre neuen Partner schon bald als „Ehemann“ oder „Ehefrau“ und schmieden Heiratspläne. Deswegen scheint die Bitte um ein Visum oder ein gemeinsames Konto gerechtfertigt.

5. An Verbindungen nach Westafrika/Russland/Südostasien:

Ob Geschäftsreise oder familiäre Probleme, es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung nach Nigeria, Ghana und so weiter. Frauen hingegen leben oft in osteuropäischen / südostasiatischen / südamerikanischen Ländern.

6. An Bitten um Geld / Visum / Päckchen- oder Briefversand / gemeinsames Konto:

Es gibt viele Gründe, das Opfer um Geld zu bitten. Weigert es sich, Geld zu schicken, finden Betrüger andere Wege. Gefälschte Schecks, die in Deutschland eingezahlt werden sollen, gehören dazu. Momentan sehr stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland. Die Betrüger schaffen es auch, geschickt die Opfer für ihre Zwecke zu missbrauchen, beispielsweise sollen diese Briefe oder Päckchen an dritte Personen verschicken. Scam-Frauen erbetteln sich häufig Einladungen nach Deutschland. Oft geben die Betrüger vor, ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden für Fälschungen von Pässen genutzt.

kb

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